User Online: 2 | Timeout: 21:50Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neumarkt: Busfrei nur mit Nachteilen
 
Neumarkt ohne Busse hätte viele Nachteile
Zwischenüberschrift:
Höhere Kosten, schlechtere Erreichbarkeit, weniger Fahrgäste: Verkehrsgutachter rät der Stadt ab
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Ein Neumarkt ohne Busse ist das machbar? Ja, sagt der Gutachter Mathias Schmechtig aus Kassel, aber dieser Schritt wäre mit vielen Nachteilen verbunden. Die zentrale Innenstadt wäre für die Kunden nicht mehr so gut erreichbar, der Busbetrieb würde deutlich mehr Geld kosten, und die Zahl der Fahrgäste würde um bis zu sieben Prozent sinken. Vor dem Arbeitskreis zur Neuorganisation des ÖPNV am Neumarkt brachte es der Verkehrsplaner so auf den Punkt: Die Stadt Osnabrück müsste in der Konsequenz mehr Geld für einen schlechteren ÖPNV aufbringen.″ Schon im Juni hatte sich dieses Ergebnis abgezeichnet. Die Stadt wollte es aber genau wissen und gab Schmechtig den Auftrag, die Veränderungen an drei Modellen durchzurechnen. Die Ergebnisse stellte er jetzt vor.

Ein Neumarkt ohne Busse ist machbar, allerdings wäre die Innenstadt schlechter erreichbar, die Zahl der Fahrgäste würde schrumpfen, und die Kosten würden steigen. Zu diesem Ergebnis kommt der Gutachter, der im Auftrag der Stadt verschiedene Varianten untersucht hat.

Osnabrück Schon im Juni hatte sich abgezeichnet, dass ein busfreier Neumarkt viele Nachteile mit sich bringen würde. Gleichwohl ließ sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt darauf ein, drei Planungsvarianten genauer unter die Lupe zu nehmen. Mathias Schmechtig, Inhaber des Planungsbüros Nahverkehrsconsult aus Kassel, räumt jetzt ein, dass der öffentliche Nahverkehr Schaden nehmen würde, wenn die Busse am Neumarkt nicht mehr halten dürften.

Vor dem Arbeitskreis zur Neuorganisation des ÖPNV am Neumarkt brachte es der Verkehrsplaner so auf den Punkt: Die Stadt Osnabrück müsste in der Konsequenz mehr Geld für einen schlechteren ÖPNV aufbringen.″ Moderator Jens Stachowitz erinnerte an den Ratsbeschluss vom September 2017, in dem die Bedingung formuliert war, die Erreichbarkeit der Innenstadt mindestens auf dem heutigen Niveau zu erhalten, den öffentlichen Nahverkehr aber insgesamt zu stärken, um die Nutzerzahlen zu erhöhen. Außerdem sollte nach dem Willen des Rates die Verbindung zwischen den Stadtteilen optimiert werden ein Ansatz, der mit dem inzwischen vorliegenden Buslinienkonzept schon etwas konkreter geworden ist.

Das alles lässt sich nach Stachowitz′ Worten nicht mit einem busfreien Neumarkt in Einklang bringen. Es gibt keine Lösung, die die Zielsetzungen, die der Rat vorgegeben hat, erfüllen würde″, lautet sein Fazit.

Der Arbeitskreis, dem Politiker der Ratsfraktionen und Fachleute, Fahrgastbeiratsmitglieder und Verbandsvertreter angehören, diskutiert schon seit April über Möglichkeiten, den Busverkehr ganz oder teilweise vom Neumarkt zu verdrängen. Drei Varianten hat der Kasseler Planer Mathias Schmechtig intensiv beleuchtet und zur Diskussion gestellt:

A Nord-Süd-Stammachse: Busse, die vom Nikolaizentrum kommen, fahren bis zur Kommenderiestraße weiter und gelangen von dort über die Süsterstraße am Marienhospital vorbei zum Hauptbahnhof. Der Ledenhof und die Johanniskirche würden nach diesem Modell zu zentralen Haltestellen.

