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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Protest gegen Luxusbauten am Westerberg
 
Protest gegen neue Luxuswohnungen
Zwischenüberschrift:
Anonyme Flugblätter verteilt / 60 Wohnungen auf Strahlenklinik-Gelände geplant
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Eine Bürgerinitiative Grüne Lunge Westerberg″ macht mit anonymen Flugblättern Stimmung gegen den Bau von Luxuswohnungen auf dem Gelände der früheren Paracelsus-Strahlenklinik. Befürchtet werden Verkehrschaos, Krach und Gestank, außerdem der Verlust geschützter Großbäume. Der Düsseldorfer Immobilienentwickler BPD hat das 11 200 Quadratmeter große Grundstück an der Lürmannstraße vor zwei Jahren erworben. Auf der mutmaßlich teuersten Brache der Stadt sollen nach Angaben des Investors vier Mehrfamilienhäuser mit 60 Einheiten entstehen. Wer hinter der Bürgerinitiative Grüne Lunge Westerberg″ steckt, ist unklar. Die Flugblätter nennen weder Name noch Telefonnummer eines Verantwortlichen, lediglich eine E-Mail-Adresse, die aber ins Leere führt.

Die Bürgerinitiative Grüne Lunge Westerberg″ wettert gegen den Bau von Luxuswohnungen auf dem Gelände der früheren Paracelsus-Strahlenklinik in Osnabrück. Befürchtet werden Verkehrschaos, Krach und Gestank, außerdem der Verlust geschützter Großbäume. Investor BPD beschwichtigt und verrät, was er wirklich vorhat.

Osnabrück Der Düsseldorfer Immobilienentwickler BPD hatte das 11 200 Quadratmeter große Grundstück an der Lürmannstraße 38/ 40 vor zwei Jahren für einen mutmaßlich zweistelligen Millionenbetrag erworben. Wie die Paracelsus-Kliniken als Verkäufer damals mitteilten, sind auf der wohl teuersten Brache der Stadt bis zu 60 hochwertige Eigentumswohnungen geplant. BPD selbst spricht seit einiger Zeit von sieben Mehrfamilienhäusern mit 67 Einheiten zwischen 90 und 120 Quadratmetern.

Bewohner des Nobelviertels schlagen Alarm angesichts dieser Zahlen auch wenn sie längst nicht mehr stimmen, wie unsere Redaktion herausgefunden hat. Aber dazu später mehr.

In Flugblättern rufen Nachbarn der Lürmannstraße, Gutenbergstraße, Bergstraße und Prof.-Haack-Straße zum Widerstand gegen das Bauvorhaben auf. Luftverschmutzung, Lärm und tägliches Verkehrschaos. Wollen wir das vor unserer Haustür?″, fragen sie in großen Buchstaben. Es drohe die Zerstörung der letzten grünen Lunge am Westerberg″, und die Stadt sehe tatenlos zu, so ihr Vorwurf.

Wer hinter der Bürgerinitiative Grüne Lunge Westerberg″ steckt, ist unklar. Die Flugblätter nennen weder Name noch Telefonnummer eines Verantwortlichen, lediglich eine E-Mail-Adresse. Eine am 11. Juli dorthin gerichtete Bitte unserer Redaktion um Stellungnahme blieb bislang unbeantwortet.

Dem Flyer selbst sind folgende Argumente zu entnehmen: Die auf dem einstigen Paracelsus-Areal geplanten Bauten stellen nach Ansicht der Bürgerinitiative keine Lösung für die allgemeine Wohnungsnot in Osnabrück″ dar. Vielmehr würden Luxuswohnungen entstehen mit einem geschätzten Quadratmeterpreis von bis zu 6000 Euro″. Pro Wohneinheit sei von zwei bis drei Fahrzeugen auszugehen, wodurch sich die Emissionsbelastung im Bereich Lürmannstraße, eigentlich Beginn der grünen Lunge Richtung Rubbenbruchsee″, deutlich erhöhe. Ihre Furcht vor einer untragbaren Park-, An- und Abfahrt-Situation″ illustriert die Bürgerinitiative mit nicht näher bezeichneten Fotos von verstopften Straßen.

Neue Grundsätze?

Bilder von großen, grünen Bäumen verleihen wiederum der Sorge Ausdruck, dass bei einer derart extensiven Bebauung″ des ehemaligen Strahlenklinik-Geländes geschützte Bäume leiden und mit großer Wahrscheinlichkeit zerstört werden″. Nicht zuletzt beklagen die Verfasser des Flugblatts Ungereimtheiten″ beim Vergleich des BPD-Projekts mit der sehr lockeren Bebauung″ des angrenzenden, früheren Privatgrundstücks der Osnabrücker Autobauer-Familie Karmann. Dort habe die Stadt einst auf 10 000 Quadratmetern lediglich acht Einfamilienhäuser genehmigt. Schutz von Natur und guter Luft war allen Interessen übergeordnet″, heißt es. Dieselben Maßstäbe müssten auch diesmal angelegt werden, fordert die Bürgerinitiative, stellt jedoch fest, dass inzwischen völlig neue Grundsätze″ gelten. Was früher mal wichtig war, hat heute keinen Wert mehr!

