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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Sie sollten zurücktreten!″
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf die Themen „Kanzlerkritik″ und „Horst Seehofer″ ins Bild setzte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Ob Kanzlerin, Innenminister oder Verteidigungsministerin – „ Rücktritt″ war eines der am häufigsten verwendeten Schlagworte der letzten Wochen in Politik und Medien. Solcherlei Geplänkel hat der Karikaturist Fritz Wolf 1996 nicht nur aufs Korn, sondern auch beim Wort genommen″ und zudem einen eher grobschlächtig agierenden Gesundheitsminister inszeniert.

Osnabrück Sie sollten zurücktreten! rät Herausforderer Gerhard Schröder seinem Kontrahenten Helmut Kohl nicht ganz uneigennützig und verpasst ihm kurzerhand einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten. Noch führt der kickende Bundeskanzler den Regierungsball verhältnismäßig sicher am rechten Fuß, doch in Trikot und kurzer Hose wirkt der beleibte Senior recht behäbig.

Im zweiten Bild geschieht das Unerwartete: Statt die Kanzlerschuhe an den Nagel zu hängen und sich ins Private zurückzuziehen, tritt Helmut Kohl im wahrsten Sinn des Wortes zurück und Gerhard Schröder so seinerseits heftig ins Hinterteil. Einmal mehr erweist sich Fritz Wolf mit dieser Zeichnung aus dem Jahr 1996 als Wortakrobat, der gekonnt Sprache und Bildwitz kombinierte.

Angesichts der jüngsten Ereignisse in Berlin um den Fall Maaßen und die Abwahl Volker Kauders als CDU-Fraktionschef wünscht sich der Betrachter für Angela Merkel jene Konsequenz, die der Karikaturist ihrem Ziehvater Helmut Kohl bescheinigt das heißt, vielleicht wirklich zurück- oder endlich gegenüber CSU-Chef Horst Seehofer energisch aufzutreten.

Diesen hat Fritz Wolf in den 1990er-Jahren vor allem als grobschlächtigen Politiker gezeichnet. 1997 setzte er ihn als Krankenpfleger″ ins Bild, der bei seiner Gesundheitsreform den Patienten mit dem Bade auszuschütten″ droht. Nur mit Mühe kann der kleine deutsche Michel sich am Wannenrand festkrallen, um den ministerialen Kippversuchen zu entgehen. Während die Kollegin in Schwesterntracht dem Bademeister skeptisch zuschaut, erheben die Krankenkassen und die Ärzte mahnend den Zeigefinger.

Mit wenigen bildredaktionellen Änderungen ließe sich diese Karikatur auch auf Seehofers Wirken als Heimatminister beziehen. Ob Rücktritt vom Rücktritt als Minister″, Masterplan Migration oder der Umgang mit dem Amt eines Staatssekretärs der bayerische Wahlkämpfer verschüttet stets mehr als nur das kalte Badewasser der Großen Koalition.

Im Blick auf die bayerischen Landtagswahlen könnte sich eine weitere Karikatur zur Gesundheitsreform als geradezu prophetisch erweisen: 1996 sah Fritz Wolf Seehofer auf der Flucht″ damals vor der heftigen Kritik von Patienten, Ärzten, Schwestern und Kassen. Vielleicht würde ein aus seinen Ämtern flüchtender Horst Seehofer die Mutter aller Probleme″ der Großen Koalition einer Lösung zuführen.

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Bildtexte:
Seehofer auf der Flucht″ (1996)
Krankenpfleger Seehofer″ (1997)
„… beim Wort genommen″ (1996)

Fritz Wolf

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf (Foto: Michael Hehmann) anlässlich seines 100. Geburtstags am 7. Mai 2018 eine Karikaturen-Serie.

Das Museum Villa Stahmer in Georgsmarienhütte zeigt derzeit die Fritz-Wolf-Sonderausstellung Von der Muse geküsst″, die seine Werke zu den Themenfeldern Kunst und Mode beleuchtet.

Das Stadtmuseum Quakenbrück präsentiert noch bis zum 4. November eine Fritz-Wolf-Schau zum Thema Musik, während das Museum Industriekultur in Osnabrück im Rahmen seiner aktuellen Kneipenausstellung Wolf′sche Bierkarikaturen zeigt.

Für Freunde des Karikaturisten ist zudem ein Ausblick ins neue Jahr möglich, denn der Fritz-Wolf-Kalender 2019 ist bereits jetzt im Buchhandel und an den derzeitigen Ausstellungsorten zum Preis von 18, 90 Euro erhältlich.

Weitere Informationen zu den aktuellen und künftigen Projekten der Osnabrücker Fritz-Wolf-Stiftung erteilt der Medienwissenschaftler Sebastian Scholtysek unter der Telefonnummer 0176/ 31110663 oder per E-Mail an die Adresse post@ Fritz-Wolf.de.
Autor:
Hermann Queckenstedt


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