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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Warum der Fischer im Kelch angelt…
 
Als „bezet″ und Fritz Wolf gemeinsame Sache machten
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf die Osnabrücker Stadtspitze ins Bild und private Bildwünsche umsetzte
 
R. Ansgar Schulz-Mittenzwei bringt Band mit Kurzgeschichten seines Vaters Bernhard Schulz heraus
Artikel:
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Originaltext:
Mancher Osnabrücker bat Fritz Wolf um eine Karikatur. Sei es, um diese oft nicht ohne Stolz in den eigenen vier Wänden zu präsentieren sei es, um das Werk mit dem Konterfei eines Verwandten oder Freundes zu verschenken. Doch auch der Meister selbst überraschte gute Freunde und Bekannte immer wieder gern mit einer Kostprobe seiner Kunst.

Osnabrück Petri Heil!″, möchte der Betrachter ob der exzellenten Fangquote des Anglers auf dem Klapphocker ausrufen: Immerhin haben gleich Drei auf einen Schlag″ am Haken des Herrn in Knickerbocker, Trachten-Janker und Hut angebissen. Allerdings zieht der die Fische keineswegs aus der Hase, sondern aus einem geradezu surreal anmutenden Pokal.

Die Lösung des Wolf′schen Bilderrätsels ist mit entsprechendem Hintergrundwissen denkbar einfach: Die Zeichnung zeigt Oberstadtdirektor Joachim Fischer, der 1960 nach Verwaltungsstationen in Minden, Detmold und Bielefeld an die Spitze der Osnabrücker Verwaltung trat. Fritz Wolfs Bildüberschrift ist ungewöhnlicherweise auf der Schreibmaschine getippt und lautet: Gleiches Ziel und gleiches Streben kann uns Bürgern nur das Beste geben.″

Auf den ersten Blick könnte es sich bei dem goldenen Trinkgefäß um das mittelalterliche Schmuckstück des Ratssilbers handeln: den Kaiserpokal. Allerdings weist neben der Überschrift vor allem das Spruchband an der Angelrute in eine andere Richtung. Der Wunsch für gute Zusammenarbeit″ lässt auf Oberbürgermeister Willi Kelch schließen und offenbart eine geradezu geniale Mischung aus Wortspiel und Bildwitz.

Kelch hatte sein Ehrenamt 1959 angetreten und beendete seine Amtszeit zeitgleich mit Joachim Fischer 1972, wobei sich ihre zwölf gemeinsamen Jahre durch eine ebenso intensive wie ertragreiche Kooperation auszeichneten. Vielleicht verschenkte der OB die Karikatur ja zum Amtsantritt des Neuen″?

Dessen Tochter Barbara Drössler fand die Zeichnung eher nebenbei, als sie 1996 ihr Elternhaus an der Wielandstraße acht Jahre nach dem Tod des Vaters beim Auszug ihrer betagten Mutter auflöste. Das Werk klebte auf einer Schallplatte mit dem Titel Westfalen, wie es singt und klingt″ offenbar eine Anspielung auf die ostwestfälische Vorgeschichte des Hauptverwaltungsbeamten. Die Plattenhülle ist in einer Ecke gelocht, sodass ursprünglich wohl noch ein heute verlorenes Kärtchen mit namentlichem Verweis auf den edlen Spender anhing. Nachdem damals nur ein genauer Blick auf das merkwürdige Cover das Ende der Zeichnung auf dem Piesberg verhinderte, möchte Barbara Drössler diese nun nach Rücksprache mit ihren Brüdern für die Nachwelt sichern und der Fritz-Wolf-Stiftung als Geschenk überlassen.

Im Laufe seiner über 50-jährigen Tätigkeit in Osnabrück erfüllte Fritz Wolf manchen weiteren Bildwunsch als Auftragsarbeit für kleines Geld. So fragte 1997 der Chirurg Bernhard Stallkamp bei ihm an, ob er zum 70. Geburtstag seines Freundes Helmut Schaub die gemeinsamen Bergwanderungen ins Bild setzen könne. Dazu nahm der Zeichner eigens die Wanderausrüstung im Hause Stallkamp an der Von-Kerssenbrock-Allee in Augenschein und zeichnete die durchaus etwas in die Tage gekommenen Steigeisen, Rucksack und Trinkflasche nah am Original.

