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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Eltern kritisieren Schulpolitik scharf
Zwischenüberschrift:
Beispiel Stüveschule: Wie Vorgaben der Regierung Probleme schaffen
Artikel:
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Originaltext:
Sprachförderung im Kindergarten gestrichen, kein pädagogischer Mitarbeiter in Sicht, Vertretungsunterricht im Krankheitsfall zulasten des Förderunterrichts die in Hannover beschlossenen Einschnitte treffen die Stüveschule im Schinkel hart.

Osnabrück Ich würde meine Kinder an keine andere Schule geben wollen″, sagt Uschi Kramer und macht damit deutlich, dass es ihr und ihren Mitstreitern nicht um die Situation an der Stüveschule allein geht. Es ist das System, das den Eltern das Herz schwer macht. Jetzt sind sie angetreten, um sich für den Erhalt der Schulqualität einzusetzen. Kramer und ihre Miteltern Carolin Kluge, Andreas Faatz und Biljana Dabic engagieren sich für ihre Schule. Sie sind Mitglieder im Schulelternrat oder im Schulvorstand. Jetzt sitzen sie in einem Besprechungsraum in der Schule und fragen sich, wie es weitergehen soll. Sie kreiden der Landespolitik basisferne Entscheidungen ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Förderbedarf an.

Schönfärberei?

Warum, so fragen sie sich, wurde die Sprachförderung in den Kindergärten gestrichen? In unserem Stadtteil brauchen 60 Prozent der Kinder vor der Einschulung eine Sprachförderung″, sagt Dabic. In den vergangenen Jahren standen für diesen Unterricht Grundschullehrer zur Verfügung, die von den Schulen in die Kindergärten entsandt wurden. Diese Förderung wurde eingestellt, ohne dass es ein Nachfolgemodell gibt″, sagt Dabic. Das werde absehbar im Schuljahr 2019/ 20 gravierende Konsequenzen″ haben, wenn die ersten Kinder ohne Sprachförderung eingeschult werden. Faatz vermutet: Die Bedarfe werden nach unten gerechnet oder ganz außer Acht gelassen, um statistisch eine 100-prozentige Unterrichtsversorgung vorzeigen zu können.″

In diese Rubrik der Schönrechnerei dürfte dann wohl auch die Kürzung der Förderlehrerstunden für die Grundversorgung fallen, die ohnehin schon wegen des Förderlehrermangels zu einem Drittel von Grundschullehrern geleistet werden muss. Der Stüveschule wurden die zusätzlichen Stunden, die sie wegen des erhöhten Anteils an Förderkindern bekommen hatte, zum kommenden Schuljahr gestrichen. Waren es im letzten Schuljahr noch drei Stunden pro Klasse, sind es nach den Sommerferien nur noch zwei Stunden.

In den Jahren davor waren es sogar noch mehr, weil die Osnabrücker Grundschulleiter den Bedarf untereinander vermittelt hatten. Mit anderen Worten: Schulen, die weniger Bedarf hatten, gaben ihre Stunden an Schulen mit höherem Bedarf ab. Ein funktionierendes System der bedarfsgerechten Stundenverteilung, das von Hannover als unzulässig eingestuft wurde. Jetzt müssen die Förderlehrer an der ihnen zugewiesen Schule antreten. Unabhängig davon, ob sie tatsächlich gebraucht werden oder nicht.″ Carolin Kluge kann über diese Entscheidung fernab der Realität nur den Kopf schütteln.

Und die Liste der schmerzhaften Einschnitte in ein in den vergangenen Jahren mühevoll mit engagierten Lehrern aufgebautes erfolgreiches pädagogisches Konzept geht noch weiter, wie die Eltern beklagen.

Durfte die Stüveschule in den vergangenen Jahren aufgrund ihres schwierigen Einzugsgebietes noch kleine Klassen bilden, ist auch dies jetzt nur noch unter Hinnahme von Verlusten bei der Förderung möglich, weil sie die Mehr-Unterrichtsstunden für die kleineren Klassen aus ihrem Förderstundenkontingent abdecken müsste. Dem steht aber der Rechtsanspruch der Sprachförderkinder auf Unterstützung entgegen. Das wäre aber ohnehin kontraproduktiv, weil wir ja so auch das Förderkonzept kippen würden″, sagt Kramer.

