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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrücks Kastanien sind gefährdet
Zwischenüberschrift:
Trockenheit und eingeschleppte Krankheiten setzen den Bäumen zu
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Kastanien haben wie alle Flachwurzler derzeit mit der Trockenheit zu kämpfen. Wir versuchen natürlich, unsere Bäume zu wässern″, sagt Katrin Hofmann vom Osnabrücker Service-Betrieb (OSB), der für die Baumpflege im öffentlichen Raum zuständig ist. Aktuell seien gerade die Bäume mit flachen Wurzeln aber auch besonders anfällig für sekundäre Parasiten also für Pilzerkrankungen.

Den Rosskastanienbäumen in der Stadt setzen außerdem zwei weitere Bedrohungen zu: die Miniermotte und das Bakterium Pseudomonas syringae. Die Kastanien sind von allen Seiten befallen″, erklärt Thomas Maag, OSB-Experte für Grünschutz.

Die Miniermotte macht sich seit mehr als zwei Jahrzehnten Jahr für Jahr über die Bäume her. Die Raupen fressen sich durch die Blätter. Die Wasserversorgung wird durchtrennt, das Blatt trocknet aus. Da ist man machtlos″, sagt Maag. Die Miniermotten seien jetzt eben da. Der Schädling sei vom Balkan über Österreich eingeschleppt worden.

Die Massenvermehrung der Insekten sei kaum aufzuhalten. Dazu müsste das heruntergefallene Laub verbrannt oder zur Kompostieranlage der Stadt gebracht werden und zwar auch von jeder Privatperson, die einen Kastanienbaum im Garten hat. Das sei aber nicht jedem Bürger zuzumuten, gibt Maag zu. Selbst für alle Stadtbäume sei diese Art der Entsorgung zu aufwendig.

Der Baumschutz-Experte hat jedoch den subjektiven Eindruck, dass der Befall dieses Jahr später auftritt. Vielleicht verzögert sich das durch die Trockenheit ein bisschen.″ Im vergangenen Jahr seien Anfang August die Bäume schlimmer befallen gewesen. Hinzu kommt seit etwa sieben Jahren Pseudomonas syringae. Das ist schon gefährlicher″, erläutert Maag. Denn anders als bei der Miniermotte befällt der Erreger den Baumstamm. Dabei nutzt das Bakterium eine Vorerkrankung oder Verletzung am Stamm aus. Von außen kann man den Befall an einer Verfärbung erkennen.

Gegen Pseudomonas syringae ist laut Maag nicht viel auszurichten, da es sich um einen bakteriellen Befall handelt. Die Bakterien verstopfen die Leitungsbahnen. Die Versorgung der Baumkrone wird unterbrochen. Im schlimmsten Fall kann sie sogar abbrechen und herunterfallen. Der OSB versucht, die Kronen durch Beschneiden der Bäume zu retten. Doch auch das ist sehr aufwendig, denn es muss mit sterilem Schnittwerkzeug gearbeitet werden.

Prominentestes Beispiel für einen Baum, der nicht mehr zu retten war, ist die große Kastanie im Schlossgarten, die wegen Pseudomonas-Befall innerlich abgestorben war und 2015 gefällt werden musste. Das ging ganz schnell″, berichtet Maag. Erinnert sei auch an die Kastanie im Wintergarten der Gaststätte Grüner Jäger. Sie musste im vergangenen November weichen, weil Schädlinge und Krankheiten ihre Standfestigkeit beeinträchtigt hatten.

Der Gesamtbestand der Kastanien in Osnabrück sei derzeit aber nicht gefährdet, beruhigt Maag. Allerdings könne niemand sagen, wie sich die Lage weiterentwickelt. Aus Angst vor Schädlingen keine Kastanien mehr zu pflanzen hält der Experte für falsch. Schließlich erkranke nicht jeder Kastanienbaum. Die Vielfalt an Bäumen ist wichtig.″ Diese Diversität könne auch dazu beitrage, dass sich Arten wieder erholen können.

Bildtext:
Mehrere Kastanienbäume in Osnabrück sind vom Bakterium Pseudomonas syringae befallen, wie Thomas Maag an der Lerchenstraße demonstriert.
Foto:
Gert Westdörp
Autor:
Mareike Bader


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