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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Dies ist nur ein Durchgangslager!″
Zwischenüberschrift:
Fritz Wolfs Karikaturen zu Flucht, Asyl und Migration sind brennend aktuell
Artikel:
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Originaltext:
Flucht, Asyl und Migration sind Reizthemen der nationalen und internationalen Politik. Während Menschen Verfolgung und Krieg entrinnen wollen oder einfach eine bessere Zukunft suchen, diskutieren Politiker über Zuständigkeiten und Abschreckung. Die Karikaturen Fritz Wolfs zum Thema zeigen: In den vergangenen Jahrzehnten hat sich wenig verändert.

Osnabrück Mit Rucksack, Handkoffer und Beutel steht der Flüchtling hilflos vor der nahezu unüberwindlichen Backsteinmauer, die sich zum Namen Europa″ formt. Der Stacheldraht über den Buchstaben signalisiert: Du bist hier nicht erwünscht! Die neue Mauer?″, fragte der Osnabrücker Karikaturist 1991 angesichts innereuropäischer Flüchtlingsbewegungen, die der Zerfall des Ostblocks und vor allem des Vielvölkerstaates Jugoslawien mit sich brachte.

Auch damals waren es die Europäische Gemeinschaft und ihre Mitgliedstaaten, die sich teils planlos und zerstritten gegen Asylsuchende vom Balkan und andernorts abzuschotten versuchten. In solchem Zusammenhang griff Fritz Wolf 1999 Bürokratisches Verhalten des UNHCR in Mazedonien″ auf: Seine Zeichnung zeigt eine Trasse aus Zelten, durch die ein Mitarbeiter des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen ganze Familien schleust: Weiter, weiter, dies ist nur ein Durchgangslager!″, treibt er den Tross an.

Die fehlende Perspektive für Flüchtlinge und Asylsuchende hatte der Zeichner bereits 1980 und 1992 in den Blick genommen: Das Blatt Der Asylantenstrom soll besser gelenkt′ werden! zeigt einen Beamten, der zwischen zwei Gangways auf dem Rollfeld des Flughafens steht und die Hilfesuchenden direkt in die nächste Maschine und damit außer Landes lotst.

Zwölf Jahre später stellte Wolf einen Flüchtling mit spärlichem Gepäck einer Phalanx von acht Bürokraten des EG-Amtes für Flüchtlingsfragen″ gegenüber, die ihm in Richtermanier erhöht gegenübersitzen und jeweils mit der linken Hand auf die Zuständigkeit ihres Tischnachbarn verweisen. Ihr Motto: Bosnien bearbeitet der Kollege nebenan!

Auch eine besondere bayerische Sicht des Themas ist nicht ganz neu: 2000 ließ Fritz Wolf Bayerns Landesvater Edmund Stoiber im Trachtenanzug als Oberlehrer vor eine Klasse mit erwachsenen Migranten aus aller Herren Länder treten. Wir schreiben deutsch″ ist auf einer Schulkarte zu lesen, während der Ministerpräsident die landestypische Einbürgerungserleichterung″ erläutert und mit einem deutschen Ausweis lockt: Wer auch noch jodelt, kriegt seinen Pass sofort!

Eine der bittersten Karikaturen zum Thema entstand 1981 und zeigt, wie Vorurteile im Kopf und ein Ranking der Herkunftsregionen einer gelungenen Integration Grenzen setzen können: Ein Mann mit Anzug, Fliege und Hut führt zwei weitere Herren durch eine Unterkunft mit einem dreistöckigen Etagenbett und einer Emailleschale als Waschbecken. Die Bettwäsche ist zerschlissen und geflickt, vor dem Bett steht eine Mausefalle auf groben Holzdielen, und von der Decke baumelt eine Glühbirne als Lichtquelle. Sein Kommentar spricht Bände: Hier integrieren wir entweder 3 Italiener, 6 Spanier oder 12 Türken!

Bei allem Bildwitz dieser gezeichneten Kommentare bleibt dem Betrachter das Lächeln im Halse stecken. Dabei stellt sich die Frage: Was lernt die Menschheit eigentlich dazu? Mauern im Kopf oder solche aus Stein haben wieder Konjunktur: an der US-Grenze nach Mexiko, in Palästina und an vielen anderen Orten.

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Bildtext:
Die neue Mauer? (Karikatur von 1991).

100 Jahre Fritz Wolf

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf anlässlich seines 100. Geburtstags eine Karikaturen-Serie. Auch in Ausstellungen wird das Werk Wolfs derzeit beleuchtet: Im Diözesanmuseum, im Stadtmuseum Quakenbrück, im Kunstverein Melle, im Kreishaus am Schölerberg, im Berliner Carré der Sparkasse am Berliner Platz sowie im Museum Industriekultur.
Autor:
Hermann Queckenstedt


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