Ist an alldem was dran? Nachfrage beim Investor. Wir nehmen die Bedenken der Nachbarn ernst, aber ihre Ängste sind absolut unbegründet″, sagt Projektmanager Thomas Trendelkamp. Vom Flugblatt und seinem Inhalt habe er erst durch unsere Redaktion erfahren. Bei BPD sei die Bürgerinitiative bis heute nicht vorstellig geworden″. Ansonsten pflege der Immobilienentwickler mit den Anwohnern das offene Gespräch″.

Die Planungen für das Projekt am Westerberg stehen derweil vor dem Abschluss. Die Krankenhaus-Ruine ist abgerissen. Ein Bauantrag werde in den nächsten Monaten″ eingereicht, kündigte Trendelkamp an. Zugleich bestätigte er Informationen unserer Redaktion, wonach nur noch vier (statt sieben) Mehrfamilienhäuser vorgesehen sind. Insgesamt soll es rund 60 Wohnungen geben sowie eine gemeinsame Tiefgarage.

Ohne Folgen fürs Stadtgrün bleibt der Bau jedoch nicht. Drei geschützte Großbäume fallen dem Objekt zum Opfer. Das ist die Hälfte dessen, was der Investor ausweislich nicht öffentlicher Ausschussunterlagen ursprünglich beseitigen wollte. Der rechtsverbindliche Bebauungsplan 365, der auch das Ex-Karmann-Areal einschließt, wurde 2011 geändert. Im Vergleich zur vorigen Version wurden die überbaubaren Flächen verkleinert und mehr Großbäume unter Schutz gestellt. Zusätzliche Verkehrsbelastungen stufte die Stadt schon damals als geringfügig″ ein.

Bildtext:
Abgeräumt: das Gelände der früheren Paracelsus-Strahlenklinik am Osnabrücker Westerberg. Hier sollen demnächst vier Häuser mit mehreren Dutzend Luxuswohnungen entstehen. Am oberen Bildrand ist das ehemalige Privatgrundstück der Autobauer-Familie Karmann zu sehen.
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Nachbarn als Heckenschützen

Jahrelang hat BPD an seinen Plänen für zig neue Luxuswohnungen auf dem Westerberg gefeilt. Doch ausgerechnet jetzt, wo sie die Vorgaben des Bebauungsplans offenbar weitestgehend erfüllen, stellt sich eine rätselhafte Bürgerinitiative dem Prestigeprojekt des Düsseldorfer Investors breitbeinig in den Weg.

Bewohner des Nobelviertels schwingen sich darin zu Rettern der letzten grünen Lunge″ ihres Stadtteils auf. Warnen scheinbar getrieben von edlen Motiven vor Wohnstraßen voller Autos, Lärm und mieser Luft. Schlagen Alarm, weil auf dem zugewucherten Gelände nicht alle geschützten Bäume stehen bleiben können.

Allein, ihr Gesicht zeigen die Protestler nicht. Weder gegenüber BPD noch gegenüber der Öffentlichkeit geben sie sich zu erkennen, verstecken sich stattdessen hinter einer unpersönlichen, ins Leere führenden E-Mail-Adresse aufgedruckt auf einem Flugblatt, mit dem Stimmung gemacht werden soll gegen die äußerst hochwertige Veränderung vor ihrer Haustür. Als ob die Urheber des Handzettels 60 Sozialwohnungen an dieser Stelle akzeptieren würden!

Vermutlich sind es ganz und gar keine Namenlosen, die hier so fragwürdig im Schutz der Anonymität agitieren, beinahe wie Heckenschützen. Möglicherweise sind es sogar die Reichsten der Reichen. Personen, die selbst gerne über die teuerste Brache der Stadt verfügt hätten. Und denen viele Mittel recht scheinen, um die eigenen Interessen durchzusetzen.

Stellen wir fest: BPD bewegt sich mit seinem Vorhaben höchstwahrscheinlich im Rahmen des Erlaubten. Die Stadt hält die möglichen Auswirkungen auf Verkehr und Umwelt bislang für zumutbar. Eine unzugängliche Ruine wird durch moderne Gebäude samt offenem Riesengarten ersetzt. Und nicht zuletzt entspannen 60 Luxuswohnungen in bester Lage den Osnabrücker Immobilienmarkt vielleicht in einer anderen Gegend.
Autor:
Sebastian Stricker


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