Absurd wird es für die Eltern beim Thema pädagogische Mitarbeiter für die Inklusion. Diese Stelle im Umfang von 26 Wochenstunden konnte nicht besetzt werden, weil sie zunächst bis zu den Sommerferien befristet war ein nicht gerade verlockendes Angebot für qualifizierte Kräfte. An der Stüveschule sei diese Stelle jetzt ersatzlos gestrichen, während sie an anderen Schulen, die einen Mitarbeiter finden konnten, mittlerweile sogar entfristet seien.

Schmerzhafte Einschnitte

Und noch einen dicken Brocken hat das Kultusministerium den Grundschulen in die Suppe gespuckt: In Zukunft würden Vertretungslehrkräfte nur noch zur Sicherung des Pflichtunterrichts entsandt. Das bedeutet nach Einschätzung der Eltern aber nichts anderes, als dass zunächst einmal der Förderunterricht gekürzt werden muss, bevor es Ersatz für einen langfristig erkrankten Kollegen von der Landesschulbehörde gibt. Die Stüve-Eltern rechnen vor, dass an ihrer Schule fünf Lehrkräfte erkranken müssen, bevor die Ersatzbank ins Spiel kommt.

Dabic und ihre Mitstreiter sorgen sich, dass die wunderbare und wertvolle″ Arbeit, die an ihrer Schule von allen Lehrern und Mitarbeitern geleistet werde, den Bach runtergeht. Gleichzeitig sind sie sich bewusst, dass es nicht nur die Stüveschule ist, die unter den Bedingungen leidet. Aber: Einer muss doch anfangen und auf das Dilemma aufmerksam machen.″

Bilstext:
Für die Stüveschule wird es durch die Vorgaben aus Hannover immer schwerer, die Aufgaben zu meistern.
Foto:
Osterfeld

Kommentar
Grundschuleltern hilflos, ratlos alleingelassen

Ein dickes Lob an die Eltern der Stüveschule: Sie gehen an die Öffentlichkeit und prangern an, was eigentlich landesweit zu einem Aufschrei aller Eltern führen müsste: eine Bildungspolitik, die Schüler, Eltern und Lehrer weitestgehend mit ihren Sorgen alleinlässt.

In ihrer Schule werde eine hervorragende pädagogische Arbeit geleistet, stellen die Eltern den Lehrern zu den Ferien ein Zeugnis mit der Bestnote 1 aus. Gleichzeitig müssen sie sehen, dass ebendiese Arbeit durch die Maßnahmen der Landesregierung kaputt gemacht wird.

Warum wurden zum Beispiel Stellen für pädagogische Mitarbeiter zunächst befristet ausgeschrieben? Weil sich in einem Jahr urplötzlich die Verhältnisse geändert haben und kein Bedarf mehr besteht? Wie naiv ist das denn? Die Stüveschule geht jetzt leer aus.

Die Eltern gehen der Landesregierung nicht auf den Leim. Sie wissen genau, dass eine 100-prozentige Unterrichtsversorgung reine Augenwischerei auf Basis einer geschönten Statistik ist. Es werden lediglich Löcher mit Löchern gestopft. Komplett am Bedarf vorbei.

Es ist ein Jammer, wenn aus dem fernen Hannover heraus funktionierende Systeme wie die Verteilung von Förderstunden nach Bedarf vor Ort per Federstrich unter Berufung auf die Erlasslage gestrichen werden. Das ist realitätsfern.

Grundschullehrer müssen ein Drittel des Förderunterrichts leisten? Finanziell macht das Sinn, weil Grundschullehrer nach A 12, ihre Kollegen aber nach A 13 entlohnt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Dass eine vernünftige Inklusion aber nur mit entsprechend geschultem Personal funktioniert, wird dabei völlig ausgeblendet.

Die Frustliste ließe sich unendlich fortsetzen. Die Eltern der Stüveschule haben den Kampf aufgenommen. Bleibt zu hoffen, dass sie viel Unterstützung bekommen. Zum Beispiel vom Stadtelternrat, der sich an die Spitze der Bewegung setzen sollte. Von gleichen Bildungschancen für alle sind wir im Moment weiter entfernt als je zuvor mit ganz wenig Aussicht auf Besserung.
Autor:
Dietmar Kröger


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