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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Jusos fordern Wildtierverbot im Zoo
 
Jusos fordern Wildtierverbot im Zoo
 
„Lippenbekenntnis der Herdbuchgenossenschaft″
Zwischenüberschrift:
Antrag zum SPD-Unterbezirksparteitag / Osnabrücker Zoo liefert Gegenargumente
 
UWG und Piraten kritisieren OHG wegen Wildtierzirkus-Gastspiel
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Osnabrücker Jungsozialisten fordern ein generelles Wildtierverbot im Zoo. Über einen entsprechenden Antrag, der zunächst eine Umsetzung des Verbots im Zoo Osnabrück verlangt, soll der SPD-Unterbezirk heute auf seinem Parteitag abstimmen.

Ein Zoo könne keinem Elefanten, Tiger, Löwen oder Eisbären eine artgerechte Lebensbedingung bieten, begründen die Jusos ihren Vorstoß. Gehege seien zu klein, zu wenig abwechslungsreich und würden bei den Tieren Verhaltensstörungen verursachen. Führende Osnabrücker Sozialdemokraten tun die Forderung der Nachwuchsorganisation als Quatsch″ ab. Auch Zoo Osnabrück und Dachverband VdZ äußern sich auf Nachfrage zu der Kritik.

Wilde Tiere haben im Zoo nichts zu suchen, meinen die Osnabrücker Jusos und fordern beim SPD-Unterbezirksparteitag 2018 am Samstag ein Verbot. Blödsinn″, sagen führende Sozialdemokraten. Zoo Osnabrück und Dachverband VdZ betonen ihren gesetzlichen Auftrag zum Artenschutz.

Osnabrück Mit Antrag Nummer K-09 proben die Jungsozialisten den Aufstand. Ihr Ziel ist ein generelles Wildtierverbot im Zoo″. Vom Stadtrat verlangen sie, dies in Osnabrück umzusetzen. Zur Begründung heißt es: Ein Zoo kann keinem Elefanten, Tiger, Löwen oder Eisbären eine artgerechte Lebensbedingung bieten.″ Die Gehege seien zu klein und würden zu wenig Abwechslung für die Tiere bieten. Dies führe zu Verhaltensstörungen.

Man sollte Wildtiere besser in ihrer natürlichen Umgebung lassen, als sie im Zoo in Gefängnisse einzusperren″, legt Juso-Vorsitzender Timo Spreen im Gespräch mit unserer Redaktion nach. Anstelle von Exoten sollten Zoos nur heimische Tiere″ zeigen. Er sei überzeugt davon, dass es beim SPD-Unterbezirksparteitag am Samstag in der Gesamtschule Schinkel eine intensive und konstruktive Debatte″ über den nicht so populären″ Juso-Antrag geben wird, so der 23-Jährige weiter.

Wenn Spreen nach eigenem Bekunden zuletzt als Kind im Zoo da mal nicht irrt: Als totalen Blödsinn″ und absoluten Quatsch″ kanzeln Osnabrücker SPD-Altvordere wie Frank Henning den Antrag bereits im Vorfeld ab. Da kann man den Zoo ja gleich dichtmachen″, erklärt der Ratsfraktionsvorsitzende und Landtagsabgeordnete auf Nachfrage.

Sachlich reagiert der Zoo Osnabrück auf die Kritik der Jungsozialisten. In den vergangenen 20 Jahren hätten sich Zoos stark verändert, sagt Geschäftsführer Andreas Busemann. Statt Gehegen in Kachel- und Gitteroptik gebe es zunehmend große, naturnahe Anlagen. Zudem würden weniger Tierarten gehalten als früher . Allein der Zoo Osnabrück habe seit 2003 ungefähr 30 Millionen Euro investiert, um die Tiergehege zu vergrößern und zu modernisieren. Weitere Umbauten seien geplant.

Die reine Zurschaustellung von Wildtieren haben Zoos schon lange hinter sich gelassen. Vielmehr haben sie eine wichtige Rolle in den Bereichen Bildung, Forschung sowie Artenschutz und Arterhaltung übernommen″, stellt Busemann fest. Die Tierhaltung am Schölerberg fuße auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Arten, die in freier Natur zusammenleben, würden miteinander vergesellschaftet, außerdem Gehege ständig so verändert, dass sie neue Reize bieten und die Tiere beschäftigen. Bei Zoobesuchern könne eine solche Präsentation, kombiniert mit zoopädagogischen Angeboten, naturkundliches Wissen vertiefen und zu umweltgerechtem Handeln motivieren.

