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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Warum das Schloss meist leer stand
Zwischenüberschrift:
Sonntag ist Tag des offenen Denkmals / Führungen an vielen Orten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Sieben Jahre wurde das Osnabrücker Schloss erbaut, dann aber nur für kurze Zeit bewohnt. Warum nur? Die Antwort ist am Tag des offenen Denkmals zu erfahren.

Osnabrück Entdecken, was uns verbindet″ heißt das Motto zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals. Das Ortskuratorium Osnabrück der Deutschen Stiftung Denkmalschutz fragte sich zunächst, wie das denn wohl gemeint sei. Und lieferte sich selbst eine Antwort. Baumeister, Holzschnitzer und Orgelbauer aus verschiedenen Teilen Europas haben schon vor vielen Jahrhunderten in Osnabrück ihre Spuren hinterlassen. Europa ist der verbindende Gedanke″, sagt die Kunsthistorikerin Caroline Bäßler vom Ortskuratorium.

Schloss

Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 sollte das kleine Fürstbistum Osnabrück abwechselnd von einem evangelischen und einem katholischen Landesherrn regiert werden. Ernst August, der erste protestantische Fürstbischof, ließ das Osnabrücker Schloss bauen, weil ihm das Iburger Schloss nicht mehr repräsentativ genug erschien.

Nach siebenjähriger Bauzeit konnten Ernst August und seine Frau Sophie von der Pfalz 1673 ihren Prachtbau beziehen. Doch nach weiteren sieben Jahren lebte das Paar bereits in Hannover. Dort warteten auf Ernst August neue Aufgaben. In der Folgezeit stand das Osnabrücker Schloss meist leer. Einem Gebäude, das nicht gebraucht wird, drohen Vernachlässigung und Verfall. Ein Schicksal, das auch dem Stadtschloss nicht erspart blieb. 1803 fand sich immerhin eine Verwendung als Verwaltungsgebäude. Seit 1974 ist das Schloss Sitz der Osnabrücker Universität.

Wenn die Kunsthistorikerin Caroline Bäßler am Sonntag Besucher durch das Schloss führt, legt sie ihren Blick auf den Einfluss der italienischen Baumeister, der trotz der Kriegszerstörungen noch immer zu spüren ist. Für sie ist das prachtvolle Wappen über dem Eingang das sichtbare Zeichen für den Absolutismus des 17. Jahrhunderts. Anklänge an Versailles sind da nicht ganz fern. Immerhin war Lieselotte von der Pfalz die Schwägerin von Ludwig XIV.

Führungen um 12 und 15 Uhr, Treffpunkt Innenhof.

St. Katharinen

Auch die Katharinenkirche lässt sich mit dem Westfälischen Frieden in Verbindung bringen und damit der Entstehung eines geeinten Europas. Schon 1543 wurde in St. Katharinen die Reformation eingeführt. Als 100 Jahre später die Schweden Osnabrück einnahmen und von hier aus die Verhandlungen für den Westfälischen Frieden führten, bot sich St. Katharinen für Gottesdienste und Begegnungen an.

Führungen um 14 und 15 Uhr, Treffpunkt Südportal.

St. Marien

Trotz der Zerstörungen durch die Bomben des Zweiten Weltkrieges zählen Kunsthistoriker die Marienkirche zu den herausragenden Baudenkmalen in Osnabrück. Das Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz richtet den Blick vor allem auf den Antwerpener Flügelaltar aus dem frühen 16. Jahrhundert, um die Verbundenheit mit Künstlern aus anderen Regionen Europas zu unterstreichen.

Die detailreichen Motive auf den zwölf beidseitig bemalten Tafeln sollten den Menschen vor 500 Jahren den Weg veranschaulichen, den Jesus Christus gegangen ist. Antwerpener Altäre wurden nicht nur nach Osnabrück geliefert, die aufwendig hergestellten flandrischen Schnitzwerke waren damals in ganz Norddeutschland verbreitet.

Führungen um 12, 13, 14 und 16 Uhr, Treffpunkt Haupteingang.

St. Johann

Es gibt Menschen, die verwechseln die Johanniskirche mit dem Dom. Zwei mächtige Türme und die Sandsteinrose über dem Portal bieten ja auch einen Anlass dazu. Viele Osnabrücker wissen nur wenig über das Gotteshaus in der Neustadt. Weitgehend unbekannt ist zum Beispiel, dass die Kirche einen Kreuzgang besitzt.

Als eine der drei frühgotischen Hallenkirchen Osnabrücks ist auch St. Johann ein Zeugnis des von Frankreich her sich ausbreitenden neuen Baustils″, schreibt das Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und sieht darin eine Anknüpfung an die europäische Geschichte. In den Führungen am Sonntag soll Gelegenheit bestehen, auch die Orgel und die Schatzkammer näher zu betrachten.

Führung um 16 Uhr, Treffpunkt ist der Brunnen.

Rathaus und Friedenssaal

Alle 20 Jahre müssen die Gesandtenporträts im Friedenssaal von Staub und Ruß befreit werden. Das ist nötig, weil bei feierlichen Anlässen Kerzen brennen, weil Staub von der Decke rieselt oder von Besuchern unbeabsichtigt im Raum verteilt wird. In diesem Jahr wurde jedes Gemälde aus dem Rahmen genommen und die Reinigung besonders gründlich ausgeführt. Mit einem Spezialschwamm, der wie ein Radiergummi wirkt, entfernten die Restauratoren den Schmutzschleier von der Oberfläche.

