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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neue Blitzer für fast eine Million Euro
 
Raser, aufgepasst: Stadt kauft neue Blitzer
Zwischenüberschrift:
Investition von fast einer Million Euro geplant / Alte Technik und zu wenig Personal
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Blitzanlagen sind technisch veraltet. Außerdem fehlt Personal. Die Stadt will deshalb knapp eine Million Euro in lasergestützte, ferngesteuerte Systeme investieren. Zurzeit gibt es drei stationäre und drei mobile Radaranlagen.

Osnabrück muss seine Blitzer modernisieren. Die Technik ist uralt und das Personal knapp. Fast eine Million Euro will die Stadt bis Ende 2021 investieren. Das Geld dafür zahlen die Raser im Prinzip selbst. Und sie müssen künftig mit Kontrollen an ungewöhnlichen Stellen rechnen.

Osnabrück An drei Stellen halten stationäre Anlagen ein Auge auf die Autofahrer in Osnabrück: an der Bramscher Straße (stadteinwärts auf Höhe der Aral-Tankstelle), an der Hansastraße (stadtauswärts auf Höhe des Baumarktes Hellweg) und an der Iburger Straße (stadteinwärts am Ende der Autobahnabfahrt). Nur an einer Kreuzung ist nach Angaben der Verwaltung zurzeit ein Rotlicht-Blitzer in Betrieb, und zwar an der Ecke Johannistorwall/ Johannisstraße (stadteinwärts).

Diese Starenkästen stammen aus einem anderen technischen Zeitalter, wie aus einer Vorlage der Verwaltung für die Sitzung des Ordnungsausschusses am Donnerstag hervorgeht. Der Hersteller hat die Serviceleistungen Ende 2017 eingestellt. Das heißt: Geht die Kamera kaputt, kommt kein Monteur, und es gibt auch keine Ersatzteile mehr. Dann hat es sich ausgeblitzt.

Personalmangel

Auch die mobilen Radarfallen, aufgestellt in den auffällig-unauffälligen Kombis am Straßenrand, haben ihre Altersgrenze erreicht. Wartung, Eichung und Reparatur werden durch den Hersteller nur noch bis Ende 2020 garantiert, teilt das Ordnungsamt mit. Eine Eichung gilt jeweils für ein Jahr. Daraus folgt, dass die mobilen Geräte spätestens Ende 2021 nicht mehr einsatzfähig sind.

Die Ordnungsbehörde schlägt vor, die alten Blitzer durch laserbasierte Messsysteme zu ersetzen. Die stationären Laserautomaten brauchen keine Sensorschleifen im Straßenbelag mehr, was die Kosten für Wartung und Reparatur senkt. Sie können den Verkehr in beiden Fahrtrichtungen überwachen und, der wichtigste Vorteil, sie sind ferngesteuert. Mitarbeiter der Verwaltung können von ihrem Schreibtisch aus die Anlage steuern und die Daten auslesen.

Die Lasertechnik macht auch die mobile Überwachung flexibler und effizienter. Die Kontrolleure können die Geräte schneller auf- und abbauen, öfter ihren Standort wechseln und auch in Kurven messen.

Von den heute drei Radarwagen mit alter Technik will die Verwaltung einen stilllegen und durch einen halbstationären ersetzen. Dieser bewegliche Blitzer ist bereits im Frühjahr testweise in der Stadt zum Einsatz gekommen. Im April sorgte das auf einem Anhänger montierte, klobige Gerät für Schlagzeilen, als es wegen eines Defekts alle stadteinwärts fahrenden Autos auf dem Kurt-Schumacher-Damm blitzte. Die Stadt lachte, und die Daten wurden sofort gelöscht. Die halbstationäre Laseranlage braucht kein Personal vor Ort. Die Daten der erwischten Raser werden automatisch an die Auswertestelle übertragen.

Der Personalaufwand ist nach Angaben der Verwaltung ein Problem geworden. Insgesamt 22 Mitarbeiter arbeiten im Verkehrsaußendienst, darunter fünf in der Überwachung des fließenden Verkehrs. Der Altersdurchschnitt ist mit Ende 50 sehr hoch. Es werde immer schwerer, Personal für die Geschwindigkeitsüberwachung zu finden, sagt die Verwaltung. Der Zweischichtbetrieb, Sondereinsätze an Sonn- und Feiertagen und das schlechte Image der Kontrolleure, die als Abzocker″ oder Wegelagerer″ wahrgenommen würden, schrecke Bewerber ab. Und die Bezahlung gleiche diese Nachteile in keiner Weise aus.

