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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Lärmbelastung stark gestiegen
 
Jeder Fünfte leidet unter Verkehrslärm
Zwischenüberschrift:
Grüne fordern mehr Tempo 30
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Zahl der Osnabrücker, die durch Straßenlärm besonders belastet sind, ist von 34750 im Jahr 2012 auf jetzt 38540 gestiegen. Das geht aus der vom Umweltamt der Stadt erstellten Lärmkarte für das Jahr 2018 hervor.

38500 Osnabrücker leiden unter dem Verkehrslärm. Das sind 3800 mehr als noch vor fünf Jahren, wie aus der neuen Lärmkarte hervorgeht. Das Ergebnis ist erschreckend″, sagen die Grünen und fordern mehr Tempo 30.

OsnabrückDie EU verlangt von Großstädten eine strategische Lärmkartierung″. Das heißt, die Städte müssen alle fünf Jahre die Lärmbelastung der Einwohner ermitteln und in Statistiken und Karten darstellen. Das Umweltamt der Stadt hat die Osnabrücker Lärmkarte von 2013 mit neuen Daten fortgeschrieben und das Ergebnis dem Rat Ende August vorgelegt. Dargestellt wird die Lärmbelastung am Tage, in der Nacht und ganztägig für 24 Stunden.

Die schlimmste Lärmquelle ist demnach eindeutig der Verkehr. Störende Geräusche von Industrie und Gewerbe fallen dagegen nicht ins Gewicht. Die Zahl der Menschen, die durch den Straßenlärm besonders belastet sind, ist von 34750 im Jahr 2012 auf jetzt 38540 gestiegen. 22 Prozent der Osnabrücker, das ist mehr als jeder fünfte Einwohner, stehen also unter Lärmdauerstress. Betroffen sind vor allem die Menschen, die an den innerstädtischen Hauptstraßen oder in der Nähe der Autobahnen wohnen. Auch 27 Schulgebäude und acht Krankenhausliegenschaften stehen in ungesunden Lärmzonen.

Wie ein Staubsauger

Als Belastung gilt ein Dauerlärm ab 55 Dezibel über einen Zeitraum von 24 Stunden. Das entspricht dem Geräuschpegel eines normalen Gesprächs. Die Lärmkarte weist für die Hausfronten am Wallring Werte von über 70 Dezibel (über 24 Stunden) aus. Das ist so laut wie ein Staubsauger in einem Meter Entfernung und auf Dauer unerträglich″, wie Birgit Wilker sagt. Sie wohnt mit Mann und Sohn am Wall unweit des Hasetors und erlebt hautnah, wie der Verkehrslärm immer weiter in ihr Privatleben dringt. Es ist immer schlimmer geworden″, sagt sie. Die Wilkers haben für 5000 Euro neue Fenster einbauen lassen, Fenster der höchsten Lärmschutzkategorie. Das Geld wollen sie sich von der Stadt zurückholen, aber die lässt sich darauf nicht ein. Bei geschlossenem Fenster lebe es sich gut, wenn gelüftet werde, sei eine Unterhaltung im Zimmer kaum möglich.

Wenn wir den Menschen helfen wollen, müssen wir mehr tun″, sagt der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Ratsfraktion, Michael Kopatz. Das Ergebnis der neuen Lärmkartierung sei erschreckend″, wird Kopatz in einer Mitteilung der Grünen zitiert. Der Ausbau der Elektromobilität werde die Lärmbelastung senken, aber das Problem nicht grundsätzlich lösen. Denn: Ab Tempo 50 sind die Rollgeräusche lauter der Motor.″ Daher fordern die Grünen eine deutliche Ausweitung von Tempo 30″. Die Belastung würde sich dadurch halbieren, so Kopatz. Flüsterasphalt ist teuer und aufwendig. Tempo 30 kostet nichts″, so Fraktionschef Volker Bajus.

Modellversuch?

Ob Tempo 30 wirklich Linderung bringt, will das Land Niedersachsen in einem Modellversuch untersuchen. Osnabrück hat sich wie Hannover, Oldenburg, Göttingen oder Georgsmarienhütte um die Teilnahme beworben. Ob Osnabrück dabei ist, will das Wirtschaftsministerium im vierten Quartal entscheiden, wie eine Sprecherin mitteilte. Getestet werde Tempo 30 dann auf der Martinistraße, auf dem Schlosswall und einem Teil der Iburger Straße.

Auf Basis der Lärmkarte muss die Stadt ihren Lärmaktionsplan von 2013 fortschreiben. Darin erklärt sie, mit welchen konkreten Maßnahmen sie in den kommenden Jahren das Lärmproblem angehen will. Dabei sind alle Bürger zur Mitarbeit aufgerufen: Die interaktive Lärmkarte ist im Internet veröffentlicht (www.osnabrueck/ laermschutz) . Mit einem Mausklick kann jeder prüfen, ob seine Wohnung in besonderer Weise dem Lärm ausgesetzt ist. In einer Onlinebefragung sind die Bürger aufgerufen, sich bis zum 28. September zum Lärmschutz in der Stadt zu äußern.

Bildtext:
Laienhafte Verkehrslärm-Messung am Goethering in Osnabrück. 91 Dezibel das ist gesundheitsgefährdend.
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Ein Recht auf Ruhe

Es gibt den Rechtsanspruch auf saubere Luft. Wer permanent von Stickstoffdioxid umnebelt wird, kann seine Kommune von den Kadi zerren. Zu beobachten in Stuttgart, Hamburg oder Frankfurt, wo Fahrverbote verhängt wurden oder im Raum stehen. Und was ist mit dem Lärm?

Nach geltender Rechtslage bleibt den Anwohnern der lauten Straßen nur der passive Lärmschutz. Sie können zum Beispiel neue Fenster einbauen lassen, auf eigene Kosten, versteht sich. Schutzansprüche entstehen nach dem Gesetz erst, wenn eine Straße baulich erheblich verändert wird und dadurch höhere Belastungen entstehen. In anderen Lebensbereichen hat sich die Sicht längst umgekehrt. Beispiel Rauchen: Es ist selbstverständlich geworden, dass der Luftverschmutzer nach draußen geht. Das Recht auf saubere Luft wiegt schwerer als das Recht auf freies Rauchen.

Daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Lärmopfern ein Rechtsanspruch eingeräumt wird. Denn das Recht auf Ruhe ist höher zu bewerten als das Recht auf freie Fahrt.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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