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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Überschrift:
Pendler fahren mehr Auto, Stadt hält dagegen
Zwischenüberschrift:
Tücken der Statistik: Drücken die Zahlen des Landesamts aus dem Mikrozensus auch den Trend in Osnabrück aus?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Immer mehr Berufstätige fahren mit dem Auto zur Arbeit, sagt das Niedersächsische Landesamt für Statistik (LSN). Gilt das auch für Osnabrück? Die Stadt und die Stadtwerke versuchen seit Jahren, Autofahrer zum Umsteigen auf Bus oder Fahrrad zu motivieren. Mit welchem Erfolg? Das gibt die Statistik nicht her.

Osnabrück Die Statistiker aus Hannover stützen sich auf den Mikrozensus. Mit einer Stichprobe werden dabei Daten erhoben und auf ganz Niedersachsen hochgerechnet. Die aktuellen Daten (veröffentlicht im Statistischen Monatsheft Nr. 6) stammen von 2016, und beim Vergleich mit den früheren Erhebungen fällt der Trend zum Auto auf. 2008 nutzten demnach 65 Prozent der Berufstätigen den Pkw, 2016 sogar 70 Prozent. Mitfahrer sind dabei eingerechnet. Und während die Pkw-Fraktion zulegt, schrumpft die der Radler im selben Zeitraum von 14, 3 auf 13, 6, die der Bus- und Bahnnutzer von 9, 1 auf 8, 7 Prozent.

Diese Zahlen passen nicht ins Bild, das Stadtbaurat Frank Otte von der Entwicklung in Osnabrück hat. Er ist mit dem Anspruch angetreten, den Umweltverbund (also Bus, Rad, Fußgänger) zu stärken, und er ist überzeugt, dass sich die Gewichte in diesem Sinne bereits verschoben haben. Was die Statistiker für das Flächenland Niedersachsen ermittelt haben, müsse nicht zwangsläufig die Realität in der Friedensstadt abbilden, meint Otte.

Keine eigenen Zahlen

Mit konkreten Zahlen kann er der Analyse des Landesamts allerdings nicht entgegentreten. Es gibt zwar Erhebungen, doch die beziehen sich nicht ausschließlich auf die Fahrt zur Arbeit, sondern auf die zurückgelegten Wege insgesamt. Mit dem Projekt Mobilität in Städten SrV 2018″ (System repräsentativer Verkehrsbefragungen) untersucht die Technische Universität Dresden das Mobilitätsverhalten der Menschen in mehr als 120 deutschen Städten und Gemeinden, dazu gehört auch der Großraum Osnabrück. Die Ergebnisse werden allerdings erst im kommenden Jahr veröffentlicht.

Bei der letzten Analyse aus dem Jahr 2013 kam heraus, dass 60 Prozent der Wege zur Arbeit mit dem motorisierten Individualverkehr zurückgelegt wurden. Dazu gehören auch Mopeds oder Motorräder, die von den Statistikern aus Hannover an anderer Stelle einsortiert wurden. Immerhin bescheinigt die SrV-Studie der Stadt, dass 24 Prozent der Berufspendler das Fahrrad benutzten, also deutlich mehr, als das Landesamt ermittelt hat. Beim öffentlichen Nahverkehr kamen die Dresdner Analysten auf sieben Prozent, bei den Fußgängern auf neun Prozent. Diese Zahlen beziehen sich auf die Wohnbevölkerung in Osnabrück.

Meckern über Radfahrer

Stadtbaurat Otte hofft, dass die SrV-Erhebung im kommenden Jahr eine Trendwende erkennen lässt, denn die Stadt hat in den vergangenen Jahren viel Geld in den Bus- und Radverkehr investiert. Gefühlt″, sagt er, seien immer mehr Radler auf den Straßen von Osnabrück unterwegs. Das lasse sich auch daran ablesen, dass die Meckerei über Radfahrer″ ebenfalls stark zunehme.

Die von Otte so skeptisch bewertete Untersuchung des Landesamts für Statistik offenbart aber auch, dass es markante Unterschiede zwischen Stadt und Land gibt. In Städten zwischen 100 000 und 200 000 Einwohnern zu ihnen gehört auch Osnabrück nehmen laut Analyse nicht etwa 70, sondern nur″ 56 Prozent der Berufstätigen das Auto für den Weg zur Arbeit. Entsprechend höher fällt der Anteil der Radler (21, 9 Prozent) und der Öffis (13, 4 Prozent) aus.

Diese Zahlen passen schon eher ins Bild der Osnabrücker Nahverkehrsstrategen. Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer bezeichnet es als schwierig zu beurteilen, ob und inwieweit die aufgeführten Zahlen auf Osnabrück übertragbar sind″. Bisher sei noch unklar, wie die Bürger im Vergleich zur SrV-Studie befragt wurden. Wir haben auf jeden Fall Interesse daran, beim Landesamt weitere Informationen zur Methodik anzufragen″, betont Hörmeyer.

Bessere Umland-Linien

Für Harald Schulte von der Planos (Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück) zeigt die Studie des Niedersächsischen Landesamts für Statistik, dass es von großer Bedeutung ist, die ÖPNV-Anbindung der Umlandgemeinden stetig zu verbessern″. Darauf zielten auch die weiterführenden Überlegungen zum Busnetz 2019 ab. Mit der Weiterführung der elektrifizierten Metrobus-Achsen über die Stadtgrenzen hinaus werde angestrebt, die Kunden schnell, emissionsfrei und bequem nach Osnabrück und wieder zurückzubringen″.

Bildtext:
Zu Fuß, mit dem Rad, dem Bus oder Auto: In Osnabrück gibt es bislang keine verlässlichen Zahlen, die erkennen lassen, wie sich das Verhalten der Pendler verändert.
Foto:
Jörn Martens
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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