User Online: 1 | Timeout: 22:49Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück verliert einen wirklich strahlenden Stern
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zur Schließung des Drei-Sterne-Restaurants , La Vie′ und dem Kommentar Osnabrück verliert einen Leuchtturm″ von Arne Köhler (Ausgabe vom 17. Juli).

Es dürfte niemanden ernstlich verwundern, dass neben Kunst- und Kulturinstitutionen auch Gourmet-Tempel nur ganz selten aus eigener wirtschaftlicher Kraft überleben können, sozusagen ein ewiger Ritt auf (Tranchier-) Messers Schneide. Das ist nun mal so und auch beim , La Vie′ war es seit Anfang an ein offenes Geheimnis, dass das Edelrestaurant sein Dasein dem Tropf seines Eigentümers Jürgen Großmann verdankte und auch deshalb von Anfang an ein bisschen boshaft , Großmanns Edel-Pommesbude′ genannt wurde.

Sei es, wie es sei: Das , La Vie′ taugte ganz gut als abgehobener Ess-Tempel für die Osnabrücker und besonders die zugereiste First-Class-(High-) Society, ja: als , Leuchtturm′, der den Osnabrücker Namen aus der Provinz heraus in die große weite (Gourmet-) Welt blinkte. Das , einfache Volk′ ist aber meist vor den Türen geblieben.

Nun aber ist dem Stahlbaron offenbar der Unterhalt seiner Nobelküche aus verschiedensten Gründen zu teuer geworden, als ein Ergebnis der Holding-weiten, gerichtsgeleiteten Neustrukturierungen ist der , Leuchtturm′ der Osnabrücker Esskultur erloschen. Ob man darüber nun flächendeckend betrübt sein muss, werden die persönlichen Geschmacksknospen sowie die pekuniären Möglichkeiten des Girokontos entscheiden.

Nichts gegen das gewesene Flair und die Qualität des Hauses , La Vie′, und auch nichts gegen Geschäftsführer und Chef de Maison Thomas Bühner. Jener begnadete Maître wird sicher auch fürderhin ein adäquates Auskommen beziehungsweise die Möglichkeit haben, in Osnabrück oder anderswo erneut sterneträchtig zu reüssieren. Die einzige Frage, die man sich hier stellen muss, ist, warum Bühner satte vier Wochen gegenüber seinen nichts ahnenden Mitarbeitern die terminierte Schließung des Hauses verschwiegen hat.″

Klaus Schafmeister

Georgsmarienhütte

Das , Handelsblatt′ hatte am Dienstag die unerwartete Schließung unseres Osnabrücker Spitzenrestaurants zutreffend mit , La Vie est mort′ auf der ersten Seite betitelt. Mit der Schließung des , La Vie′, eines der besten Restaurants Deutschlands und der Welt, ist am Freitag, dem 13. Juli, eine besondere Ära der Gourmetküche zu Ende gegangen. Der damit verbundene Verlust der Drei-Sterne-Auszeichnung für das , La Vie′ von Herrn Thomas Bühner hat den unbarmherzigen , Tod′ eines der besten Köche der Welt zur Folge nicht durch die kritischen Restauranttester Michelin & Co, sondern meines Erachtens durch die eigene , Mutter′, die Georgsmarienhütte-Holding.

Auch wenn die Georgsmarienhütte-Holding die Schließung einer (laut , NOZ′ und , Handelsblatt′) verlustträchtigen Konzerntochter [. . .] in wirtschaftlich schwierigen Zeiten vielleicht mit einem erheblichen Personalabbau im Konzern rechtfertigen wird, so ist das unerwartete Aus für das , La Vie′-Restaurant eine menschliche Tragödie für Herrn Thomas Bühner und für sein gesamtes Team sowie eine Zerstörung seines Lebenswerkes.

