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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ausweglose Flucht
Zwischenüberschrift:
Stolpersteine erinnern an das Schicksal von Philipp, Rahel und Felix Nussbaum
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. 1933 begann für die jüdische Familie Nussbaum das Unheil. Als Hitler an die Macht kam, verließen Vater und Mutter das Land, kehrten wieder zurück und flohen erneut. Ihr Sohn, der Maler Felix, lebte schließlich in Belgien. Doch der Rassenwahn ging über die Grenzen hinweg, und das Grauen nahm seinen Lauf. Die Mörder holten die Nussbaums 1944 nach Auschwitz. Vor der ehemaligen Adresse der Familie an der Schlossstraße 11 erinnern jetzt Stolpersteine an ihr Schicksal.

Jahrzehnte nach seiner Ermordung wurde Felix Nussbaum als Maler wiederentdeckt und damit auch als Opfer der Nationalsozialisten. Sein Elternhaus ist in Osnabrück als Nussbaum-Villa bekannt, die sich lange Zeit im Dornröschenschlaf befand. Bei der Verlegung der Stolpersteine richteten sich Kameras und Mikrofone auf die Zeremonie in der Schlossstraße.

Erfolge und Leidensweg

Karin Jabs-Kiesler von der Felix-Nussbaum-Gesellschaft berichtete von der Erfolgs- und Leidensgeschichte dieser Familie. Die Eltern des Malers waren Philipp und Rahel Nussbaum, die aus dem ostfriesischen Emden nach Osnabrück gezogen waren ebenso wie ihr Verwandter Simon Gossels, mit dem sie die Eisenhandelsgesellschaft Gossels & Co.″ in der Großen Hamkenstraße 6 gründeten. 1901 kam ihr Sohn Justus zur Welt, 1904 der spätere Maler Felix. 1922 baute die Familie in der Schlossstraße ihre Villa.
Während Justus Nussbaum in die Firma der Eltern einstieg und in die Augustenburger Straße zog, verfolgte Felix Nussbaum seine Laufbahn als Maler. Er studierte in Berlin und später in Rom. Ab 1935 lebte er mit seiner Frau Felka Platek im belgischen Ostende, später in Brüssel.
Als deutsche Truppen in Belgien einmarschierten, wurde Felix Nussbaum verhaftet und in ein Lager in den Pyrenäen gesperrt. Doch er konnte fliehen und heimlich zurück nach Brüssel ziehen. 1943 versteckte er sich mit Felka Platek in einer Mansarde ein Hausmeister schützte sie vor der Entdeckung. In einem Atelier arbeitete der Künstler noch ein Jahr lang. Die Bilder aus der Zeit sollten erst lange nach seinem Tod bekannt werden. Am 20. Juni 1944 gerieten Felix Nussbaum und Felka Platek schließlich doch in die Fänge der Nationalsozialisten. Zwar waren in Frankreich bereits die alliierten Truppen gelandet, doch noch konnten sie die Todesmaschinerie des Hitler-Regimes nicht aufhalten. Felix Nussbaum und Felka Platek wurden nach Auschwitz verschleppt und dort kurze Zeit später möglicherweise im August ermordet.
Die Eltern des Malers waren bereits tot. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, emigrierten Philipp und Rahel Nussbaum noch im selben Jahr in die Schweiz und später nach Rapallo in Italien. Dort litten sie unter Heimweh und zogen 1935 zurück nach Deutschland. Sie lebten bis nach der Pogromnacht 1938 in Köln, dann emigrierten sie erneut. Diesmal nach Amsterdam. Doch auch dort waren sie vor den Nationalsozialisten nicht sicher. Im Februar 1944 wurden sie verhaftet, nach Auschwitz deportiert und ermordet ein halbes Jahr vor ihrem Sohn Felix und ein dreiviertel Jahr vor ihrem Sohn Justus. Dessen letzte Wohnung in Osnabrück befand sich in der Augustenburger Straße. Über die dortige Stolpersteinverlegung berichten wir in der kommenden Woche.

Bildtexte:
Die Nussbaum-Villa an der Schlossstraße 11 ist nach ihren ehemaligen Eigentümern benannt.
Glücklichere Tage: Felix Nussbaum (von links) mit seinen Eltern Rahel und Philipp sowie seinem Bruder Justus im Jahr 1925 während eines Urlaubs auf Norderney.
Fotos:
Jörn Martens

Stolpersteine in Osnabrück

Stolpersteine sind messingbesetzte Gedenktafeln, die im Bürgersteig vor den Wohn- und Wirkstätten der Verfolgten und Ermordeten des NS-Regimes verlegt werden: Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung zu Opfern wurden. Initiator ist der Kölner Künstler Gunter Demnig. Seinem Projekt haben sich mehr als 480 Kommunen in Deutschland angeschlossen, weitere im Ausland. In Osnabrück liegen bereits 97 Stolpersteine. Pate der Stolpersteine für Philipp, Rahel und Felix Nussbaum ist die Felix-Nussbaum-Gesellschaft. Verlegt haben die Steine Pascal Nobbe, Dominik Strohmeier, Philipp Unverfehrt und Dennis Webering vom Berufsschulzentrum Westerberg. Für die künftige Recherche bittet das Büro für Friedenskultur um Hinweise, Tel. 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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