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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Urlaubsvergnügen des Jahres?
Zwischenüberschrift:
Wie Fußball-Ignorant Fritz Wolf die Zeitungsleser auf die WM einstimmte
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
In Zeiten von Fußball-WM-Endrunden kommt niemand an ihm vorbei: Der Ball regiert die Welt. Für den selbst ernannten Fußball-Ignoranten Fritz Wolf boten die Weltturniere seit 1954 reichlich Gelegenheit, den Trubel um das runde Leder kritisch in den Blick zu nehmen.

Osnabrück Nur drei Fernsehprogramme und von Mitternacht bis 16 Uhr lediglich ein Testbild die Fernsehkultur der 1970er-Jahre unterschied sich nachhaltig vom heutigen überbordenden Angebot. Vor diesem Hintergrund entstand Fritz Wolfs Karikatur Endlich das vierte Programm″: Voller Vorfreude auf eine geballte Ladung sportlicher Bildschirmunterhaltung stimmt sich der deutsche Michel im Sommer 1978 auf die Weltmeisterschaft in Argentinien ein, indem er eine volle Bierkiste zum Fernsehsessel schleppt.

1994 küsst der Michel sodann hoffnungsvoll die Füße jener Spieler, die den Weltpokal 1990 aus Rom nach Deutschland entführt hatten: Der Wunsch Jungs, ich rechne fest mit Euch! erwies sich indes als trügerisch, denn die Mission Titelverteidigung″ misslang bekanntlich: Den Weltpokal gewannen zum vierten Mal die Brasilianer.

Dass das grassierende Fußballfieber schnell zum Ausnahmezustand werden kann, setzte der Zeichner wiederholt ins Bild. So inszenierte er sich selbst 1970 schlecht gelaunt inmitten einer Party, deren 13 weitere Gäste statt eines Kopfes einen Fußball auf den Schultern tragen. Selbst der Globus auf dem Sideboard ist zum Ball mutiert. Fritz Wolf ist: Der Ignorant″.

Zwölf Jahre später erklärte Fritz Wolf die Fußball-WM in Spanien zum Urlaubsvergnügen des Jahres″: Eine große Anzahl von Touristen hat sich am Strand versammelt, um die Sonne über dem Meer als Ball aufgehen zu sehen. Angesichts der Bettenburgen im Hintergrund könnte sich dieses Schauspiel am Teutonengrill Mallorca″ abspielen.

Zum selben Turnier ersann der Zeichner angesichts mehrerer kriegerischer Konflikte eine Szene, in der ein durch die Lüfte fliegender Lederball von Raketen mit der Aufschrift Libanon″, Falkland″, Afghanistan″ und Irak″ abgeschossen zu werden droht. Der deutsche Michel beobachtet die missliche Lage durch das Fernglas und kommentiert Olé, oje!″.

1998 war es der Objektschutz in Frankreich″, der den Osnabrücker Karikaturisten zeichnerisch herausforderte: Schwer bewaffnete französische Infanteristen haben einen Fußball mit durchgeladenen Gewehren umstellt, um ihn gegen Angriffe von außen zu verteidigen.

Besonders makaber ist die Wolf′sche Bildidee zur Europameisterschaft 1996 in England, die das deutsche Team schließlich als Sieger abschloss: Frei nach dem biblischen Tanz ums Goldene Kalb″ umringen kickende Balljongleure eine unberechenbar dreinschauende Kuh. Während das an ihren Schwanz angeheftete Schild BSE″ ihren Rinderwahn erklärt, versuchen sich die Aktiven mit einem Wortspiel zu beruhigen: Wir lassen uns nicht verrückt machen!

Bei aller Faszination des Sports richtete Fritz Wolf seine Aufmerksamkeit vor allem immer wieder auf Missstände, Konflikte und Probleme, die die Freude am Spiel trübten. Ihm wäre sicher auch ein passender zeichnerischer Kommentar zum gegenwärtigen WM-Schauplatz Russland in den Sinn gekommen.

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Bildtexte:
Ballwechsel
Der Ignorant

100 Jahre Fritz Wolf

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf anlässlich seines 100. Geburtstags eine Karikaturen-Serie.

Eine Auswahl seiner Fußballkarikaturen zu den WM-Endrunden seit 1954 ist derzeit im Kreishaus am Schölerberg zu sehen. Die Sparkasse präsentiert zudem im Berliner Carré″ (Berliner Platz) Wolf- Zeichnungen mit dem Schwerpunkt VfL. Wolf′sche Fußballkarikaturen aus fünf Jahrzehnten hat die Fritz-Wolf-Gesellschaft unter dem Titel Fair Play, Please! in einem Buch veröffentlicht, das zum Preis von 10 Euro im Kreishaus, im Forum am Dom sowie an den weiteren Ausstellungsorten erhältlich ist. Das Diözesanmuseum am Dom zeigt noch bis zum 15. Juli in der Sonderausstellung Er war ein Osnabrücker! Wolf′sche Karikaturen zu regionalen Inhalten.
Autor:
Hermann Queckenstedt


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