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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zoo gelingt erstmals Nerz-Nachzucht
Zwischenüberschrift:
Art vom Aussterben bedroht / Vier Jungtiere bis Mitte September am Schölerberg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Europäische Nerz ist vom Aussterben bedroht. Deutschlandweit leben weniger als 100 Exemplare in freier Wildbahn. Dem Zoo Osnabrück ist jetzt in Zusammenarbeit mit dem Verein Euronerz bei dieser Tierart erstmals eine Nachzucht gelungen.

Osnabrück Mitte Juli meldete der Zoo Osnabrück die Geburt von mindestens zwei Nerzen. Inzwischen steht fest: Es sind sogar vier, vielleicht auch noch mehr. Für die Erhaltungszucht und das damit verbundene Wiederansiedelungsprogramm von Euronerz in jedem Fall ein großer Wurf.

Nackt, blind, winzig

Flink huschen die Jungtiere durch ihr Gehege, das sie sich am Schölerberg im Bereich Kajanaland″ mit den Waschbären teilen. Kaum größer als ein kleiner Finger kamen die Nerze hier zur Welt, außerdem nackt und fast blind. Erst nach vier Wochen öffneten sie die Augen. Während dieser Zeit wurden die kleinen Marder von der Mutter besonders stark beschützt und verließen ihre Wurfbox so gut wie gar nicht. Deswegen seien sie auch so schwer zu zählen, sagt Zoosprecherin Lisa Josef. Irgendeiner versteckt sich immer.″

Der Europäische Nerz gilt nach den Kriterien der Weltnaturschutzorganisation IUCN als vom Aussterben bedroht. Das hat vor allem drei Gründe: Erstens haben Menschen ihn lange wegen seines flauschigen Pelzes gejagt. Durch Flussbegradigungen und Uferrodungen zerstörten sie außerdem seinen natürlichen Lebensraum. Drittens macht dem Europäischen Nerz die übermächtige Konkurrenz durch freigelassene oder entlaufene Farmnerze (Amerikanische Minks) zu schaffen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die heimische Art beinahe ausgerottet. Mittlerweile gibt es laut Euronerz deutschlandweit in menschlicher Obhut nur noch etwa 100 Europäische Nerze, größtenteils in Zoos.

Darüber hinaus findet man sie in Deutschland nur in Wiederansiedlungsgebieten wie etwa am Steinhuder Meer, die durch gezielte Nachzucht bevölkert wurden. Die genaue Anzahl der Nerze dort ist unklar. Angaben des Osnabrücker Zoos zufolge lässt sich aber sicher sagen, dass deutlich weniger Nerze in freier Wildbahn leben als in menschlicher Obhut. Insgesamt schätzt Euronerz die Population der Tiere im Freiland auf ungefähr 15 000. Davon leben etwa 10 000 in Russland und 5000 in Südspanien und Nordfrankreich″, sagt Vorsitzender Wolfgang Festl, der auch Tierpfleger im Zoo Osnabrück ist.

Für die Arterhaltung sei deswegen eine koordinierte Zucht sehr wichtig. Allerdings gestaltet die sich beim Nerz alles andere als einfach. Denn die seltenen Tiere sind Einzelgänger und bei der Partnersuche extrem wählerisch.

Komplexe Partnersuche

Um die passenden Tiere zusammenzubringen, versammelt Euronerz alle zuchttauglichen Nerze zur Paarungszeit in seiner Station in Hilter. Anhand einer Datenbank wird auf wissenschaftlicher Grundlage entschieden, welche Tiere in der Theorie gut zusammenpassen″, erklärt Festl. Anschließend schauen wir, ob die beiden sich auch in der Praxis gut verstehen und verpaaren.″

Getrennt durch ein Gitter, nehmen die Auserwählten miteinander Kontakt auf. Harmonieren sie nicht, sucht der vor 20 Jahren in Osnabrück gegründete Verein für jeden einen neuen Partner. Wenn die Tiere sich jedoch paaren, reisen die Nerzweibchen vorübergehend in kooperierende Zoos, wo sie hoffentlich Junge bekommen und aufziehen. Später nimmt Euronerz den Nachwuchs zurück jedes Jahr zwischen 30 und 60 Jungtiere. Ein Teil davon wird ins Freie entlassen, der Rest für die weitere Zucht genutzt.

Der Osnabrücker Zoo beteiligt sich an diesem Projekt seit 2011, indem er jedes Jahr im Winter einen männlichen, zuchtunfähigen Nerz aufnimmt und im Sommer ein verpaartes Weibchen (Fähe). Zu einer Geburt kam es in den vergangenen Jahren jedoch nie bis jetzt.

Wie der Zoo auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte, soll die neue Nerzfamilie mindestens bis Mitte September am Schölerberg bleiben, bevor sie wieder an Euronerz übergeben wird. Bei der täglichen Fütterung um 15 Uhr haben Besucher die besten Chancen, die gesamte Nerzfamilie zu erspähen.

Bildtext:
Zuchterfolg: Der Zoo Osnabrück freut sich über den ersten Nachwuchs bei den Europäischen Nerzen.
Foto:
Zoo Osnabrück/ Svenja Vortmann
Autor:
Viktoria Koenigs


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