Auch für uns Bürgerinnen und Bürger ist es ein unermesslicher Verlust [. . .]. Es ist, als ob gleichzeitig alle Sterne in unserer Stadt erlöschen und nicht nur ein Leuchtturm. Das Herrn Thomas Bühner als Geschäftsführer der La Vie GmbH von der vorgenannten Holding wohl auferlegte , Schweigegelübde′ (über die Schließungsabsichten) gegenüber den Mitarbeitern und Kunden des Restaurants erscheint mir eine extrem geringe Wertschätzung von Spitzenmitarbeitern zu sein. Einen Dank und Würdigung der herausragenden Leistungen [. . .] durch den , Mutter′-Konzern stelle ich mir anders vor. Herrn Bühner und seinem Team sage ich meinen herzlichen Dank für die hohe Kochkunst und ihre außergewöhnlichen Leistungen für unsere Stadt und uns Bürgerinnen und Bürger.″

Angelika Große Extermöring

Osnabrück

Beim Lesen der Schlagzeile [. . .] glaubte ich an einen schlechten Scherz, denn daran musste Herr Bühner sich ja schon hier in Osnabrück gewöhnen. Sicher, es gibt zu viele Menschen, die auf dieser Welt verhungern müssen, weil sie für Nahrung zu arm sind oder sie einfach nicht vorhanden ist. Es gibt nun leider keine gerechte Verteilung unserer Rohstoffe und Reichtümer. So weit, so gut, eine andere Sache.

Aber einen Sternekoch wie Herrn Bühner einfach kurzerhand seiner Sterne, ja, zu berauben, ist schon starker Tobak. Ein Koch aus Leidenschaft, bürgerfreundlich, nicht überheblich und sozial eingestellt, da verliert Osnabrück einen wirklich strahlenden Stern.

Er holte Kinder in seine Küche, vermittelte ihnen dadurch, Lebensmittel zu achten, dass es andere Zubereitungsarten als Fix-Produkte gibt und gutes Essen auch nicht teurer sein muss als ein fetter Big Mac.

Arbeitsplätze gehen verloren. Wir haben einen Leerstand einer Traditionsimmobilie (wie wäre es mit einem weiteren Klamottenladen?).

Herrn Köhler sei Dank mit seinem Kommentar. Ich gehörte (leider) nicht zu seinen Stammgästen, hatte aber schon das Glück, mich von seinen Kochkünsten verwöhnen zu lassen. Ihm und seinem Team mögen sich neue Türen öffnen und ihm mehr Glück beschieden sein als , zum Glück aus Osnabrück′.″

Marlen Freitag

Osnabrück

„, Ich komm zum Glück aus Osnabrück.′ Mit diesem Slogan war die Stadt vor einigen Jahren nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland in aller Munde. Mit dem Namen Osnabrück assoziierte man sofort Begriffe wie Karmann Ghia, VW Cabrio, VfL Osnabrück und auch das , La Vie′. Dass dieser Gourmettempel nun seine Pforten schließt, ist ein weiterer großer Imageverlust für die Stadt und reiht sich nahtlos ein in das trostlose Bild, das die Stadt seit Jahren ihren Bürgern und Gästen bietet. Bei einem Blick auf den Neumarkt und die Johannisstraße fällt es mir immer schwerer zu sagen: Ich komm zum Glück aus Osnabrück.″

Kai-Uwe Gravemann

Osnabrück

Dass das , La Vie′ Knall auf Fall schließen muss, ist ein riesengroßer Verlust nicht nur für Osnabrück, sondern insgesamt für den kulinarischen Standort Deutschland. Zum Glück gibt es hierzulande zahlreiche gute bis erstklassige Restaurants, aber eben nur wenige, die das Niveau des , La Vie′ bieten können.

Diejenigen, die bereit und willens sind, lange Wege auf sich zu nehmen und die eigene Geldbörse sehr weit zu öffnen, werden ab jetzt einen weiten Bogen um Osnabrück machen (müssen) und statt dessen nach Bergisch Gladbach, Baiersbronn und in den Rheingau fahren.

Osnabrücks kulinarische Szene verliert damit ihren exponiertesten Vertreter, der zugegebenermaßen für die meisten Osnabrücker keinerlei Relevanz hatte. Interessant zu wissen wäre in der Tat, wie viele der Tischreservierungen im , La Vie′ tatsächlich aus dem direkten regionalen Umfeld waren.

