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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kardinal mit Augenzwinkern
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf die katholische Kirche und ihr (kulturelles) Selbstverständnis aufs Korn nahm
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Seit 1948 zeichnete Fritz Wolf für die katholische Jugendzeitschrift Die Wacht″ und später auch für das Jungen-Magazin voran″. In späteren Jahrzehnten griff er wiederholt kirchliche Themen auf, die er nicht nur für die Tagespresse, sondern auch für den Stern″ oder den Kirchenboten″ umsetzte. Dass sein Werk jedoch dereinst im Diözesanmuseum Osnabrück ausgestellt würde, hätte er sich wohl kaum träumen lassen.

Osnabrück Mit ausgebreiteten Armen grüßt der Papst huldvoll seine″ Osnabrücker, die ihn freudestrahlend, staunend, neugierig oder skeptisch beobachten. Olle use! ruft der Pontifex dem Kirchenvolk zu und verwendet dabei das plattdeutsche Alles unser″, mit dem die Osnabrücker Laischaften bei ihren Schnatgängen die Grenzsteine ihrer Weidegründe für sich zu reklamieren pflegten: am bevorstehenden 7. September wieder praktiziert von der Heger Laischaft.

Das päpstliche Olle use″ in der einst evangelischen Stadt ist von Fritz Wolf augenzwinkernd als katholische Anmaßung inszeniert, mit der er jahrhundertealte ökumenische Konkurrenzen auf den Punkt bringt. Spannend ist der Blick auf die Details: Am Horizont unterstreicht die Silhouette des Domes als Landmarke die Ungeheuerlichkeit″ des Hypes um den unerwarteten Besuch des Papstes im November 1980.

Konfiszierungen

Mit seinem vorab gezeichneten Blatt wurde der Karikaturist geradezu zum Visionär, denn tatsächlich ähneln die Fotos vom großen Gottesdienst mit Johannes Paul II. auf der Sportanlage Illoshöhe″ seiner Bildidee. Als Freunde das Werk jedoch vervielfältigten und an Gottesdienstbesucher verteilen wollten, verwiesen Ordner sie des Feldes und versuchten sogar, die Blätter zu konfiszieren.

Knapp 28 Jahre später war die Zeichnung nicht nur das zentrale Exponat der ersten Sonderausstellung im neu konzipierten und zum 97. Deutschen Katholikentag wiedereröffneten Diözesanmuseum, sondern zierte zugleich den Einband des von der Neuen Osnabrücker Zeitung verlegten Begleitbuches. Und in der Mitte Juli zu Ende gegangenen Sonderausstellung Ich bin ein Osnabrücker! schaffte es Fritz Wolf sogar mit seinem Selbstbildnis als Kardinal in die im Museum ausgehängte Porträtreihe der Osnabrücker Bischöfe ganz in der Nähe seiner ebenfalls im Kardinalspurpur gewandeten Amtsbrüder″ Eitel Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen und Franz Wilhelm von Wartenberg.

Fritz Wolfs Neffe Marcus hat im aktuellen Fritz-Wolf-Kalender das hundertjährige Bestehen des Diözesanmuseums mit einer 1996 entstandenen Zeichnung gewürdigt, die einen Mantel in einer Vitrine zeigt: Großzügig ausgelegt, lässt sich darin das kostbare Messgewand Bischof Bennos II. aus dem 11. Jahrhundert erkennen die sogenannte Benno-Kasel. Der fast wie ein Priester wirkende Museumsführer erklärt den Betrachtern: Kopien von Benneton erhalten Sie an der Kasse!

Kunst und Kirche

Bereits Mitte der 1960er-Jahre hatte der Karikaturist in dem Sammelbändchen Christenheitere Cartoons″ das schwierige Verhältnis der katholischen Kirche zur zeitgenössischen Kunst aufs Korn genommen. Während der Pfarrer zufrieden dem Künstler bei der Arbeit am neuen abstrakten Wandgemälde zusieht, stößt das Werk bei seinen drei Kaplänen auf indigniertes Unverständnis: Unser Pastor scheint jedenfalls keine Bedenken zu haben″, grummeln sie im Hintergrund. Parallelen zur gegenwärtigen Raumintervention Hommage à la Trinité″ des Dominikanerpaters Kim En Joong im Osnabrücker Dom wären rein zufällig…

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Bildtext:
Olle use″: Mit ausgebreiteten Armen lässt Fritz Wolf den Papst huldvoll seine″ Osnabrücker grüßen (rechts). Kritischer nahm er das schwierige Verhältnis der katholischen Kirche zur zeitgenössischen Kunst aufs Korn (links): „ Unser Pastor scheint jedenfalls keine Bedenken zu haben″.
Autor:
Hermann Queckenstedt


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