User Online: 2 | Timeout: 10:20Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadtwerke investieren in Kläranlage
 
Stadtwerke stecken Millionen in Kläranlage
Zwischenüberschrift:
Neue Verordnung schreibt Verbrennung vor / Mikroplastik und Spurenstoffe bereiten Probleme
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Auf die Stadtwerke kommen massive technische Veränderungen an ihrer Kläranlage in Eversburg zu. Grund ist eine neue Klärschlammverordnung, die ab 2029 die Verbrennung des Klärschlamms vorsieht. Bisher landete der Klärschlamm aus Osnabrück überwiegend auf Feldern in Mecklenburg-Vorpommern. Ziel der Verbrennung ist die Rückgewinnung von Phosphor. Um die neue Verordnung umzusetzen, müssen nach Schätzung des Geschäftsführers der Netzgesellschaft der Stadtwerke Osnabrück, Heinz-Werner Hölscher, insgesamt 24 Millionen Euro investiert werden. Ob und wie sich diese notwendigen Investitionen auf die Gebühren auswirken, konnte Hölscher noch nicht sagen. Man gehe aber bei den Stadtwerken davon aus, dass zunächst keine signifikante Gebührenerhöhung ansteht.

Klärschlamm aus Osnabrück landet derzeit zum überwiegenden Teil auf den ausgedehnten landwirtschaftlichen Flächen vor allem in Mecklenburg-Vorpommern. Diese Art der Entsorgung neigt sich dem Ende entgegen. Mit weitreichenden Folgen für die kommunalen Entsorger.

Osnabrück Die neue Klärschlammverordnung sieht ab spätestens 2029 die Verbrennung des Klärschlamms vor. Ziel ist die Rückgewinnung von Phosphor. Die einzig gesicherte Möglichkeit, um dieser Anforderung gerecht zu werden, sei die Rückgewinnung des Phosphors aus Asche, erläuterte Heinz-Werner Hölscher, Geschäftsführer der Netzgesellschaft der Stadtwerke Osnabrück, jetzt den Mitgliedern des Finanzausschusses. Auf die Stadtwerke kommen also in den nächsten Jahren massive technische Veränderungen an ihrer Abwasserbehandlungsanlage zu. Hölscher rechnet mit Investitionskosten bis zum Jahr 2029 dann muss die Klärschlammverordnung in allen Kommunen mit mehr als 100 000 Einwohnern umgesetzt sein in Höhe von insgesamt 24 Millionen Euro. Er geht davon aus, dass die thermische Verwertung des Eversburger Klärschlamms bereits ab 2025 möglich sein wird.

Das ist ein saftiger Batzen, der sich aber über die kommenden zehn Jahre verteilen wird. Welche Auswirkungen diese technische Aufrüstung auf die Gebühren haben wird, konnte Hölscher noch nicht sagen. Die Stadtwerke gehen aber nach seinen Worten zunächst davon aus, dass das Investitionsvolumen zumindest kurzfristig ohne signifikante Gebührenerhöhung zu stemmen ist.

Schon jetzt wird es für die SWO zunehmend schwerer, ihren Klärschlamm loszuwerden. Ursache hierfür sind Änderungen im Düngegesetz, in der Düngeverordnung und der Stromstoffbilanzverordnung, deren Ziel es ist, Schadstoffeinträge in die Äcker zu regulieren und zu reduzieren. Zwar hat die SWO langfristige Verträge mit ihren Klärschlammabnehmern geschlossen (in Summe bis zum Mai 2022), die Entsorgungskosten hätten sich aber mit Inkrafttreten der verschiedenen Verordnungen schon jetzt auf 72 Euro pro Tonne verdoppelt, erläuterte Hölscher. Für die etwa 19 000 Tonnen Osnabrücker Klärschlamm ergeben sich aktuell etwa 1, 4 Millionen Euro Entsorgungskosten. Hölschers Fazit: Die Marktlage für landwirtschaftliche Verwertung ist dramatisch verengt.″

