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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wenn König Fußball das Zepter schwingt
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf Freud und Leid rund um das runde Leder ins Bild setzte
Artikel:
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Originaltext:
Die WM ist Geschichte es lebe der Ligafußball, der schrittweise aus der Sommerpause in die Stadien sowie ins heimische Wohnzimmer zurückkehrt. Große Turniere, der Ligastart und die Zukunft sowohl des VfL Osnabrück wie des SV Meppen boten dem Karikaturisten Fritz Wolf reichlich Stoff für kritische Betrachtungen und gewagte Prognosen.

Osnabrück Ohne Blickkontakt hangeln sich die beiden Fußballer von zwei Seiten den Berg hinauf mit dem Ziel 2. Liga. Fritz Wolf bewies um die Jahrtausendwende viel Fingerspitzengefühl, um die kickenden Rivalen aus Osnabrück und Meppen für die Neujahrsgrüße der Neuen Osnabrücker Zeitung″ ebenso gleichberechtigt wie augenzwinkernd ins Bild zu setzen. Für das NOZ-Neujahrsleporello 1999 ersann er einen halsbrecherischen Gipfelsturm, der den VfL in der Saison 1999/ 2000 auch tatsächlich in die Zweitklassigkeit zurückführte.

Nach dem Heimsieg gegen die Würzburger Kickers und dem 2: 0-Derbysieg gegen Meppen schnuppern die Lilaweißen auch derzeit tabellarische Höhenluft, während die blau-weiße Konkurrenz mit lediglich einem Punkt die Niederungen der Tabelle erkundet (das Ergebnis des gestrigen VfL-Spiels lag bei Redaktionsschluss für diesen Beitrag noch nicht vor).

Falls die Osnabrücker auch am letzten Spieltag einen der beiden Spitzenplätze behaupten sollten, läge dafür eine lilaweiße Solo-Variante des Gipfelsturms im Fundus des Fritz-Wolfs-Archivs bereit.

Während der Zeichner mit seinen Visionen zum neuen Jahr wiederholt große Sympathie für beide Regionalclubs bewies, richtete er auch immer wieder seinen kritischen Blick auf Fehlentwicklungen des Fußballgeschäfts. Mit der Frage Moment, wer zahlt am meisten? setzte er 1988 den seinerzeit noch geradezu unterentwickelten Einfluss von Fernsehgeldern auf den Profifußball ins Bild, der inzwischen mit einer Spieltags-Bandbreite von Freitag bis Montag auch die Dritte Liga erreicht hat. Angesichts der Bieterschlachten um Fernsehrechte und des Aufmarsches vieler Kameras sah der Karikaturist den Fußball bei den Funktionären am Allerwertesten″.

Mit einem Reichsapfel in Form des runden Leders inszenierte er 1994 den wahren König Fußball, der zum Saisonbeginn das Zepter über die Freizeit williger, siegtrunkener Fans schwingt. Im Vorjahr hatte Fritz Wolf den Saisonauftakt noch weit kritischer gesehen: Die sportlich gekleidete, als Kind personifizierte Bundesliga frohlockt: Ab sofort gehört euer Papi samstags wieder mir! Neben dem Knirps mit Fußballschädel fingert der Vater die Bierflasche in der anderen Hand an der Fernbedienung. Da können seine wahren Sprösslinge im Hintergrund nur bedröppelt zuschauen.

Allem Kickerfrust zum Trotz eröffnete Fritz Wolf auf der anderen Seite Perspektiven für geschundene Fanseelen nach Welt- und Europameisterschaften. Nach dem 1992 verlorenen EM-Endspiel gegen Dänemark schickte er einen verheulten deutschen Michel mit seinem Biervorrat zum Ballwechsel auf den Fernsehsessel. Dessen trotzig-hoffnungsvoller Ausspruch Jetzt muss ich mich ganz auf Wimbledon konzentrieren″ wurde damals dank einer souveränen Steffi Graf erhört. Nach dem deutschen WM-Aus in Russland ist Fritz Wolfs Rezept gegen die Fußballtrauer erneut aktuell: Die wieder erstarkte Angelique Kerber sorgte mit ihrem Wimbledon-Sieg für ein emotionales Zwischenhoch vor dem Bundesligastart.

Zur Person: Hermann Queckenstedt war von November 2014 bis November 2017 Präsident des VfL Osnabrück. Er ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums.

Bildtexte:
Der VfL Osnabrück und der SV Meppen wollen auf den Gipfel (1999).
Moment, wer zahlt am meisten? (1988)
Ab sofort gehört euer Papi samstags wieder mir! (1993)
„… es lebe der König! (1994)

Fritz Wolf

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf anlässlich seines 100. Geburtstags eine Karikaturen-Serie. Im TuchmacherMuseum in Bramsche ist derzeit die Sonderausstellung Was der deutsche Mann im Sommer trägt…″ zu sehen, die vor allem durch Folgen aus den Bildern aus der Provinz″ sowie der Frauenzeitschrift Brigitte″ die Geschichte der bundesdeutschen Alltagsmode erzählt. Darüber hinaus präsentiert das Stadtmuseum Quakenbrück eine Fritz-Wolf-Ausstellung zum Thema Musik. Hinweise und Infos erteilt der Medienwissenschaftler Sebastian Scholtysek, Telefon 01 76/ 31 11 06 63, E-Mail: post@ Fritz-Wolf.de.
Autor:
Hermann Queckenstedt


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