Mit gezielter Nachzucht erfülle der Zoo seinen gesetzlichen Auftrag, gefährdete Arten wie Elefanten, Tiger oder auch Löwen zu erhalten. Die Lebensräume in der Wildbahn werden durch die Menschen zerstört, und vielerorts werden Tiere gejagt, weshalb immer mehr von ihnen vom Aussterben bedroht sind″, erklärt Busemann. Der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ), dem außer Osnabrück 70 weitere Zoos in vier Ländern angehören, leite 124 internationale Zuchtprogramme mit dem Ziel, eigenständige Populationen aufzubauen. 2015 konnten laut Busemann 48 in VdZ-Zoos gehaltene Arten ausgewildert werden.

VdZ-Geschäftsführer Volker Homes unterstreicht auf Nachfrage die wachsende Bedeutung von Zoos. Wer wie die Osnabrücker Jusos ein Wildtierverbot im Zoo fordere, habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt″.

Alles über den Zoo Osnabrück lesen Sie bei uns auf noz.de/ zoo

Bildtext:
Der Sumatra-Tiger ist vom Aussterben bedroht. In freier Natur leben nur noch schätzungsweise 400 Exemplare. Der Zoo Osnabrück hofft, durch Nachzucht einen Beitrag zur Erhaltung dieser Tierart leisten zu können.
Foto:
NOZ-Archiv/ Jörn Martens

Kommentar
Leere Arche

Nach uns die Sintflut! Wer wie die Osnabrücker Jusos Zoos pauschal die Berechtigung abspricht, exotische Tiere zu halten, der hätte wohl auch die Arche Noah leer davonschwimmen lassen.

Natürlich muss man Zoos nicht gut finden. Im Gegenteil: Der Anblick fremder, eingesperrter Tiere, besonders der größten und stolzesten wie Elefant, Löwe, Tiger oder Menschenaffe, macht viele Menschen traurig mögen die Käfige noch so golden sein. Den wilden Tieren aus aller Welt aber deshalb ausnahmslos ein Leben ohne Zäune und Gitter zu gewähren, wäre gedankenlos. Denn diese Freiheit ist trügerisch. Solange der Mensch den Artenschutz in der Wildbahn nicht garantieren kann, solange er die Tiere hemmungslos jagt und ihren Lebensraum vernichtet, so lange bleiben Zoos oft letzte Zuflucht für gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Spezies.

Wahr ist: Vielen wilden Tieren geht es in menschlicher Obhut besser, als wenn sie an ihren angestammten Plätzen auf sich allein gestellt wären. In wissenschaftlich geführten Zoos wie Osnabrück führen die Tiere zwar ein Leben mit Einschränkungen das sie im Übrigen meist gar nicht anders kennen. Aber hier sind sie wenigstens sicher, können außerdem zur Erhaltungszucht eingesetzt werden und uns zu Verantwortung für Mutter Natur mahnen.

Osnabrück Auftritte von Wildtierzirkussen sorgen in Osnabrück weiterhin für Diskussionen: Zwar hob der Stadtrat sein vor rund zwei Jahren beschlossenes Verbot wegen rechtlicher Bedenken auf, dennoch kritisieren UWG und Piraten nun die Osnabrücker Herdbuchgenossenschaft (OHG), auf deren Gelände im Juli der Circus Krone gastiert.

Konkret geht es um die 13 Vorstellungen des Zirkusses zwischen dem 4. und 10. Juli an der Halle Gartlage, deren Eigentümer die OHG ist. In der Jubiläums-Show Evolution″ werden nach Krone-Angaben eine Reihe von Wildtieren zu sehen sein, darunter Raubkatzen und Nashörner. Die Stadtrats-Fraktionsgruppe der UWG und Piraten wirft der OHG vor, wirtschaftliche Interessen dem Tierwohl vorzuziehen.