Spurenstoffe

Allerdings kennt die Abwasserbehandlung nicht nur das Problem Klärschlamm. Nicht alles, was in Eversburg ankommt, ist greifbar oder mit dem Auge sichtbar. Gerade die kleinen und kleinsten Dinge bereiten den Fachleuten große Probleme. Noch ungelöst ist zum Beispiel die Reinigung des Schmutzwassers von Spurenstoffen, Pharmaka, Haushalts- und Industriechemikalien, Quecksilber und anderem. Laut Hölscher fehlen derzeit noch belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse über die Möglichkeiten zur Verringerung dieser Spurenstoffe, weshalb die SWO derzeit auch noch keine Schritte in diese Richtung unternehmen könne.

Die Beseitigung eines weiteren Problemfalls bereitet den Anlagenbetreibern bundesweit schon seit Jahren Kopfschmerzen: Mikroplastik. Diese Partikel zumeist kleiner als fünf Millimeter im Durchmesser finden sich in Hautcremes, Peelings, Duschgels, Zahnpasta und anderen Artikeln aus dem weiten Feld der Kosmetik. Auch wenn sich die Kunststoffgarderobe, zum Beispiel Fleecepullover, durch Abrieb oder in der Waschmaschine im Laufe der Jahre auflöst, verschwindet sie nicht geistergleich von diesem Erdball. Der Zerfall von Kunststoffprodukten findet überall statt, sei es bei Straßenbahnmarkierungen, Reifenabrieb oder unzähligen anderen Gelegenheiten in unserer kunststoffbasierten Lebenswelt. Die letzten, die diese kleinen Teilchen sehen, bevor sie im Wasserkreislauf verschwinden, sind die Mitarbeiter der Kläranlagen. Dank ihrer nahezu grenzenlosen Unverwüstbarkeit tauchen sie allerdings irgendwann auch wieder auf, gerne in Lebensmitteln, wenn sie von Fischen oder anderem Getier, das uns als Nahrung dient, gemeinsam mit dem saftigen Weidegras verspeist wurden, auf das sie zuvor als Klärschlamm zwecks der Düngung gekippt wurden.

Auch hier ist die Technik noch nicht ausgereift. Hölscher rechnet damit, dass die SWO in etwa zehn Jahren ihre Kläranlage mit einer Filtertechnik ausstatten kann, die auch diese Partikel aus dem Klärwasser fischt.

Bildtext:
Das Klärwerk in Eversburg der Stadtwerke Osnabrück muss in den kommenden Jahren für die neue Klärschlammverordnung umgerüstet werden.
Foto:
David Ebener

Kommentar
Unser Müll

Müssen in Duschgel, Zahnpasta und all den anderen Kosmetika kleine Plastikkügelchen sein? Nur damit es auf der Haut etwas rubbelt? Sauberer werden wir damit auch nicht .

Offensichtlich hilft noch nicht einmal das Wissen darum, dass wir unser ganzes Plastik zurückbekommen und zwar bis auf den Teller. Die nicht mehr vom Wasser trennbaren Rückstände finden sich schon heute etwa in Fischen wieder, die wir als oftmals teure Delikatesse verzehren. Beim Wissen um die Rückstände, die sich in unserer Nahrung anreichern, sollte uns allen allerdings langsam der Genuss vergehen.

Es liegt in der Hand der Verbraucher, darauf zu achten, dass die Kläranlagen nicht immer wieder aufs Neue vor unlösbare Aufgaben gestellt werden, weil die Industrie mit einem neuen Produkt Kasse machen will. Der Verbraucher zahlt doppelt: einmal beim Kauf, dann bei der Entsorgung, die weil immer komplizierter und aufwendiger auch immer teurer wird.

Der Aufschrei des Protests ist schon jetzt zu erahnen, wenn die Stadtwerke demnächst doch die Abwassergebühren erhöhen müssen. Ernst zu nehmen ist er nicht. Es ist schließlich unser Müll.
Autor:
Dietmar Kröger


Anfang der Liste Ende der Liste