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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Ich würde nichts anders machen″
Zwischenüberschrift:
OB Griesert: Mit tollen Typen im Team den Briten-Abzug gemeistert
Artikel:
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Originaltext:
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Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) hat schon als Stadtaurat an der Umwandlung der Briten-Flächen mitgewirkt. Die Konversion sei ein großer Erfolg auch dank toller Typen″ im Team, die mit Herzblut für die Sache gearbeitet hätten, sagt er im Interview.

Herr Griesert, wie sehr vermisst der Osnabrücker Oberbürgermeister die Briten?

Ich bin ja erst im Jahr 2005 nach Osnabrück gekommen und daher nicht, wie viele Osnabrücker, quasi mit den Briten groß geworden. Ich merke aber schon, welche Rolle sie hier gespielt haben und dass sie die Geschichte der Stadt geprägt haben. Zeitweise war jeder zehnte Osnabrücker ein Brite in Diensten des Militärs. Hier sind Freundschaften entstanden und Familien gewachsen. Eigentlich verbindet doch jeder Osnabrücker noch etwas mit dieser Zeit. Ich habe die Aufgabe der Konversion allerdings damals rein professionell als Aufgabe gesehen. Was mit den Flächen und den Gebäuden der Briten geschehen sollte, war daher eher eine berufliche Herausforderung für mich.

Würden Sie das bisher erreichte als Erfolg bezeichnen?

Ja, auf jeden Fall.

Als der Britenabzug vonstattenging, waren Sie Stadtbaurat, Boris Pistorius Oberbürgermeister. Was haben Sie getan, dass es heute so gut aussieht?

Ganz wichtig war, dass wir schon kurz nach dem Bekanntwerden des Britenabzugs den Konversionsprozess vorbereitet und ausgestaltet haben. Ich persönlich hatte bereits Erfahrungen mit ehemaligen Militärflächen während meiner vorherigen beruflichen Stationen in Krefeld und Minden gemacht. Da gehörten auch Erfahrungen dazu, die ich hier nicht noch einmal erleben wollte. Mir war es wichtig, von vornherein mit allen Beteiligten gemeinsam zu gestalten. Ganz hervorragend hat die Zusammenarbeit mit Boris Pistorius geklappt. Er als Oberbürgermeister und ich als Stadtbaurat haben uns damals die Aufgaben geteilt und an einem Strang gezogen.

Die Britenflächen wurden seinerzeit von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben vermarktet. Wie haben Sie die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) kennengelernt?

Boris Pistorius und mir war früh klar, dass wir die Bima unbedingt mit ins Boot holen müssen. Wir haben deshalb schon früh den Kontakt gesucht und uns zusammengesetzt. Gleichzeitig haben wir fast überall Aufstellungsbeschlüsse für die Flächen auf den Weg gebracht, um Möglichkeiten für eine positive Entwicklung zu schaffen. Die Zusammenarbeit hat so gut geklappt, dass wir später mit der Bima einen eigenen Messestand auf der Immobilienmesse Expo Real hatten.

Wie haben Sie das Thema hier in Osnabrück vorangetrieben? Es gab ja durchaus Ängste in der Stadt, der Britenabzug könnte gravierende Auswirkungen mit sich bringen.

Wir haben uns frühzeitig Gedanken über Strukturen gemacht und in der Stadtverwaltung eine Organisationseinheit gebildet, die sich vornehmlich um das Thema Konversion gekümmert hat. Schon früh war klar: Wir brauchen dafür, was mit den Flächen passieren soll, ein stabiles Gerüst mit Eckpunkten, die unverrückbar sind, mit dem wir aber auf neue Herausforderungen der kommenden Jahre auch flexibel reagieren konnten. Wichtig war außerdem, dass die Bürger schon früh mit ins Boot geholt wurden.

Sie sprechen viel von Strukturen. Wie wichtig sind die?

