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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Neumarkt ohne Busse ist machbar
 
Neumarkt ohne Busse: Machbar, aber . . .
Zwischenüberschrift:
Nahverkehrsexperte Mathias Schmechtig erwartet zum Teil massive Nachfrageverluste
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Autofrei soll der Neumarkt der Zukunft sein, und es gibt nicht wenige Osnabrücker, die einen busfreien Neumarkt fordern. Die Stadt hat den Kasseler Nahverkehrsplaner Mathias Schmechtig beauftragt, mit einer Machbarkeitsstudie auszuloten, welche Auswirkungen sich daraus ergeben würden. Im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt legte der Experte dar, welche Vor- und Nachteile etwa eine Ringlinie über den Wall, ein Umsteigeknoten Hauptbahnhof oder eine Busachse durch die Kommenderiestraße haben würden. Bei den meisten Denkspielen überwogen allerdings die Nachteile, etwa massive Fahrgastrückgänge oder erhöhte Betriebskosten. Schmechtig soll nun bis zum Herbst drei Planungsvarianten genauer unter die Lupe nehmen und dem Ausschuss vorstellen.

Ein Neumarkt ohne Busse geht das? Sicherlich, sagt der Gutachter Mathias Schmechtig, aber das würde dem Nahverkehr voraussichtlich Kunden entziehen. Welche konkreten Auswirkungen zu erwarten sind, soll der Experte jetzt anhand von drei Planungsvarianten genauer untersuchen.

Osnabrück Nicht nur autofrei, sondern auch busfrei wünschen sich viele Osnabrücker den Neumarkt. Die Stadt hat den Kasseler Verkehrsplaner Mathias Schmechtig mit einer Machbarkeitsstudie zur Neuordnung des öffentlichen Nahverkehrs in der Innenstadt beauftragt. In seinem Vortrag vor dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt wurde deutlich, dass der Neumarkt im derzeitigen Bussystem eine herausragende Bedeutung hat. 48 000 Menschen steigen an diesem zentralen Platz jeden Tag ein oder aus, alle anderen Haltestellen in Osnabrück sind von dieser Größenordnung weit entfernt.

Innenstadt zählt doppelt

Mehr als die Hälfte dieser Busnutzer haben ein Ziel in der Nähe des Neumarkts, jeweils knapp jeder vierte steigt um oder fährt durch. Einsteiger, die am Neumarkt befragt wurden, welches Verkehrsmittel sie nutzen würden, wenn der Bus ausfiele, nannten vor allem das Auto als Alternative (27 Prozent). Fast jeder fünfte (18 Prozent) gab an, ohne Bus hätte er den Weg gar nicht unternehmen können.

Schmechtig bezeichnet es als goldene Regel″, dass der Anteil des öffentlichen Nahverkehrs in der Innenstadt doppelt so hoch ist wie im übrigen Stadtgebiet. Im Umkehrschluss heißt das für ihn, dass dem Innenstadtverkehr eine Schlüsselrolle zufällt, wenn mehr Menschen dazu gebracht werden sollen, Bus statt Auto zu fahren.

Bei der Betrachtung des Liniennetzes fällt dem Gutachter auf, dass es sich durch eine sehr hohe Transparenz″ auszeichne. Obwohl das Bussystem mit dem Neumarkt und dem Hauptbahnhof zweipolig sei, gebe es nur einen zentralen Verknüpfungspunkt, durch den die Umsteigenotwendigkeit minimiert werde.

Um den Neumarkt vom Busverkehr zu befreien, hat Schmechtig eine Reihe von Gedankenmodellen aufgelistet und deren Wirkung beschrieben. Da gibt es eine Ringbuslinie, da wird die Zone innerhalb des Wallrings teilweise oder ganz für Busse gesperrt, da knicken die Linien vor dem Neumarkt ab, da wird der Hauptbahnhof zum Hauptumsteigepunkt. Einigen dieser Überlegungen attestiert der Verkehrsplaner zwar Vorteile wie die gute Verknüpfung von Stadtbus und Fernverkehr am Bahnhof. Aber die Liste der Nachteile ist fast überall länger. Von spürbaren Umwegen für Fahrten in die Innenstadt ist die Rede, von einem deutlich höheren Betriebsaufwand und massiven Nachfrageverlusten. Nur die Nord-Süd-Erschließungsachse über Busring und Kommenderiestraße kommt gut weg.

