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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Grünzeug für den neuen Stadtteil
Zwischenüberschrift:
Im Mai 1966 ging der Wochenmarkt Lerchenstraße an den Start
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vor 50 Jahren war Osnabrücks größtes Siedlungsprojekt der Nachkriegsgeschichte abgeschlossen: Die Dodesheide bot neuen Wohnraum für 3000 Menschen. Da erschien es angezeigt, ihnen mit einem Stadtteil-Wochenmarkt entgegenzukommen. Am 3. Mai 1966 eröffnete Oberbürgermeister Willi Kelch den ersten Markt an der Lerchenstraße.

Osnabrück Genau genommen liegt der allerdings gar nicht in der Dodesheide, sondern im vorgelagerten Stadtteil Sonnenhügel, wodurch sich der Einzugsbereich um die Einwohnerschaft von Haste und Sonnenhügel vergrößert.

So ganz falsch kann der Standort aber nicht gewählt worden sein. Denn immerhin hat sich der Wochenmarkt an der Lerchenstraße bis heute gehalten, wenn auch mit abnehmenden Umsatzzahlen. Darin unterscheidet er sich aber nicht von den anderen Osnabrücker Wochenmärkten Ebertallee, Ledenhof, Riedenbach und Johanniskirche. Nur das Paradepferd unter den Märkten, der Samstagsmarkt auf der Großen Domsfreiheit, wartet mit einigermaßen stabilen Zahlen auf.

Im Vergleich zu heute fällt auf dem historischen Foto die einfachere Machart der Verkaufsstände auf. Sie geben sich noch keine Mühe, die Kunden optisch anzusprechen. Es sind zumeist simple Tapeziertische″ ohne Verhüllung des Unterbaus. Darüber sind Zeltplanen nach Art von Satteldächern gespannt, typischerweise mit Streifenmuster. Manche Erzeuger verkaufen ihre Ware direkt von der Pritsche ihres Lieferwagens, so wie der Kartoffelbauer, der es sich in der rechten Bildmitte auf der Ladefläche seines Ford oder Goliath bequem gemacht hat. Die heute üblichen Verkaufswagen mit integrierter Kühltheke liegen noch außerhalb der zeitgenössischen Vorstellungsmöglichkeiten.

OB Kelch sprach bei der Eröffnung von einem Marktplatz im Grünen″, womit er wohl darauf anspielte, dass sich ein Jahr zuvor an gleicher Stelle noch eine grüne Wiese befand und erhebliche Erdbewegungen nötig waren, um eine ebene, gepflasterte Fläche auf Straßenniveau herzustellen. Jetzt biete sie Platz für 80 Verkaufsstände. Außerhalb der Marktzeiten könne sie als Parkplatz mit 184 Einstellplätzen genutzt werden. Kelch meinte, dass mit diesem Wochenmarkt ein lang gehegter Wunsch der Hausfrauen aus den Stadtteilen Haste und Dodeshaus in Erfüllung″ gehe. Damals durfte man das sagen, weil es nun einmal zutraf. Heute gäbe es wohl einen Shitstorm″ wegen Rückfalls in alte Rollenmuster.

Historisch betrachtet, waren Märkte eine notwendige Voraussetzung für die Entstehung von Städten. Bürger, Handwerker, Ordensleute, die nicht unmittelbar selbst an der Produktion von Lebensmitteln beteiligt waren, bedurften ihrer, um sich mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen. Arbeitsteiliges Wirtschaften konnte sich nur entwickeln, wenn nicht jeder selber Milchvieh halten und Kartoffeln anbauen musste.

Längst haben es moderne Vertriebswege und endlose Kühlketten möglich gemacht, Frischeprodukte auch in Supermärkten zu beziehen, und das an jedem Tag der Woche bis in die späten Abendstunden einer der Gründe für die abnehmenden Besucherzahlen der Wochenmärkte. Dagegen steht der Wunsch vieler heutiger Verbraucher, regionale Produkte direkt beim Erzeuger ihres Vertrauens zu kaufen. Und schließlich gelingt der entspannte Plausch mit dem Nachbarn auch besser auf dem Wochenmarkt unter freiem Himmel als in der Schlange vor der Supermarktkasse.

Um betriebswirtschaftlichen Druck bei den Beschickern und den öffentlichen Wunsch nach Beibehaltung auch der peripheren Wochenmärkte unter einen Hut zu bringen, hat die Stadt Osnabrück jüngst ihre Marktordnung angepasst. Die Marktbeschicker können ihre Stände jetzt eine Stunde eher abbauen, nämlich um 13 Uhr. So haben sie die Möglichkeit, nachmittags noch einen anderen Markt im Landkreis zu bereisen. Ausgenommen davon ist der Samstagsmarkt auf der Großen Domsfreiheit. Er bleibt den Osnabrückern weiterhin bis 14 Uhr erhalten.

Bildtexte:
Als Marktplatz im Grünen″ bezeichnete Oberbürgermeister Willi Kelch (Bildmitte, mit weißem Einstecktuch) den Wochenmarkt Lerchenstraße bei der Eröffnung im Mai 1966. Ein Jahr zuvor war dort noch eine Wiese. Im Hintergrund ist der Turm der Matthäuskirche zu erkennen.
Grünzeug bietet der Wochenmarkt zwischen Lerchenstraße und Boelckeweg bis heute immer dienstags.
Fotos:
Walter Fricke, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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