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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Endlich ging es wieder rund
Zwischenüberschrift:
1956 bekam die Straßenbahn eine repräsentative Vorfahrt vor dem Hauptbahnhof
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vier Jahre vor dem endgültigen Aus für die Osnabrücker Straßenbahn wurde noch einmal eine bauliche Veränderung groß gefeiert. Die Linie 1 als Protokollstrecke″ bekam eine neue Wendeschleife vor dem Hauptbahnhof, die dichter am Eingangsportal vorbeiführte und somit einer Großstadt würdiger erschien.

Osnabrück Der 20. Juli 1956 war der große Tag. Zwei Kinder wurden vorne auf die Kupplung eines mit Fähnchen geschmückten Triebwagens gestellt, der zu der modernsten, 1952 angeschafften Serie gehörte. In Anwesenheit zahlreicher Honoratioren und Vertreter der beteiligten Baufirmen durften sie das weiße Band durchschneiden, das zwischen zwei mit Girlanden geschmückten Pfosten an der Einfahrt zur neuen Wendeschleife gespannt war.

Die Haltestelle Hauptbahnhof″ wurde dann allerdings nicht direkt vor dem Bahnhofsportal eingerichtet, sondern seitlich vor der Expressgutabfertigung, was den Fußweg zum Bahnhof verlängerte. Im späteren Betrieb führte das dazu, dass viele Fahrgäste vom langsam durch die Wendeschleife fahrenden Wagen absprangen, wenn er den Scheitelpunkt der Kurve vor den Eingangstüren erreicht hatte. Die warteten gar nicht ab, bis der Wagen die Kurve durchfahren hatte und an der Haltestelle zum Stehen kam″, berichtet Straßenbahnexperte und Buchautor Alfred Spühr, was ohne Weiteres möglich war, weil sich die Türen nicht gesichert verriegeln ließen.″

Schließlich hatten die Stadtwerke ein Einsehen und verlegten die Haltestelle vor das Portal. Der aufwendig angelegte Bahnsteig″ mit der beleuchteten Haltestellen-Säule vor der Expressgutkasse blieb von da an unbenutzt.

Auslöser für die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes war der Neubau des Bahnpostgebäudes, das am 1. Oktober 1956 eröffnet wurde. Die alte Wendeschleife der Straßenbahn musste aufgehoben werden, weil sie dem neu anzulegenden Busbahnhof im Wege war.

Die Neuordnung der Bussteige für die Bahn-, Post- und privaten Umlandbusse sowie die halbkreisförmige Pflasterung vor den Eingangstüren des Bahnhofs hatte Bestand bis zur letzten großen Umgestaltung 1999/ 2000. Die schöne große Platane im Zentrum des Halbkreises, die vielen Osnabrückern ans Herz gewachsen ist, überdauerte auch diese letzte Umgestaltung, indem sie in das ellipsenförmige Dach des Busbahnhofs integriert wurde.

Das Einvernehmen zwischen Stadt und Eisenbahnverwaltung war nicht immer das beste. Endlos sind die Geschichten, die sich um die Fingerhakeleien rund um die Höherlegung der Bahnkörper zu Beginn des 20. Jahrhunderts ranken. Auch die Straßenbahn litt darunter. Wäre es nach der Stadt gegangen, hätte diese schon gleich bei der ersten Trassierung 1906 eine Wendeschleife vor dem Portal bekommen. Aber die Königlich Preußische Eisenbahndirektion Münster lehnte das Gesuch der Stadt stumpf ab. Ebenso stumpf endete folglich das Gleis in der Möserstraße. Um den Straßenbahnzug in die Gegenrichtung fahren zu lassen, musste der Anhänger immer erst umständlich umgesetzt werden. Für die Reisenden war ärgerlich, dass sie einen Fußmarsch von 150 Metern bis zum Bahnhofsgebäude zurückzulegen hatten. Die Gepäckträger machten ihr Geschäft.

Selbst um die Aufstellung des Fahrleitungs-Endmastes auf dem Bahnhofsplatz wurde heftig korrespondiert. Schließlich genehmigte die Direktion ihn, kassierte dafür aber drei Mark Pacht pro Jahr. Das alles vor dem Hintergrund, dass die Stadt den in ihrem Eigentum stehenden Grund für den Bau des Hauptbahnhofs kostenlos zur Verfügung gestellt und den Bau dann auch noch einmal mit 10 000 Mark bezuschusst hatte. Es dauerte noch bis 1937, bis die Gleisanlage so umgestaltet werden konnte, dass die Haltestelle näher am Bahnhofsportal lag.

Bildtexte:
Die Straßenbahn erhält 1956 eine neue Wendeschleife vor dem Hauptbahnhof. Die Endhaltestelle war rechts vor die Expressgutkasse gelegt worden, was sich nicht als besonders praktisch erweisen sollte. Die Pflasterarbeiten sind noch im Gange, wobei sorgfältig um die große Platane herumgearbeitet wird.
Am 20. Juli 1956 hieß es Bahn frei! für die erste Fahrt eines Straßenbahnwagens auf der neuen Wendeschleife. Rechts im Hintergrund die Möserstraße.
Seit der Umgestaltung 1999/ 2000 hat der Theodor-Heuss-Platz, wie der Bahnhofsvorplatz offiziell heißt, sein Gesicht nochmals total verändert. Die beliebte Platane in der Platzmitte hat überlebt, das Dach des Bussteigs umschließt sie schützend.
Fotos:
Archiv Betina Löckmann/ Kurt Löckmann, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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