Aus diesen Überlegungen destillierte Schmechtig drei Planungsalternativen, auf deren Grundlage nun weitergearbeitet werden soll:

A Nord-Süd-Stammachse: Hier wird die Nord-Süd-Achse vom Nikolaizentrum bis zur Kommenderiestraße verlängert. Um den Neumarkt zu verschonen, fahren die Busse über die Süsterstraße und die Johannisfreiheit, also am Marienhospital vorbei, zum Hauptbahnhof. Zentrale Haltestellen wären dann am Ledenhof und an der Johanniskirche.

B Achsenkreuz: Bei dieser Variante fahren die Busse in Ost-West-Richtung weiterhin über den Neumarkt, die Nord-Süd-Linien nehmen statt der Johannisstraße die Kommenderiestraße und die Süsterstraße.

C Ausgedünnte Stammachse über Neumarkt: Weniger frequentierte Linien wie die 31, 51 oder 21 werden hier über den Wallring geleitet, über den Neumarkt fahren noch die 11/ 12/ 13 und 91/ 92, durch die Johannisstraße die 71 und 72. Es werden ausschließlich Straßen verwendet, auf denen heute schon Busse fahren.

In der Diskussion sprach sich Stadtbaurat Frank Otte für die Beibehaltung des Neumarkts als zentralen Busknotens aus und warnte vor einem Fahrgastschwund: Wir können uns eine Reduzierung um zehn oder 20 Prozent nicht leisten.″ Die Umstellung auf elektrische Busse werde den Neumarkt von Schadstoffen und Lärm befreien. Ähnlich äußerte sich SPD-Ratsherr Heiko Panzer: Für ihn bestätige die Untersuchung vor allem, dass der Neumarkt als zentraler Umsteigepunkt doch gar nicht so verkehrt″ sei.

Dagegen wandte sich der FDP-Politiker Oliver Hasskamp: Der Neumarkt werde attraktiver, wenn er nicht mehr von den Bussen befahren werde. Es sei an der Zeit, mutiger ranzugehen″ an dieses Thema. Die Diskussion soll am 18. Oktober fortgesetzt werden. Bis dahin will Gutachter Schmechtig die alternativen Buslinien innerhalb des Wallrings detailliert auf ihre Wirksamkeit überprüfen.

Bildtext:
Nicht nur autofrei, sondern auch busfrei wünschen sich viele Osnabrücker den Neumarkt. Der Kasseler Nahverkehrsexperte Mathias Schmechtig hat jetzt seine ersten Überlegungen vorgestellt.
Foto:
David Ebener

Kommentar
Ohne Tabu

Sie stinken, sie lärmen, sie haben kein gutes Image: Die Dieselbusse sind die Arbeitspferde des öffentlichen Nahverkehrs, aber ihre Nebenwirkungen machen sie bei vielen Bürgern und Politikern so unbeliebt, dass sie nun vom Neumarkt verbannt werden sollen. Es ist gut, dass sich der Rat dazu durchgerungen hat, die Sache vorbehaltlos prüfen zu lassen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass ein busfreier Neumarkt vielleicht ein schöner Platz, aber zugleich ein Nahverkehrskiller sein wird. Eine Erkenntnis, die nicht gerade ermutigt, mit dieser Machbarkeitsstudie weiterzumachen.

Lange haben sich die Stadtwerke gesträubt, am Neumarkt-Tabu zu rütteln. Denkverbote sind aber generell schädlich. Es ist das Verdienst des neuen Vorstandsvorsitzenden Christoph Hüls, dass es jetzt eine offene Diskussion gibt.

Wenn Klimaschutz und nachhaltige Mobilität mehr sind als ein Lippenbekenntnis, bleibt dem Rat allerdings nur eine Option. Denn es ist nicht hinzunehmen, dass Fahrgäste dem ÖPNV Ade sagen, weil im Stadtzentrum eine No-go-Area für Busse entsteht. Die Machbarkeitsstudie sollte dennoch ermutigen, weiter zu denken. Zum Beispiel, ob eine Stadtbahn nicht doch das bessere Verkehrsmittel für ein zukunftsträchtiges Osnabrück ist.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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