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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neues Baugebiet in Hellern?
Zwischenüberschrift:
Stadt setzt Planverfahren in Gang / Anwohner skeptisch
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Im Osnabrücker Stadtteil Hellern soll auf einem Acker ein neues Baugebiet entstehen. Die Kommunalpolitik ist entschlossen, den Planungsprozess in Gang zu setzen. Gegen den Willen mancher Anwohner.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt stimmte jetzt geschlossen zu, die Bauleitplanung in Gang zu setzen. Damit gilt auch die Zustimmung des Rates im Juni als sicher. Der Rat wird dann formal einen Aufstellungsbeschluss fassen, das heißt: Die Stadt zeigt öffentlich an, für die knapp zwei Hektar am Kampweg einen Bebauungsplan aufstellen zu wollen, damit dort eines Tages Wohnungen entstehen können.

Anwohner haben den Fraktionen ihre Bedenken bereits in einem umfangreichen Schreiben darlegt. Die Fläche am Kampweg sei noch vor zehn Jahren als Abgrenzung der Siedlung zur freien Landschaft definiert worden und wegen ihrer Bedeutung für Natur und Landschaft erhaltenswert. Ein Teilbereich liege außerdem im Überschwemmungsgebiet für ein 250-jähriges Hochwasser der Düte. Die Stadt dürfe keine überstürzte Bebauung″ wertvoller Flächen planen, so die Anwohner, von denen acht an der Ausschusssitzung teilnahmen. Sie riefen die Politiker auf, mit ihnen zu sprechen, bevor weitreichende Beschlüsse gefasst werden.

Sprecher aller Fraktionen machten deutlich, dass sie die Bedenken der Anwohner ernst nehmen. Heiko Panzer (SPD) drückte einem Zuhörer im Ratssaal seine Visitenkarte in die Hand. Er bat zugleich um Verständnis, dass die Stadt dringend Platz für Wohnbebauung zur Verfügung stellen müsse. Wenn wir schon von vornherein solche Flächen wie in Hellern ausschließen, können wir unser Ziel, 3000 Wohneinheiten zu schaffen, sofort vergessen. Eine ergebnisoffene Prüfung muss auf jeden Fall möglich sein″, sagte Panzer.

Grünen-Mitglied Volker Bajus begründete den Meinungswechsel in seiner Fraktion. Die Grünen hatten 2007 eine Bebauung am Kampweg abgelehnt. Doch damals war die Situation eine andere″, so Bajus. Die Briten hatten gerade ihren Abzug angekündigt. Die Sorge war damals groß, dass wir die freien Wohnungen und Flächen nicht vollkriegen.″ Bajus sagte, zurzeit seien keine schwerwiegenden ökologischen Nachteile zu erkennen. Aber das zu prüfen sei Sache der Fachleute im Bauleitverfahren.

Wulf-Siegmar Mierke (UWG) machte den Anwohnern ein Kompliment″ für ihren sachlichen und fundierten Beitrag. Auch Oliver Hasskamp äußerte Verständnis für die Sorge der Anwohner. Sollte dort ein Baugebiet ausgewiesen werden, werde es einen Anteil von etwa 20 Prozent Sozialwohnungen geben. Ein sozialer Brennpunkt werde dadurch gewiss nicht geschaffen. Jens Meier, hinzugewähltes Ausschussmitglied, sagte, das Gebiet sei mit Radwegen und Nahverkehr gut angebunden. Das ist eine Chance, Menschen in der Stadt zu halten, ohne neuen Autoverkehr zu erzeugen.″ Franz Schürings, Leiter des Fachbereichs Städtebau, schätzte unter größtem Vorbehalt″, dass nach allerersten Überlegungen dort 55 bis 60 Wohneinheiten entstehen können.

Kommentar
Offenes Verfahren

Viele halten es schon für ausgemacht: Wenn die Politik ein Bauleitverfahren in Gang setzt, ist ohnehin schon alles entschieden und die Bebauung nicht mehr aufzuhalten. Aber so ist es nicht. Auch in Hellern nicht.

Die Kommunen verfügen über ausgereifte Instrumente zur Bauplanung, die die Möglichkeiten bieten, alle Interessen zu berücksichtigen und sie in einem transparenten Verfahren abzuwägen. Die Entscheidungsfindung ist für jeden nachvollziehbar. Das ist keine gewagte These, sondern im Baugesetzbuch verankert und im Bauleitverfahren konkret geregelt. Auf den Fall Hellern gemünzt: Die Idee ist da, nun beginnt mit dem Aufstellungsbeschluss die eigentliche Arbeit. Nun kann die Verwaltung alle Aspekte zusammentragen, Fachleute mit Prüfungen beauftragen und Vorstellungen in Pläne gießen, die jeder sehen und zu denen jeder seine Meinung zu Protokoll geben kann.

Die Anwohner in Hellern haben ihre Bedenken bereits in sachlicher Form geäußert und die Politik um ein Gespräch gebeten. So funktioniert Bürgerbeteiligung im besten Sinne. Aber klar muss sein: Am Ende wägen die Ratsmitglieder die Argumente ab und entscheiden. Dafür wurden sie gewählt.
Autor:
hin


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