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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
E-Busse heizen mit Diesel
 
Sieben Fakten über die neuen E-Busse
Zwischenüberschrift:
Vom Akku bis zur Zusatzheizung: Was man über die Fahrzeuge der Linie M1 wissen muss
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die 13 Elektro-Gelenkbusse, die ab Ende 2018 in Osnabrück fahren sollen, weisen eine geringere Fahrgastkapazität auf als vergleichbare Dieselfahrzeuge. Das teilten die Stadtwerke Osnabrück wenige Tage nach Beginn der Fertigung auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Außerdem haben die batteriebetriebenen Busse eine Zusatzheizung an Bord, die mit Diesel betrieben wird. Nach Angaben des niederländischen Herstellers VDL Bus & Coach sollen erste Fahrzeuge vom Typ Citea SLFA-181 Electric dem Osnabrücker Verkehrsbetrieb Ende September übergeben werden. Sie verfügen dank tonnenschwerer Batterie über eine vertraglich zugesicherte Mindestreichweite von 60 Kilometern. Die Elektro-Busse sollen nach Angaben der Stadtwerke ausschließlich mit Ökostrom betankt werden.

Sie stinken nicht, machen keinen Krach, sind schick und komfortabel. Doch die 13 Elektro-Gelenkbusse, mit denen ab Ende 2018 in Osnabrück die erste Metrobus-Linie M1 betrieben werden soll, können zum Beispiel weniger Fahrgäste transportieren als herkömmliche Fahrzeuge. Und ganz ohne Diesel kommen die Stromer auch nicht aus.

Osnabrück Vor wenigen Wochen hat Systemlieferant VDL Bus & Coach (Niederlande) im belgischen Roeselare mit dem Bau der Osnabrücker E-Busse begonnen. Erste Fahrzeuge vom Typ Citea SLFA-181 Electric sollen den Stadtwerken Ende September übergeben werden. Unsere Redaktion hat sich die neuen Arbeitspferde des öffentlichen Nahverkehrs, die zunächst zwischen Düstrup und Haste zum Einsatz kommen, einmal genauer angesehen. Fragen und Antworten.

Wie sehen die neuen Elektrobusse aus? Mit ihrer geschwungenen Karosserie, langen, glatten Fensterfronten, den punktförmigen Scheinwerfern und verdeckten Rädern an beiden Hinterachsen muten die rot-weiß-schwarzen Fahrzeuge (Stückpreis 700 000 Euro) beinahe futuristisch an. Sie sollen Aufmerksamkeit erregen und Spaß machen″, erklärte Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes bereits bei der Präsentation der Metrobus-Entwürfe im Januar.

Ein einzelner Elektro-Gelenkbus ist 18, 15 Meter lang, 3, 49 Meter hoch und 2, 55 breit. Er ist durchgängig niederflurig, erlaubt also ein Ein- und Aussteigen etwa auf Höhe der Bordsteinkante. Außerdem verfügt jeder Wagen über vier Doppeltüren.

Wie werden die Fahrzeuge angetrieben? Herzstück der E-Busse ist laut Stadtwerken ein Siemens-Zentralmotor mit 210 Kilowatt Leistung. Das entspricht ungefähr 313 PS. Den Strom liefern auf dem Dach verbaute Batterien der Firma Durapower. Konkret handelt es sich um NMC-Akkus. Die Abkürzung steht für Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt-Oxide ein Speichermaterial, das auch in den meisten Elektroautos zum Einsatz kommt.

Die Batterien der neuen Osnabrücker Metrobusse haben eine Kapazität von 180 Kilowattstunden und wiegen pro Fahrzeug zwei Tonnen. Sie sollen ausschließlich mit Ökostrom gespeist werden. Dies wird über den Einsatz der entsprechenden Zertifikate und Verbrauchsmessungen sichergestellt″, erklären die Stadtwerke.

Wie funktioniert das Auftanken der Batterien? Jeder E-Bus hat einen Stromabnehmer (Pantograf) der Firma Schunk auf dem Dach. Damit dockt das Fahrzeug unterwegs an straßenlaternenartige Ladebügel und nachts im Depot an Ladehauben an. Das Auftanken der Batterien erfolgt über einen vierpoligen Kontakt. An den beiden Endpunkten der Linie M1 in Düstrup und Haste (Östringer Weg) soll das nach Angaben der Stadtwerke Osnabrück höchstens zehn Minuten dauern, auf dem Betriebshof hingegen vier Stunden. Geplant sei, dass die Akkus soweit betrieblich möglich an jeder Wende geladen werden. Allein in den Randstunden sei ein Anschluss ans Stromnetz gelegentlich verzichtbar.

Grundsätzlich sollen die Fahrzeuge immer im optimalen Ladezustand bewegt werden.″ Wichtig für die weitere Elektrifizierung der Stadtwerke-Busflotte: Die insgesamt 19 von VDL mitgelieferten Ladestationen (5 Bügel, 14 Hauben) sollen auch von Fahrzeugen anderer Hersteller genutzt werden können und umgekehrt.