Die Porträts zeigen die 42 europäischen Gesandten, die im Auftrag ihrer Herrschaften die Verhandlungen für den Westfälischen Frieden von 1648 führten. In Osnabrück tagten die Abordnungen des Königreichs Schweden, des Kaisers und der Reichsstände, während in Münster die französischen und kaiserlichen Delegierten zusammentrafen.

Führungen um 11.30 und um 13.30 Uhr, Treffpunkt Rathaustreppe.

Hasestollen

Mit Grubenwagen, die von Pferden gezogen wurden, gelangte die Kohle vom Nordflügel des Piesberges durch den Hasestollen zum Zechenbahnhof an der Südseite. Drei Jahre dauerte es, bis der 1450 Meter lange Stollen durch den harten Karbonquarzit geschlagen war. Damals gehörte die Zeche noch der Stadt, und der Kohleverkauf deckte in guten Jahren die Hälfte der städtischen Einnahmen.

Weil die Kohlezeche damals eine so herausragende Bedeutung hatte, legte die Stadt großen Wert darauf, die geplante Eisenbahnlinie so nah wie möglich an den Piesberg heranzuführen. Doch die Landdrostei favorisierte eine Linie im Westen des Stadtgebiets. Immerhin hing an dieser Entscheidung auch die Frage, wo der Centralbahnhof seinen Standort finden würde. Nach langwierigen Verhandlungen setzte sich die Stadt schließlich durch, musste aber Zugeständnisse machen, die viel Geld kosteten.

Der Hasestollen blieb die einzige direkte Verbindung zwischen dem Stüveschacht auf der Nordseite und dem Haseschacht im Süden. Mit der Schließung der Kohlezeche 1868 verlor er seine Bedeutung, und der größte Teil des unterirdischen Ganges wurde später im Zuge des Gesteinsabbaus weggebaggert.

Als im Haseschacht das Museum Industriekultur eingerichtet wurde, rückte das noch vorhandene Reststück des Stollens wieder ins Bewusstsein. Mit großem Aufwand wurde das 262 Meter lange Teilstück vom Mundloch bis zum Haseschacht von eingedrungenem Schlamm befreit und für Besucher freigegeben.

Nicht nur Menschen zieht es in den Stollen, sondern auch Fledermäuse. Museumsleiter Rolf Spilker ist überzeugt, dass beide Seiten verträglich miteinander auskommen. Am Tag des offenen Denkmals installiert die Firma Lightline im Hasestollen eine Lasershow.

Führung 14.30 Uhr. Das Museum Industriekultur ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Kostenloser Eintritt am Tag des offenen Denkmals, Fürstenauer Weg 171.

Stüveschacht

Mit seinem Tonnendach gehörte er einmal zu den schönsten Industriegebäuden der Stadt: Der 150 Jahre alte Stüveschacht an der Nordseite des Piesberges ist nach dem Ende des Kohlebergbaus im Jahr 1898 verfallen. In den vergangenen Jahren hat sich ein Förderverein der Ruine angenommen und mit Unterstützung verschiedener Sponsoren die Bausubstanz gesichert.

Wenn weitere Spendengelder eingeworben werden können, soll in naher Zukunft auch das Dach wiederhergestellt werden. Der Förderverein verfolgt das Ziel, im ehemaligen Schachtgebäude einen Lernstandort einzurichten, um Schüler über die Industriegeschichte und die Kulturlandschaft des Piesberges zu informieren.

Der Stüveschacht wurde von der Stadt Osnabrück errichtet, die sich damals vom Kohleabbau am Piesberg gute Einnahmen versprach. Das funktionierte allerdings nur für kurze Zeit. Doch dann rutschte das städtische Bergwerk in die roten Zahlen. Während sich der Kohlepreis verbilligte, stiegen die Kosten für die Wasserhaltung. Immer teurere Maschinen mussten angeschafft werden, um die Kohle aus der Tiefe zu holen. Schließlich verkaufte die Stadt ihre Zeche an den Georgsmarien-Bergwerks- und Hüttenverein, der die Kohle für seine Stahlwerke brauchte.

Informationen von 11 bis 16 Uhr am Stüveschacht, Lechtinger Straße.

Hasefriedhof

Napoleons Bruder Jérôme verfügte zu Beginn des 19. Jahrhunderts als König von Westphalen, dass die Toten in Osnabrück nicht mehr auf den Kirchhöfen zu bestatten seien, sondern auf zwei neuen Friedhöfen außerhalb der Stadtmauern, dem Hasefriedhof und dem Johannisfriedhof. Seit 2005 finden an beiden Orten keine Beerdigungen mehr statt.

Am Tag des offenen Denkmals findet in der Kapelle des Hasefriedhofs ein Liederabend bei Kerzenschein mit dem Erzähler Werner Deflorian statt. Für ihn sind Märchen Leuchttürme der Völkerverbindung, nicht nur europaweit, sondern sogar weltweit″, wie es in der Ankündigung des Osnabrücker Servicebetriebes heißt. Der Eintritt kostet 15 Euro, darin sind zwei Euro für die Unterhaltung der historischen Friedhöfe enthalten.

Liederabend ab 18 Uhr, Kapelle des Hasefriedhofs, Bramscher Straße

Bildtexte:
Mit einer Lasershow wird der Hasestollen im Museum Industriekultur in Szene gesetzt.
Frisch gereinigt sind die Porträts im Friedenssaal.
Fotos:
Gerd Westdörp
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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