Oberbürgermeister Griesert irrt gleichwohl, wenn er auf die , weitere Spitzengastronomie′ in der Hasestadt verweist. Zwar lässt es sich in Osnabrück gut speisen, aber von Spitzengastronomie sind selbst die besseren Osnabrücker Adressen meines Erachtens weit entfernt.

Der Verlust für Osnabrück ist das eine; das andere sind die damit verbundenen Vorgaben des Eigentümers. Einen Monat lang wurde Thomas Bühner zum Stillschweigen verdonnert. Einen Monat lang wurden Reservierungen für die kommenden Monate angenommen. Einen Monat lang engagierten sich alle Angestellten des , La Vie′ in dem Glauben, auch im Herbst kulinarische Höchstleistungen geben zu können.

Man fragt sich, was die Georgsmarienhütte Holding , geritten′ hat, eine derartige Politik zu verfolgen. Es wäre eine Frage der Fairness gewesen, die Restaurantangestellten zum frühestmöglichen Zeitpunkt über die Schließung zu informieren. Es sind aber auch die Restaurantbesucher (insbesondere diejenigen, die von weit her angereist wären), denen gegenüber man sich hätte fairer verhalten müssen. Statt einer Hals-über-Kopf-Schließung wäre ein Betriebsende zum Jahresende die weitsichtigere Lösung gewesen. Ich bin geneigt zu sagen: Auf die paar Monate wäre es doch auch nicht mehr angekommen.″

Peter Koch

Bramsche

Der Umgang mit den Mitarbeitern, bei der Reputation ihres letzten Arbeitgebers sämtlichst sicher begehrt auf dem Arbeitsmarkt, ist eine Unverschämtheit. Nicht vergessen darf man allerdings, dass vor etwa einem Jahr Hunderte Arbeiter und Angestellte der ebenfalls zur Georgsmarienhütte-Holding gehörenden IAG Magnum GmbH ihre Arbeitsstelle verloren haben. Damals unter Angabe derselben Gründe: langfristig mangelhafter Profit und kurzfristige Verluste. Wo war da die , schützende Hand′ des Patriarchen, die er so lange über sein Lieblingsrestaurant hielt? Eine Unverschämtheit obendrein, dass er dieses mit privat unversteuerten Millionen seiner Firma statt aus seiner eigenen persönlichen Tasche subventionierte.

Der kulinarische Verlust für die Region bleibt. Ich wünsche den in der Stadt verwurzelten Mitarbeitern des , La Vie′, dass sie hier in der Region neue Anstellungen finden werden. Vielleicht gelingt einigen von ihnen die Neueröffnung eines Restaurants, sicher dann, wenn sie so pfiffig sind wie ihre Gerichte.″

Jan Herrmann

Osnabrück

Wenn eine Schließung des Restaurants bereits seit längerer Zeit im Raume stand, wäre es allen Mitarbeitern gegenüber fair gewesen, sie darüber zu informieren, anstatt Herrn Bühner über Wochen zum Stillschweigen zu verpflichten. Herr Großmann hat den Angestellten die Möglichkeit genommen, sich anderweitig zu orientieren, und sie ins offene Messer laufen lassen. Eine menschenverachtende Haltungsweise, die den Spruch , Geld verdirbt den Charakter′ wieder einmal bestätigt.

Die unkollegiale Aussage von Herrn Rosin lässt auf puren Neid schließen. Wenn der Herr so kocht, wie er spricht, dann kann man nur dankend verzichten.″

Marianne Kameier

Bissendorf

Bildtext:
Das Schild ist verschwunden, das Drei-Sterne-Restaurant La Vie″ ist Geschichte. Die abrupte Schließung hat viele Leser bewegt und zu Zuschriften veranlasst.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Klaus Schafmeister, Angelika Große Extermöring, Marlen Freitag, Kai-Uwe Gravemann, Peter Koch, Jan Herrmann, Marianne Kameier


Anfang der Liste Ende der Liste