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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Flaschen leer, Papa?″
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf gescheiterte deutsche WM-Titelverteidiger ins Bild setzte
Artikel:
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Originaltext:
Willkommen daheim! Mit herber Ironie begrüßt der deutsche Michel 1978 die geschlagenen Fußball-WM-Heimkehrer auf dem Flughafen. Der Osnabrücker Karikaturist Fritz Wolf beleuchtete so vor 40 Jahren das traurige Ende der erhofften Titelverteidigung und dies im Blick auf die Mission fünfter Stern″ bei der derzeitigen WM in Russland mit brennender Aktualität.

Osnabrück Reumütig steigt das deutsche Team die Gangway herab, während der Michel mit Daumen und Zeigefinger zwischen den Lippen pfeifend seinen Unmut kundtut. Die Spieler tragen derweil ihre Köpfe in Form von Bällen unter den Armen: Allen voran Bundestrainer Helmut Schön als Mann mit der Mütze″, dessen Amtszeit in diesen Tagen endete. In die deutschen Annalen ging die WM in Argentinien vor allem wegen der als Schmach von Córdoba″ überlieferten 2: 3-Niederlage gegen Österreich ein, die zum frühen Aus des Teams nach der damals noch üblichen sogenannten Zwischenrunde beitrug.

20 Jahre zuvor hatte WM-Gastgeber Schweden die deutschen Titelverteidiger im Halbfinale mit einem 3: 1-Sieg scheitern lassen: Die fünf Fans hinter dem Tresen samt Wirt quittieren ihre unerfüllten Hoffnungen mit traurigen Gesichtern. Über ihre Wangen kullern Tränen, denn Fritz Wolfs 1a-Schwedenpunsch″ ist ihnen nicht bekommen.

1958 lauschte die Fußballgemeinde noch gemeinsam den Radioübertragungen in ihren Lieblingskneipen, die bisweilen sogar schon Fernsehbilder anboten. Der Trend ging langsam vom Public Hearing″ zum Public Viewing″ auch wenn die kollektive Kneipen-Kick-Kultur damals anders hieß.

Doch zurück nach Schweden: Wegen eines vermeintlich unfairen ungarischen Schiedsrichters und des publizistischen Gegenwindes schwedischer Medien sprach die deutsche Öffentlichkeit später von der Schlacht von Göteborg″.

Als 1998 die Weltmeisterschaft in Frankreich angepfiffen wurde, lebte die Fußballnation ihre WM-Euphorie längst beim Flaschenbier im heimischen Wohnzimmer aus. Bis zum Viertelfinale gegen Kroatien hatte der Herr Papa, inzwischen umgeben von leeren Bierflaschen, reichlich Gelegenheit, im Fernsehsessel dem kühlen Blonden″ zuzusprechen. Allerdings beendete die 0: 2-Niederlage nicht nur die Titelhoffnungen der deutschen Europameister von 1996, sondern im September auch die Tätigkeit Berti Vogts′ als Bundestrainer.

In der Stunde des Misserfolges bringt der Karikaturist bürgerliche Befindlichkeiten gekonnt auf den Punkt: Flaschen leer, Papa?″, fragt die dienstbeflissene Tochter, während nicht nur Vaters schwarz-rot-goldenes Fähnchen schlaff neben der Sessellehne baumelt. Zum Bildwitz gesellt sich Wolf′scher Wortwitz, denn das Mädchen variiert eine erst einige Wochen alte Schimpf-Tirade des italienischen Bayern-München-Trainers Giovanni Trapattoni aus der abgelaufenen Bundesliga-Saison. Notiz am Rande: In der späteren Krisenzeit unter Vogts-Nachfolger Erich Ribbeck schlug Fritz Wolf den italienischen Sprachakrobaten im Jahr 2000 sogar als neuen Bundestrainer vor das Lehrbuch Deutsch für Anfänger″ inbegriffen.

Im Gegensatz zu Helmut Schön und Berti Vogts wird Jogi Löw die russischen Grotten-Kicks seiner Jungs im Amt überstehen und das, obwohl der 79-jährige Ex-Übungsleiter Italiens und Irlands, Giovanni Trapattoni, als derzeitiger ehrenamtlicher Chefcoach der päpstlich-vatikanischen Auswahl auf dem Trainermarkt vielleicht noch zu haben wäre…

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Bildtexte:
Willkommen daheim!
„… die Übertragung aus Göteborg ist beendet!

Fritz Wolf

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf anlässlich seines 100. Geburtstags eine Karikaturen-Serie. Fritz Wolfs Fußballkarikaturen als gezeichnete Geschichte internationaler Turniere und deutscher Ligen sind unter dem Titel Fair Play, Please! als Buch zum Preis von 10 Euro im Kreishaus und im Forum am Dom erhältlich. Eine Auswahl seiner Zeichnungen zu WM-Endrunden ist derzeit im Kreishaus am Schölerberg zu sehen.

Die Sparkasse Osnabrück präsentiert derzeit zudem im Berliner Caree am Berliner Platz in ihren Schaufenstern Zeichnungen mit dem Schwerpunkt VfL. Das Diözesanmuseum am Dom zeigt in der Sonderausstellung Er war ein Osnabrücker! Wolf′sche Karikaturen zu regionalen Themen.

Infos zu Fritz Wolf erteilt der Medienwissenschaftler Sebastian Scholtysek, Telefon 01 76/ 31 11 06 63 oder per E-Mail an post@ Fritz-Wolf.de.
Autor:
Hermann Queckenstedt


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