Dabei gelang ihm eine treffende Erinnerung an eine dreiköpfige Seilschaft, die seit 1968 einschließlich Stallkamps Bruder Norbert die wichtigsten Drei- und Viertausender in den österreichischen und Schweizer Alpen erklomm und dies dokumentiert über ein Vierteljahrhundert durch die Tagebucheinträge des Geburtstagskindes, von Wolf mit roter Pudelmütze gezeichnet. Den von Fritz Wolf liebevoll am linken Bildrand angezeigten Monte Settanta (settanta ist italienisch für siebzig″) erreichten sie indes getrennt, denn Helmut Schaub war der Jüngste des eingeschworenen Bergtrios...

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Bildtext:
Gleiches Ziel und gleiches Streben kann uns Bürgern nur das Beste geben.″

Fritz Wolf

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf anlässlich seines 100. Geburtstags eine Karikaturen-Serie. Die beiden abgebildeten Originale sind noch bis einschließlich dieses Wochenendes in der Sonderausstellung Er war ein Osnabrücker! im Diözesanmuseum zu sehen. Angesichts wiederholter Anfragen wird Kurator Hermann Queckenstedt am Sonntag, 15. Juli, um 15 Uhr eine letzte Führung zu den Wolf′schen Karikaturen mit regionalen Themen anbieten.

Weitere Fritz-Wolf-Ausstellungen sind derzeit im Stadtmuseum Quakenbrück, im Kreishaus sowie im Berliner Carré der Sparkasse am Berliner Platz sowie im Tuchmachermuseum Bramsche zu sehen. Kontakt zur Fritz-Wolf-Gesellschaft unter Tel. 01 76/ 31 11 06 63.

Osnabrück Unverhofft kommt oft. Fritz Wolf, der unvergessene Osnabrücker Karikaturist, erlebt eine weitere Würdigung quasi durch die Hintertür. Viele seiner Zeichnungen finden sich in einem neuen Buch wieder, das ein langjähriger Freund, Bernhard Schulz, zu verantworten hat.

Doch diese Aussage stimmt nur bedingt. Eigentlicher Macher im Hintergrund ist R. Ansgar Schulz-Mittenzwei. Den heute 70-jährigen Sohn von Bernhard Schulz treibt seit Jahren die Idee um, Vater noch einmal in die Öffentlichkeit zu bringen″.

Das neueste Ergebnis ist ein bald 550 Seiten starkes Buch mit 200 sorgfältig ausgesuchten Kurzgeschichten der Jahre 1945 bis 1965. Das war seine Hauptschaffenszeit″, erklärt der gebürtige Osnabrücker Schulz-Mittenzwei. Und das Besondere in 2018, dem Jahr, in dem Fritz Wolf 100 Jahre alt geworden wäre: Viele der Kurzgeschichten von Bernhard Schulz sind mit den brillanten, oft wenig bekannten Schwarz-Weiß-Zeichnungen beziehungsweise - Karikaturen seines Freundes Fritz Wolf illustriert.

Fast 200 Zeichnungen Wolfs sind damit plötzlich verfügbar. Das Ergebnis eröffnet ein besonderes Lesevergnügen, auch wenn der Buchtitel recht sperrig daherkommt: Den Löwenzahn zermalmt nicht die Kesselpauke oder Hinwendung zur Geborgenheit.″ Dieser Satz stammt noch aus der Feder von Bernhard Schulz, der sein letztes Buch 2002 bereits mit einem Vorwort ausgestattet hatte, aber vor der Veröffentlichung starb.

