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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Einmalige Gelegenheit″
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolfs Werbeanzeigen den Mode-Umsatz ankurbeln sollten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Ältere Zeitgenossen erinnern sich noch der Fernsehbilder von geradezu legendären Schlussverkäufen″ der 1960er- bis 1980er-Jahre, in denen kaufwütige Konsumentinnen angesichts exorbitanter Preisnachlässe die Ladenlokale geradezu erstürmten.

Osnabrück Mit einer Werbeanzeige des Osnabrücker Schuhhauses Wellmann setzte der Karikaturist Fritz Wolf bereits 1951 den Endspurt kauflustiger Damen, Herren und Jugendlicher um die attraktivsten Angebote ins Bild. Wohin rennen die denn?″, fragt sich der Herr mit Aktentasche und leichtem Mantel beim Anblick vorbeirennender Mitbürger, die mit wehendem Haarschopf und fliegenden Schritten offenbar nur ein Ziel kennen: den Sommer-Schluß-Verkauf″ in den beiden Filialen des Schuhhauses. Sogar die Spatzen pfeifen gut gelaunt von den Straßenschildern, dass an der Möserstraße 36 und der Buerschen Straße 68 vom 31. Juli bis zum 12. August hochwertige Markenschuhe für kleines Geld zu haben sind.

Zwischen 1, 90 und 26, 90 DM kosteten preisreduzierte Schuhe ein halbes Jahrzehnt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg und knapp zwei Jahre nach der Währungsreform, die Handel und Wandel auf eine solide Basis gestellt hatte. Allerdings waren die sommerlichen wie winterlichen Rabattschlachten über Jahrzehnte aus Wettbewerbsgründen lediglich für zwei Wochen erlaubt, sodass die Nation dem modischen Ausramsch regelmäßig entgegenfieberte. Heute zieht sich dieser je nach Witterung bis in den September hin, und beim Stadtbummel lässt sich auch in diesen Tagen noch immer manches sommerliche Modeschnäppchen machen.

Für das Schuhhaus Wellmann gestaltete Fritz Wolf zudem eine weitere, ähnliche Werbeanzeige zum Winter-Schluss-Verkauf″ des Jahres 1950.

1953 beleuchtete Fritz Wolf verschiedene Aspekte eines winterlichen Ausverkaufs in fünf Zeichnungen für die Neue Tagespost″, die den Duktus der späteren Zeichnungsfolgen für den Stern″ und die Brigitte″ vorwegnimmt. Besonders prägnant: Zwei Damen wähnen sich zu schlaftrunkener Zeit als Erste″ vor der verschlossenen Eingangstür des Geschäftes nicht ahnend, dass dort bereits ein ganzer Pulk weiterer Frühaufsteher wartet.

Unter Fritz Wolfs frühen Auftraggebern für Werbung war auch das Bekleidungshaus Dehne und Sopp″ in der Großen Straße und die Neue Tagspost″, die insbesondere ihre Kleinanzeigen bewarb: ein Wolf′sches Aufgabenfeld, das heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

Vor allem in den fünf Anzeigen für Dehne und Sopp″ lässt Fritz Wolf seine gesellschaftliche Beobachtungsgabe aufblitzen. Sämtlich 1956 entstanden, appellieren zwei von ihnen an die Kindersehnsucht nach altersgerechter Kleidung. Ob ein weinender Junge im Herrendress oder ein trauriges Mädchen im viel zu großen Nachthemd: Fritz Wolf spricht das Gewissen der Eltern an oder zeigt in einer dritten Zeichnung, wie eine junge Dame″ im Mantel von Dehne und Sopp″ bei ihren Freundinnen punktet.

Auch für die Herren der Schöpfung kann sich das Textilgeschäft als lohnendes Ziel erweisen, wenn sie etwa ein flottes Sporthemd″ brauchen oder ihre alten Wehrmachtssocken″ ersetzen wollen.

Tatsächlich fand der ob seines gediegenen Herrenoutfits an den Händen von Vater und Mutter zeternde Junge Jahrzehnte später eine Fortsetzung in der Frauenzeitschrift Brigitte″. Dort führte Fritz Wolf vor Was Kinder so anziehen müssen…″

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.
Autor:
Hermann Queckenstedt


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