User Online: 1 | Timeout: 15:28Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Autofahrer beschimpfen Bauarbeiter
 
Baufirma bekommt den Frust ab
Zwischenüberschrift:
Dieckmann fordert mehr Respekt
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Der Bereich Hasetor ist seit Monaten ein Nadelöhr, an dem sich der Verkehr staut. Den Frust der Autofahrer bekommen die Arbeiter auf der Baustelle zu spüren. Das Osnabrücker Bauunternehmen Dieckmann fordert mehr Respekt. Egal ob Hasestraße, Heger-Tor-Wall oder Kollegienwall: Alle Baustellen habe die Firma stets pünktlich abgeschlossen, doch das werde nie in der Öffentlichkeit gewürdigt, beschwert sich Oberbauleiter Ralf Klimpel. Der Bereich Hasetor werde wohl sogar schon Ende Oktober fertig sein statt wie geplant erst Ende November. Und das trotz schwieriger Arbeitsbedingungen. Wir lassen dem Verkehrsteilnehmer im Moment viel Platz und arbeiten sehr beengt″, erläutert Klimpel.

Die Baustelle am Osnabrücker Hasetor treibt zig Autofahrer regelmäßig in den Wahnsinn. Und einige von ihnen lassen ihren Frust an den Mitarbeitern der Firma Dieckmann aus, hupen oder beschimpfen sie. Das Bauunternehmen sieht sich zu Unrecht in der Kritik stehen.

Osnabrück Polier Daniel Tiemann hat auf seinen Urlaub verzichtet, damit die Arbeiten noch vor der Frist abgeschlossen sind und das werden sie voraussichtlich sein, sagt Oberbauführer Ralf Klimpel. Mit Anerkennung durch die Verkehrsteilnehmer darf das Dieckmann-Team nicht rechnen. Denn die nehmen nur den Stau wahr, auch wenn die Bauarbeiter bei 30 Grad im Schatten ackern. Das ist manchmal schon heftig″, sagt Tiemann, der das Sagen hat auf der Baustelle. Dann müssten sie sich Kommentare anhören wie Könnt ihr nicht schneller arbeiten?″, und beschimpft würden sie auch. Dabei sei jeder Arbeiter täglich 12 bis 13 Stunden von zu Hause weg Familie hin oder her.

Wir arbeiten für den Bürger″, betont Klimpel. Denn der wolle ja schließlich ordentliche Straßen und funktionierende Hausanschlüsse haben von Internet über Gas bis hin zu Wasser. Und das wird viel zu selten herausgestellt″, ergänzt Dieckmann-Geschäftsführer Jens-Peter Zuther.

Wenn wir im Zeitplan bleiben, steht maximal in der Zeitung, dass es nicht ganz so schlecht gelaufen sei″, beschwert sich Klimpel. Der geschützte Radfahrstreifen (Protected Bike Lane) am Heger-Tor-Wall, die Hasestraße, der Kollegienwall: Alle Baustellen hat Dieckmann pünktlich abgeschlossen. Lob? Fehlanzeige. Für die Baustelle am Hasetor hätten sie Zeit bis Ende November, sagt Klimpel. Derzeit peilten sie jedoch eine sechsspurige Verkehrsfreigabe bereits ab Ende Oktober an. In der Nacht vom 31. August auf den 1. September wird zwischen 20 und 6 Uhr noch eine Vollsperrung nötig sein, damit die Ampelanlage, eine Stahlkonstruktion, zurückgebaut werden kann.

Der Knotenpunkt wird für die neue, elektrifizierte Buslinie 41 umgebaut. Wie kompliziert die Baustelle am Hasetor ist, erschließt sich jedem, der für eine Weile zusieht und auf einige Details achtet. Es ist eng, sehr eng. Der Baggerfahrer rangiert: Drei, vier Zentimeter zu weit und er würde die akkurat verlegten nagelneuen Pflastersteine touchieren. Seinem Kollegen im Radlader, der eine Ladung Sand transportiert, geht es keinen Deut besser: Auf der einen Seite eine Mauer, auf der anderen ein von Baken eingefasster Schutzstreifen, auf dem morgens um 8.30 Uhr zig Radfahrer aus dem Norden in die Innenstadt düsen. Der Arbeiter kann den Radlader gerade so wenden. Die Radfahrer seien mit am schlimmsten, berichtet Polier Tiemann. Wenn er und seine Kollegen sie bitten würden, mal für zwei Minuten abzusteigen, damit ein Bagger sicher vorbeifahren kann, auch dann würden sie beschimpft.

Wir lassen dem Verkehrsteilnehmer im Moment viel Platz und arbeiten sehr beengt″, erläutert Klimpel. Dabei sei eine Straße ebenso komplex wie ein Gebäude: Ganz unten in der Erde, tiefer als die Gebäudekeller, liegen die Entwässerungskanäle, darüber die Gas-/ Wasser- und Stromleitungen und darüber noch die Telekommunikationsleitungen schließlich wolle ja jeder schnelles Internet haben.