B Achsenkreuz: Der Busverkehr in Ost-West-Richtung fährt nach dieser Variante weiterhin über den Neumarkt, die Nord-Süd-Linien nehmen nicht den Weg durch die Johannisstraße, sondern die Kommenderiestraße und die Süsterstraße.

C Ausgedünnte Stammachse über den Neumarkt: Nach diesem Denkmodell bleiben die Linien 11/ 12/ 13 und 91/ 92 auf dem Neumarkt und die 71/ 72 in der Johannisstraße. Für weniger frequentierten Linien wie die 31, 51 oder 21 geht die Fahrt dafür über den Wallring.

Für Schmechtig liegt auf der Hand, dass die zentrale Innenstadt mit allen drei Varianten schlechter erreichbar wäre. Das würde vor allem älteren Fahrgästen und Behinderten das Leben schwerer machen. Zudem würden sich die Reisezeiten auf der Ost-West-Achse spürbar verlängern.

Die Verlagerung des Busverkehrs vom Neumarkt bringe es auch mit sich, dass neue Haltestellen und Fahrwege an anderen Stellen geschaffen werden müssten ein konfliktträchtiges Unterfangen, wie der Gutachter anmerkte. Unter dem Strich würde der öffentliche Nahverkehr Fahrgäste verlieren, im ungünstigsten Fall bis zu sieben Prozent.

Die Umbaukosten für die neue Linienführung bezifferte Schmechtig je nach Variante mit 1, 3 Millionen bis 2, 4 Millionen Euro. Für zusätzliche Fahrzeuge, Fahrer und weitere Betriebskosten müssten nach seiner Kalkulation ein bis zwei Millionen Euro pro Jahr aufgewendet werden bei einem Einnahmeverlust zwischen 700000 und 1, 1 Millionen Euro. Das Geld müsste entweder aus dem städtischen Haushalt oder aus dem Stadtwerke-Etat kommen, vermerkte der Gutachter.

Der Arbeitskreis zur Neuorganisation des ÖPNV hat lediglich eine beratende Funktion. Im nächsten Schritt wird sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt am 18. Oktober mit der Machbarkeitsstudie befassen. Sollte die Idee vom busfreien Neumarkt weiterverfolgt werden, müsste der Rat eine Entscheidung treffen.

Bildtext:
Sollen Busse nicht mehr über den Neumarkt? Für Gutachter Mathias Schmechtig überwiegen die Nachteile.
Foto:
Jörn Martens

Kommentar
Keine so coole Idee

Wer Diesel fährt, hat ein Imageproblem. Das bekommt auch der öffentliche Nahverkehr zu spüren. Sicher war es kein Zufall, dass die Stadtwerke ausgerechnet während des Dieselskandals immer stärker unter Druck gerieten, ein Tabu infrage zu stellen. Den Neumarkt busfrei machen, coole Idee, oder? Jetzt wissen wir, dass es nicht so cool ist. Diese Frage hätte sich auch ohne Machbarkeitsstudie beantworten lassen. Aber vielleicht trägt das Gutachten dazu bei, dass die in der Neumarkt-Frage zerstrittenen Lager wieder zu mehr Gemeinsamkeit finden.

Auch wenn es machbar ist, Osnabrücks zentralen Platz für Busse zu sperren sinnvoll ist es auf keinen Fall. Mit einem öffentlichen Nahverkehr, der deutlich mehr Geld kostet, aber bis zu sieben Prozent seiner Fahrgäste verliert, würde die Stadt das falsche Signal setzen. Nicht weniger, sondern mehr Menschen müssten in den Bus steigen, denn die Massenmotorisierung kann nur ein Verkehrschaos hervorbringen.

Ausgangspunkt für die Machbarkeitsstudie war die Überlegung, dass der von den Planern sicherlich überstrapazierte Begriff von der Aufenthaltsqualität″ für den Neumarkt keine leere Formel sein soll. Deshalb bleibt es eine Herausforderung, den Neumarkt schöner zu machen, ohne die Busse auszusperren. Immer weniger Dieselbusse, aber immer mehr elektrische, das ist eine Perspektive.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


Anfang der Liste Ende der Liste