Bernhard Schulz (1913– 2003) und Fritz Wolf (1918– 2001), die beiden ganz dicken Osnabrücker Freunde″, eint ein gemeinsames Schicksal: Ihr Wirken und Schaffen gerät nach dem Tod in Gefahr, schnell vergessen zu werden. Beide Männer legten im Arbeitsalltag ihren Fokus eher auf das Alltägliche, schauten und hörten genau hin, verarbeiteten ihre Eindrücke in Zeichnungen oder auch zu Kurzgeschichten. Im Fall von Fritz Wolf stemmt sich die agile Osnabrücker Fritz-Wolf-Gesellschaft mit vielen Ideen gegen diese Entwicklung. Bei Bernhard Schulz übernimmt diese Rolle sein Sohn, der die Seite bernhardschulz.de im Internet aufgebaut hat und pflegt. Hier finden sich die Nachweise auf 24 erschienene Bücher, vermitteln Rezensionen einen Eindruck von der Strahlkraft eines überregional bekannten Redakteurs und Schriftstellers.

Nach dem Zweiten Weltkrieg landete der in Osnabrück, war hier von 1946 an Feuilletonist und verantwortlicher Redakteur Unterhaltung und Film″ der Neuen Tagespost″, bis diese 1967 mit dem Osnabrücker Tageblatt″ zur Neuen Osnabrücker Zeitung″ fusionierte.

Heute fast unbekannt: Auch Till″, die seit Jahrzehnten beliebte Kunst- und Kultfigur auf der ersten Lokalseite der Neuen Osnabrücker Zeitung″, verdankt seine Entstehung Bernhard Schulz. Und die Zeichnung stammt von Fritz Wolf.

Auszüge aus Rezensionen sprechen für die Klasse des Journalisten Bernhard Schulz, der sich unter dem Autorenkürzel bezet″ einen Namen machte: Die Welt dieses ausgezeichneten Feuilletonisten liegt in Niedersachsen, und wenn man von der Autobahn ins Grüne herunterfährt, dann kann es geschehen, dass einem die Geschichten, die Bernhard Schulz schreibt, entgegenkommen″ („ Berliner Morgenpost″). Das Oberbayerische Volksblatt″ urteilt: Es ist viel leiser, guter Humor auf diesen Seiten, viel unsentimentale Einsicht in das Leben der kleinen Leute, ein dörflicher Böll vielleicht, jedoch versöhnlicher.″

Noch immer schöne Erinnerungen: Der heute in Frankfurt lebende R. Ansgar Schulz-Mittenzwei profitierte durchaus von der engen Osnabrücker Freundschaft seines Vaters zu Fritz Wolf. Denn mal schenkte der bekannte Karikaturist ihm eine Gitarre, mal wurde ihm eine Krawatte gewidmet. Oder er durfte („ in Wollsachen″) auf dem Wolf′schen Motorroller mitfahren. Das vergisst man nicht″, versichert Schulz-Mittenzwei.

Bernhard Schulz: Den Löwenzahn zermalmt nicht die Kesselpauke oder Hinwendung zur Geborgenheit. 200 kurze Geschichten der Jahre 1945–1965. Eine Anthologie in vier Jahreszeiten″, 538 Seiten, 29, 90 Euro (E-Book 24, 90 Euro). Erhältlich im Buchhandel und online auf der Seite bernhardschulz.de/ shop.

Bildtexte:
Sohn von bezet″: der 70-jährige R. Ansgar Schulz-Mittenzwei.
Den 1952 erschienenen Artikel Mein Hauswirt ist gegen Pferde″ von bezet″ illustrierte diese Karikatur. Sie ist insofern etwas Besonderes, als sie neben dem die Neue Tagespost″ lesenden Hauswirt″ den Autor Bernhard Schulz (rechts) und seinen Freund Fritz Wolf (2. von rechts) zeigt. In der Karikatur nehmen sich die beiden Freunde also selbst ein wenig auf die Schippe.
Fotos:
Berthold Hamelmann, Neue Tagespost″/ Karikatur: Fritz Wolf
Autor:
Hermann Queckenstedt, Berthold Hamelmann


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