Ein Konversionsverfahren in dieser Größe wir sprechen von immerhin 160 Hektar müssen Sie schichten. Wir wollten die 160 Hektar Kasernenflächen nicht einfach beliebig mit irgendwelchen Nutzungen belegen. Ich rede in diesem Zusammenhang gerne von Talenten der Orte. Man muss sich bei Flächen immer fragen, was wo im Stadtgebiet funktioniert. Da beginnen Sie am besten erst einmal im Großen zu denken. Das haben wir seinerzeit im Perspektivplan Konversion getan.

Kannten Sie denn damals eigentlich die Flächen? Immerhin waren sie über Jahrzehnte quasi aus dem Stadtbild verschwunden?

Nein, in der Tat kannten wir die Flächen als solche nicht wirklich. Natürlich wusste jeder, wo sie liegen und wie groß sie sind. Unser großes Glück war damals, dass es Menschen gab wie Paul Barron, den damaligen Facility-Manager, oder Christopher Lineker, den Verbindungsoffizier. Beides waren tolle Typen, denen die Stadt am Herzen lag. Wir haben mit dem Leiter unseres Konversionsteams, Thomas Rolf, gemeinsam Bustouren und Spaziergänge über die einzelnen Flächen organisiert, um überhaupt zu sehen, was die Stadt dort erwartet.

Wenn wir von einem Buch über die Konversion in Osnabrück reden, das zehn Kapitel hat: Wo stehen wir momentan?

Wir sind vielleicht bei Kapitel sieben. Wenn ich mit Bürgermeisterkollegen rede, dann werde ich oft darauf angesprochen, dass wir recht schnell sind. Üblicherweise brauchen Städte für einen vergleichbaren Konversionsprozess eher 15 bis 20 Jahre. Wir haben aber schon ganz früh gesagt, dass wir schneller sein wollen. Gleichzeitig ging es uns aber auch nicht darum, alle Flächen nur irgendwie zu bebauen. Das Potenzial hat man ja schließlich nur einmal.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Wichtig war mir persönlich, dass die Flächen nicht beliebig verplant werden. Ein gutes Beispiel ist das ICO auf der ehemaligen Scharnhorst-Kaserne. Hier wollten wir etwas Besonderes entstehen lassen. Und auch jetzt sind noch nicht alle Flächen bebaut. Es wäre doch fatal, wenn hier schon alles voll wäre auf dieser attraktiven Fläche mit ihrer Nähe zum Hochschulstandort am Westerberg. Wer weiß, was in ein paar Jahren ist? Die Konversion war auch eine große Chance, öffentlichen Raum mit großer Qualität für die Bürger zu schaffen. Mir lag sehr am Herzen, dass jedes Gelände einen attraktiven Grünraum erhält. Zur Infrastruktur gehören nicht nur Straßen, sondern ein öffentlicher Raum, der erlebbar ist, auf dem sich Menschen vernetzen können. Auf den Grünflächen merken die Menschen, dass die Planung auch für sie persönlich einen Wert hat.

Auf welche Meilensteine blicken Sie persönlich zurück?

Ein wichtiger Meilenstein zu Beginn war sicherlich der Perspektivplan Konversion. Dass es gelang, ein Unternehmen wie Kaffee Partner nach Osnabrück zu holen, war ein wichtiger Impuls. Ein persönlicher Meilenstein für mich war die Entwicklung des Hochschulcampus am Westerberg.

Hand aufs Herz: Was würden Sie heute im Konversionsprozess anders machen?

Ganz ehrlich: Ich würde nichts anders machen, Ich habe in den Jahren gemerkt, dass es wichtig war, Menschen an diesem Prozess zu beteiligen und für die Gestaltung unserer Stadt zu begeistern, die auch Spaß an der Sache und Freude am Erfolg haben.

Bildtext:
Wolfgang Griesert war noch Stadtbaurat, als die Briten abzogen.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Sebastian Philipp


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