Auch das Verlegen von Pflaster ist keine triviale Angelegenheit. Polier Tiemann zählt auf: 15 Zentimeter Frostschutzschicht, Planungsabnahme, Schottertragschicht, einplanieren, Plattendruckversuche, Pflasterbettung, Verdichten mit einem Rüttler oder Baggerstampfer – „ und dann erst werden die Steine verlegt.″ An guten Tagen schafft sein Team 600 Quadratmeter Pflaster am Tag.

In der Einmündung zur Turnerstraße ist es besonders schwierig. In der Straße liegt ein Kindergarten, morgens kommen die Eltern, die Straße wurde deshalb nicht voll gesperrt. Wenn ein Auto vorbeimöchte, muss der Baggerführer seine Maschine in eine Hauseinfahrt bewegen und dabei stets hellwach sein. Denn auch ein Vater mit Kind auf dem Fahrradlenker fährt vorbei, ein anderer schiebt einen Buggy. Bei den Mitarbeitern liegen die Nerven blank″, so Tiemann.

Oberbauführer und Prokurist Klimpel ist übrigens voll des Lobes für die Stadt. Man hat immer einen Ansprechpartner″, sagt er. Die Bürger regen sich schnell auf, wenn ihr individuelles Bedürfnis nicht befriedigt wird″, ist sein Eindruck. Und er wird noch grundsätzlicher: Schauen Sie mal: In jedem Auto sitzt genau einer″, sagt er. Er übertreibt nicht.

Auf diese Autofahrer kommt noch mehr zu: Bis 2020 will die Stadt 12 Millionen Euro in die Instandsetzung ihrer Straßen investieren. Wir haben einen Reparaturstau in Osnabrück″, sagt Bauleiter Klimpel. Wenn wir den wirklich abarbeiten, werden wir permanent parallel zehn Baustellen haben.″ Dieckmann-Chef Jens-Peter Zuther betont: Ich denke, es wird in den nächsten Jahren eine deutliche Aufklärung brauchen, was hier alles geschehen muss.″

Bildtexte:
Sie schuften im Akkord und werden oft auch noch beschimpft: Die Mitarbeiter der Baufirma Dieckmann machen zurzeit Überstunden, damit die Baustelle am Hasetor einen Monat früher fertig ist als geplant.
Morgens, halb neun in Osnabrück: Wer von Norden in die Stadt will, steht an der Baustelle im Stau.
Fotos:
Jörn Martens

Kommentar
Ein bisschen Frieden

Osnabrücks Straßen sind zu einer Kampfzone verkommen. Radfahrer befehden sich mit Autofahrern, Busse sind Hassobjekte, Laster sowieso, und ach ja, Fußgänger stehen auch noch im Weg herum.

Dass sich die Aggressionen ausgerechnet an Arbeitern entladen, die ihr Bestes geben, um von der Stadt in Auftrag gegebene Baustellen zügig abzuschließen: Das ist eine Schande. Wer je die Bauarbeiter angehupt oder gar beschimpft hat, sollte sich schämen. Die machen nur ihren Job und haben dafür höchsten Respekt verdient.

Gefühlt steigt in Osnabrück der allgemeine Aggressionsgrad im Straßenverkehr stetig an. Das hat den einfachen Grund, dass die Behinderungen durch Baustellen tatsächlich zunehmen, weil zu viele Straßen einfach hinüber sind.

Die Stadtverwaltung darf sich aber nicht damit herausreden. Denn der Sanierungsstau ist noch lange kein Grund, ganze Stadtteile wie derzeit Sonnenhügel und Dodesheide fast komplett von der Innenstadt abzuschneiden. Bei der Koordination ihrer Baustellen hat die Stadt noch viel Luft nach oben.

Aber auch Autofahrer müssen sich die Frage gefallen lassen, warum sie nicht aufs Rad umsteigen, Fahrgemeinschaften bilden oder mal den Bus nehmen. Ja, es gibt diejenigen, die tatsächlich aufs Auto angewiesen sind. Aber es gibt auch mindestens genauso viele, die gut Alternativen nutzen könnten und mit dem Rad sogar schneller wären.

Und bevor die Verkehrsideologen jetzt entnervt aufstöhnen: Für alle wäre es angebracht, sich mal ein bisschen zu entspannen. Egal ob auf dem Fahrrad oder im Auto: Spaß hat im Straßenverkehr doch gerade eh keiner, das schreit geradezu nach einem Solidaritätsgefühl. Damit könnte auch der allgemeine Verkehrsfrieden wiederhergestellt werden. Leider eine utopische Vorstellung, aber denken Sie bitte wenigstens mal darüber nach.
Autor:
Sandra Dorn


Anfang der Liste Ende der Liste