Wir waren sehr erfreut darüber, dass sich die OHG unserem Ratsbeschluss angeschlossen hatte und diesen konsequent an potenzielle Interessenten weitergeben wollte. Auch wenn es rein rechtlich zulässig ist, sind wir der Meinung, dass solche Gastspiele mit Wildtieren in Osnabrück nichts zu suchen haben″, wird UWG-Mann Wulf-Siegmar Mierke in einer Mitteilung zitiert.

Auf tönernen Füßen

Die Vorgeschichte: Eigentlich hatte der Stadtrat Auftritte wie diesen verhindern wollen, als sich die Mehrheit der Kommunalpolitiker im Jahr 2015 für ein Verbot von Wildtierzirkussen auf städtischen Flächen aussprach.

Doch der Beschluss hielt der Realität nicht lange stand: Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht stellte in einem vergleichbaren Fall aus Hameln fest, dass Beschlüsse wie dieser unzulässig in die Berufsfreiheit der Zirkusunternehmen eingreifen. Allein aus tierschutzrechtlichen Gründen könne ein Gastspiel von Wildtierzirkussen nicht untersagt werden, so die Bewertung der Richter. Vielmehr müsse der Bund für eine entsprechende rechtliche Grundlage sorgen was freilich bislang nicht geschehen ist. Das Wildtierverbot stand schon von vornherein auf tönernen Füßen″, sagt Marius Keite (CDU), Vorsitzender des zuständigen Ausschusses für Feuerwehr und Ordnung, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Auf Initiative von CDU, SPD, Grünen und BOB hob der Stadtrat daher im November vergangenen Jahres das Verbot auf. Wir waren zum Handeln gezwungen, da eine rechtlich sehr problematische Situation bestand″, so Keite. Gleichzeitig sprachen sich die Ratsmitglieder weiterhin gegen die Haltung und das Zurschaustellen von Wildtieren in Zirkussen aus ein Beschluss ohne rechtliche Bindung für Veranstalter und Vermieter wie die OHG. Inhalt des Beschlusses war zudem lediglich ein Appell an die OHG, weiterhin nur Zirkussen ihre Flächen zu überlassen, die keine Wildtiere mitführen.

Vorwürfe aus der Politik

Pikant: Die OHG hatte nach dem ersten Ratsbeschluss durchblicken lassen, sich dem Wildtierverbot auf ihren Flächen anzuschließen. In der Realität ist Krones Gastspiel nicht das erste eines Wildtierzirkusses seit Beginn der Diskussion. Vor diesem Hintergrund wirft Nils Ellmers (Piraten) der OHG nun ein Lippenbekenntnis″ vor.

Kurz nach dem Ratsbeschluss stand ein Gastspiel des Zirkus Probst im Raum. Seinerzeit hieß es vonseiten der OHG, der Auftritt könne aufgrund bereits unterschriebener Verträge nicht abgesagt werden. Wir waren allerdings der festen Überzeugung, es handle sich um das letzte Gastspiel eines Wildtierzirkusses in unserer Stadt. Das Ganze ist unverständlich, gerade weil uns heutzutage Zirkusse wie Roncalli beweisen, dass es auch ohne Wildtiere eine atemberaubende Show geben kann. Traurig, dass das gegebene Wort der OHG nur ein Lippenbekenntnis war″, wird Ellmers in einer Mitteilung zitiert.

Die Vereinbarung mit dem Zirkus Krone sei unabhängig vom Ratsbeschluss schon vor längerer Zeit getroffen worden, sagt OHG-Cheforganisator Ferdinand Hartmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Gleiches gelte für einen geplanten Auftritt des Wildtier-Zirkusses Charles Knie im kommenden Jahr.

Bildtext:
Die Raubtiershow im Circus Krone sorgt immer wieder für Diskussionen. Vor dem Gastspiel des Zirkusses in Osnabrück kritisieren UWG und Piraten die Osnabrücker Herdbuchgenossenschaft. Sie stelle als Eigentümerin der Veranstaltungsfläche an der Halle Gartlage wirtschaftliche Interessen vor das Tierwohl.
Symbolfoto:
dpa/ Tobias Hase
Autor:
Sebastian Stricker, Sebastian Philipp


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