950000 Euro kostet die Umrüstung auf Lasertechnik, sagt die Ordnungsbehörde. 540000 Euro stehen dafür im aktuellen Haushalt bereits zur Verfügung, für das kommende Jahr sind 200000 Euro bereits beantragt. Die Grundsatzentscheidung trifft der Stadtrat im Dezember mit Verabschiedung des Haushalts für 2019.

Im Prinzip finanzieren die Raser die Überwachungssysteme übrigens selbst. Die Stadt nimmt pro Jahr im Schnitt zwischen einer und anderthalb Millionen Euro durch die Tempokontrollen ein. Für das Jahr 2018 zum Beispiel sieht der Haushaltsplan im Bereich Bußgelder″ einen Überschuss von 1, 1 Millionen Euro vor.

Wo wird geblitzt?

Osnabrück hat 2010 ein Konzept zur Überwachung des fließenden Verkehrs erstellt. Vorrangige Ziele seien die Unfallvermeidung und mehr Verkehrssicherheit, heißt es darin. Außerdem sollen schädliche Umwelteinflüsse begrenzt und die Verkehrsteilnehmer zu rücksichtsvollem Verhalten veranlasst werden.

140 Messpunkte hat die Stadt in Zusammenarbeit mit der Polizei identifiziert. Kontrolliert wird an Unfallbrennpunkten und besonderen Gefahrenpunkten. Ein Unfallbrennpunkt liegt vor, wenn an einer Straßenstelle innerhalb eines Jahres fünf oder mehr Unfälle gleichen Typs″ polizeilich aufgenommen wurden. Als Gefahrenpunkte gelten die Straßen vor Grundschulen, Kitas, im Umfeld von Senioren- und Behinderteneinrichtungen oder generell alle Bereiche, in denen sich viele Fußgänger, Radfahrer und schutzwürdige Personen″ bewegen.

Mobile Kontrollen blitzen an Unfallbrennpunkten in der Regel montags bis samstags zwischen 7 und 20 Uhr. Einen Schwerpunkt bilden dabei Schulen und Kitas, wo morgens zwischen 7 und 8 Uhr sowie mittags zwischen 11.30 und 14 Uhr gemessen wird.

Mehr aktuelle Nachrichten, Hintergründe und Analysen lesen Sie im Internet auf noz.de

Bildtexte:
Blitzampel an der Bramscher Straße vor der Aral Tankstelle.
Halbstationärer Blitzer. Testphase auf dem Kurt-Schumacher-Damm.
Fotos:
Jörn Martens, NOZ

Kommentar
Da blitzt der Zorn auf

Osnabrück wurde in überregionalen Medien einst nachgesagt, Blitzer-Hauptstadt der Republik zu sein. Davon kann angesichts von drei völlig veralteten Starenkästen, die jeder ortskundige Autofahrer kennt, und drei mobilen Radarfallen weiß Gott keine Rede mehr sein. Die Stadt muss technisch nachrüsten, keine Frage. Und das Geld ist bestens investiert.

Bei manchem Autofahrer blitzt sofort der Zorn auf, wenn er erwischt wird oder die Kontrolleure im Vorbeifahren bei der Arbeit sieht. Der Volksmund nennt die Geräte nicht umsonst Radarfallen. Dabei stellt niemand eine Falle. Auch wählen die Behörden die Standorte nicht nach der Höhe der mutmaßlichen Einnahmen, sondern nach dem Gefahren- und Unfallpotenzial. Und oft folgen sie nur den Wünschen von Anwohnern, die über Raserei vor ihrer Haustür klagen. Blitzer sind keine Gelddruckmaschinen, sondern schaffen Sicherheit. Blitzer sind kein Hinterhalt, sondern permanent erhobene Zeigefinger.

Und wer ertappt wird, sollte nicht finstere Mächte verantwortlich machen, sondern zu seinem Fehler stehen, reuig die Geldbuße überweisen und künftig aufmerksamer fahren.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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