Welche Reichweite haben die Elektrobusse? Mindestens 60 Kilometer. Diese Untergrenze sei Voraussetzung für die Partnerschaft mit VDL Bus & Coach gewesen, teilen die Stadtwerke mit. Dabei wurde der ungünstigste Fall″ angenommen, bei dem auch Heizung, Licht und Kälte den Batterien zu schaffen machen.

An den meisten Tagen wird die Reichweite aber deutlich darüberliegen″, versichert der Verkehrsbetrieb. Zur Einordnung: Die Linie M1 (heute Linie 41) ist 12, 5 Kilometer lang.

Wie viele Fahrgäste passen in einen E-Gelenkbus? Jeder der 13 bestellten Citea SLFA-181 Electric (darunter ein Reservefahrzeug) verfügt laut Stadtwerken über 45 Sitzplätze sowie einen Rollstuhlplatz. Hinzu kommen 85 Stehplätze. Macht zusammen 131 Plätze. Das sind zwar sechs mehr als im Januar angekündigt. Aber auch rund 15 bis 20 Plätze weniger als in den heutigen Diesel-Gelenkbussen (45 bis 50 Sitzplätze, 100 Stehplätze). Hauptgrund dafür seien die Unterschiede beim Leer- und zulässigen Gesamtgewicht, heißt es.

Warum brauchen die Elektrobusse nicht nur Strom, sondern auch Diesel? Wegen der Heizung. Die bei VDL bestellten E-Busse sind laut Stadtwerken mit einer elektrischen Wärmepumpe mit ergänzender fossiler Wärmegewinnung″ ausgestattet. Das System nutze zunächst die Abwärme der Akkus zum Heizen. Ist es kälter als fünf Grad Celsius, komme eine Zusatzheizung zum Einsatz. Diese verbraucht den Angaben zufolge maximal vier Liter Diesel pro Betriebsstunde. Schadstoffe würden selbstverständlich″ gefiltert. In sensiblen Bereichen etwa der Innenstadt soll die Zusatzheizung aus bleiben. Die Steuerung erfolge auf Basis von Standortdaten Geofencing wird dieses Prinzip genannt. Die Zusatzheizung werde ebenfalls nicht benötigt, wenn der Bus Strom tankt.

Sobald durch größere oder effektivere Batterien größere Reichweiten realisiert werden können, wollen wir auf den Einsatz der Zusatzheizung verzichten″, erklären die Stadtwerke.

Was passiert mit den bislang genutzten Dieselbussen? Für jeden beschafften Elektrobus verlässt ein Dieselbus die Stadtwerke-Busflotte. Dies ist eine Bedingung aus dem Fahrzeug-Förderprogramm des Landes Niedersachsen. Die Dieselbusse, die den 13 neuen E-Bussen weichen müssen, stammen aus dem Jahr 2001 und 2002. Dabei handelt es sich um die letzten Fahrzeuge der Schadstoffklasse Euro II″, teilen die Stadtwerke mit.

Die ausgemusterten Wagen werden verkauft, dürfen aber gemäß den Förderbedingungen nicht mehr in Osnabrück und dem Umland eingesetzt werden.

ÖPNV im Wandel: Mehr zum Thema Busfahren in Osnabrück lesen Sie bei uns im Internet auf noz.de/ verkehr-os

Bildtext:
Unter Strom: Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes, VDL-Chef Marcel Jacobs und Stadtbaurat Frank Otte bei der Präsentation der neuen Elektrobusse im Januar 2018.
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Vorbild Eindhoven

Die Revolution im Osnabrücker Stadtbusverkehr steht kurz bevor. Ende 2018 soll die erste von fünf Hauptachsen vollständig elektrifiziert sein. Weitere fahrgaststarke Linien folgen im Jahresrhythmus. Und wenn die systematische Umstellung von Diesel- auf Elektrobusse so gut läuft wie beispielsweise in Eindhoven, dürften sich die größten Vorteile der Nullemissions-Technologie schon sehr bald auch hier bemerkbar machen.

Seit Dezember 2016 kommt in der niederländischen 225 000-Einwohner-Stadt auf acht Linien ein fast identisches System aus Fahrzeugen und Ladeinfrastruktur zum Einsatz. Anscheinend läuft es so gut wie störungsfrei. Bereits viereinhalb Monate nach dem Start erreichte die teils auf separaten Spuren rollende Flotte aus 43 vollelektrischen Gelenkbussen vom Typ VDL Citea die Eine-Million-Kilometer-Marke. Allein in dieser Zeit sparte sie laut Hersteller 4, 7 Tonnen Stickoxide und 1000 Tonnen Kohlendioxid ein.

In Osnabrück wird der Abschied vom Dieselbus allein dem öffentlichen Nahverkehr jedoch nicht die benötigten Zuwächse bescheren. Unerlässlich bleibt, den Busverkehr mit allen Mitteln zu beschleunigen. Außerdem darf die schrittweise Elektrifizierung des Busnetzes nicht dazu führen, dass ein- und auspendelnde Fahrgäste an der Stadtgrenze umsteigen müssen.
Autor:
Sebastian Stricker


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