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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wartungsarbeiten am „Musikexpress″
Zwischenüberschrift:
Angelika Walter bessert in der Wüste nach
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vor zwei Jahren wurde das 350 Quadratmeter große Wandbild Musikexpress″ in Osnabrück fertiggestellt. Auf die Künstlerin Angelika Walter wartet schon wieder neue Arbeit.

Osnabrück Der Musikexpress″ am Bahntunnel an Limburger Straße war vor 32 Jahren das erste Wandbild von Angelika Walter. Eine Arbeit, die sie und den Stadtteil Wüste nachhaltig geprägt hat. Ein Jahr konnte sie sich damals um das 350 Quadratmeter große Kunstwerk kümmern; erhielt durch das Projekt Kunst in der Stadt″ eine einjährige Festanstellung. Zur Absicherung hatte sie neben dem Studium an der Kunstakademie an der Uni Münster Germanistik studiert. Doch nach einem Jahr als Lehrerin am Gymnasium in Bad Essen wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Das Projekt habe ihr sehr geholfen, als Künstlerin Fuß zu fassen, blickt die heute 65-Jährige zurück. Wenn man von der Uni kommt, kennt einen keiner.″

Das änderte sich schlagartig. Passanten suchten den Kontakt zur Künstlerin das Konzept, Kunst in den öffentlichen Raum zu tragen, ging auf. Bis heute zieht es sie mit ihrem mobilen Atelier raus. Mal in Fabrikhallen, wo sie sich weiterhin ihrem Lieblingsthema Mensch zwischen Natur und Technik widmet, oder zurück zum Musikexpress″. An dem nagt der Zahn der Zeit. An manchen Stellen blättert die Farbe ab. Gerade auf der östlichen Seite, der Innenansicht des Zuges, falle Putz ab. Durch das Erdreich hinter dem Tunnel drücke Wasser durch und führe zu Algenbildung, erklärt Walter. Das ist ganz schlimm hier. Das muss regelmäßig gemacht werden″, beklagt die Künstlerin. Dazu gehören eben auch die Wartungsarbeiten.

Sie wolle lieber früh an kleinen Stellen ausbessern als noch einmal die große Fläche. Eine Lehre aus der kräftezehrenden Restaurierung 2004, als das Ursprungsbild mit Graffiti übersprüht worden war. Fließend Wasser oder Strom für die Reinigung gibt es an der Eisenbahnunterführung nicht. Einen Wasserkanister haben Angelika Walter und Brigitte Busch immer dabei.

Busch unterstützt Walter seit sieben Jahren. Zu zweit fühlt man sich sicherer″, sagt Busch. Die Hobbykünstlerin hat hier und da sogar selbst Hand angelegt. Versorgt das Mäuschen an der Öffnung des Tunnels mit Käse″ aus bemalten Steinen oder hat die beiden Tafeln daneben mit Blattgold umrahmt. Die vielen Details faszinieren sie. Es gibt ganz viel zu erzählen″, sagt sie. Das ist so viel, dass sie dafür eine ganze Handvoll Notizzettel für die Führungen parat hat. Die dauern etwa eine gute Stunde damit ist aber längst nicht alles erzählt. Besucher der Führung können eine Fahrkarte als Andenken gegen eine Spende erwerben. So hofft Walter, ihre Arbeit am Musikexpress″ weiterhin finanzieren zu können. Wenn ich einen Sommer hier verbringe, kann ich nichts verkaufen″, sagt die freiberufliche Künstlerin. Beim Musikexpress″ gilt aber: Schwarzfahrer werden hier nicht rausgeschmissen.″

Mitte August bekommt Walter als Spende ein Gerüst gestellt. Dann kann ich auch oben arbeiten″, freut sie sich. Ein großer Wunsch wäre eine professionelle Reinigung. So Leute, die einen Wassertank haben.″ Auch die Bürgerstiftung unterstützt sie nach wie vor. Das reicht aber nicht aus. Auf Dauer muss wieder was reinkommen″, betont sie. Für Firmenlogos, die bisher Geld einbrachten, geht der Platz aus. Möglich sind noch Namensnennungen, etwa als Geschenk. Das nimmt nicht so viel Fläche ein.″ Wieder ein Detail mehr im 95 Meter langen Tunnel.

Jedes Motiv hat eine eigene Geschichte. Da ist die steirische Harmonika eines Gastes des improvisierten Brückencafés″ zu sehen oder das Dezembermotiv als Dank für die beiden Schutzengel″, die 2004 den Musikexpress″ bewacht haben. Probleme mit Sprayern wie damals gab es danach nicht mehr. Doch Anfang des Jahres hat Walter doch wieder ein Graffito gefunden. Das ist seit 2004 wirklich das erste Mal gewesen″, betont sie.

Den Graffiti-Stil hat die studierte Künstlerin aufgegriffen und ergänzt damit die vielen Kunstrichtungen wie Impressionismus oder Surrealismus. Zahn der Zeit″ steht an einer Stelle, wo einst das Ursprungsbild überdeckt war. Die neue Farbe ist wieder weg, ihre Signatur von damals freigelegt. Spontan hat Walter in die Flächen Farbfresser″ gemalt. Ohne Skizze wie damals. Jetzt brauche ich das natürlich nicht mehr.″

Der Zug reise durch die Jahreszeiten, aber auch durch die Kunst- und Kulturgeschichte, erklärt Walter. So ist das berühmte Goethe-Motiv von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein zu sehen, das sie auf ihre Weise interpretiert hat. Neben dem reisefreudigen Goethe als Stellvertreter für Lyriker, deren Texte für Lieder vertont wurden, gibt es auch ein Zitat von Picasso oder Bezüge zur Pop-Kultur wie Tina Turner.

Goethe scheint ihr besonders wichtig zu sein, zu seinem Geburtstag am 2. September gibt es wieder besondere Veranstaltungen. Dann will ich alles für dieses Jahr fertig haben″, sagt die Künstlerin. Es gibt noch viel auszubessern. Und es werden neue Details hinzukommen, wie jedes Jahr. Andere kehren zurück wie die Löwenzahn-Schirmchen. Daran hat sie eine Passantin erinnert, sagt Walter. Nächstes Jahr sind wir wieder hier″, freut sich Brigitte Busch jetzt schon.

Bildtexte:
Künstlerin Angelika Walter arbeitet wieder am Musikexpress″ am Bahntunnel an der Limburger Straße. Der Zahn der Zeit″ macht sich an Putz und Farbe zu schaffen.
Besucher der Führungen können mit einer Spende eine Fahrkarte für den Musikexpress″ erwerben.
Eins von vielen Details: ein Farbfresser″ mit Goldzahn
Fotos:
David Ebener
Autor:
Mareike Bader


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