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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadt kauft Bauland in Hellern
 
Stadt sichert sich Bauland in Hellern
Zwischenüberschrift:
Grundstücksdeal eingefädelt: 1,9 Hektar Ackerfläche am Kampweg – B-Plan auf den Weg gebracht
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. In Hellern will die Stadt einem Landwirt 1, 9 Hektar Acker abkaufen, um daraus Bauland zu machen. 60 bis 70 Wohnungen sollen dort entstehen. Am Donnerstag beschäftigt sich der Stadtentwicklungsausschuss mit dem Thema.

In Hellern will die Stadt einem Landwirt 1, 9 Hektar Acker abkaufen, um daraus Bauland zu machen. Die Fläche liegt am Kampweg, direkt neben dem Regenrückhaltebecken. Eine erste Projektskizze lässt erkennen, dass dort etwa 60 bis 70 Wohnungen entstehen sollen.

Osnabrück. Planer und Politiker in Osnabrück stehen unter Druck, mehr Wohnraum zu schaffen. Die kommunalen Handlungsmöglichkeiten seien begrenzt, heißt es in der Vorlage für den Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt am kommenden Donnerstag. Die Stadt habe nur wenig Einfluss auf private Eigentümer von Grundstücken und Gebäuden.

Selbst bei bestehendem Planungsrecht ließen sich viele von ihnen nur schwer bewegen, ihre Flächen zu bebauen oder vorhandene Gebäude aufzustocken, und das, obwohl die Genehmigungspraxis der Stadt durchaus großzügig″ sei. Auffällig sei zudem, dass es im Stadtgebiet viele freie Grundstücke mit Baurecht gebe, deren Eigentümer aber offensichtlich kein Interesse hätten, klagt der Fachbereich Städtebau.

Nahe der Düte

Aus diesen Gründen will die Stadt aktiv dazu beitragen, dass mehr Bauland auf den Markt kommt. Bislang wurde dabei der Schwerpunkt auf Flächenrecycling, etwa von Kasernenflächen, gelegt. Auch für die kleinräumige Nachverdichtung bestehender Siedlungen (zum Beispiel Bauen in der zweiten Reihe) gab es einen Konsens in der Politik. Neu ist, dass jetzt auch Flächen in den Blick geraten, die laut Verwaltungsvorlage nicht im Zusammenhang mit bebauten Ortsteilen stehen oder noch nicht im wirksamen Flächennutzungsplan der Stadt als Baulandflächen ausgewiesen sind″. Der Maisacker am Kampweg befindet sich schon am Übergang zur freien Landschaft. Bis zur Düte, die als FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) unter Schutz gestellt werden soll, sind es nur 300 Meter. Auf der anderen Seite liegt die Schneppersche Tongrube, die in den 80er-Jahren als Bauland vorgesehen war. Wegen der Altlast und der von ihr ausgehenden Methanausdünstungen wurde das Vorhaben aber in letzter Minute gestoppt.

Solch eine böse Überraschung ist auf der Fläche am Regenrückhaltebecken nicht zu erwarten, denn sie wird seit Generationen als Acker bewirtschaftet. Der Stadtentwicklungsausschuss soll am Donnerstag entscheiden, ob der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet wird.

Eine breite Mehrheit gilt als sicher, denn das Land in Hellern sei verfügbar, lasse sich an den Siedlungszusammenhang anschließen und ist laut Verwaltungsvorlage vorbehaltlich weiter gehender ökologischer und verkehrlicher Untersuchungen grundsätzlich geeignet, als Neubaugebiet entwickelt zu werden″, wie der Fachbereich Städtebau vermerkt.

Nach Informationen unserer Redaktion ist der Deal mit dem Landwirt bereits eingefädelt. Sobald der Bebauungsplan rechtskräftig ist, kann die Stadt die 1, 9 Hektar zu einem festgelegten Preis erwerben. Beim Blick auf die ersten Entwürfe fällt auf, dass das Plangebiet im Südosten nicht an der Ackergrenze endet. Dort besitzt die Stadt bereits eine kleinere Fläche, die jetzt in die Überlegungen einbezogen werden soll.

Wiedergutmachung

Im Fachbereich Städtebau ist ein erstes städtebauliches Konzept entstanden, das eine gestaffelte Bebauung vorsieht. Am Kampweg sind mehrere Mehrfamilienhäuser vorgesehen, nach Westen schließen sich Reihenhäuser, Doppelhäuser und freistehende Einfamilienhäuser an. Auch Kompensationsflächen sind eingeplant, als Wiedergutmachung für den Eingriff in die Landschaft.

Bildtext:
Ackerland soll Bauland werden: Die Stadt will die annähernd quadratische Fläche am Kampweg (in der Bildmitte) kaufen, um Wohnraum zu schaffen.
Foto:
André Havergo

Kommentar
Wie lange soll das gut gehen?

Osnabrück zieht neue Einwohner magnetisch an. Für die Stadt eine Chance, die sich nicht so schnell wieder bietet. Deshalb ist es richtig, mit vereinten Kräften Wohnraum zu schaffen. Aber weil die Grenzen in Osnabrück so eng gesteckt sind, muss sich die Stadt vorrangig nach innen entwickeln, nicht nach außen. Sonst werden bald die letzten Freiräume versiegelt sein.

Mit dem Abzug der britischen Streitkräfte ist der Stadt ein Geschenk in den Schoß gefallen. Zehn Jahre lang konnten Wohn- und Gewerbegebiete auf ehemaligen Kasernenflächen ausgewiesen werden. Die gehen langsam zur Neige, aber die Nachfrage hält unvermindert an. Kein Wunder, dass sich die Hoffnungen der Planer jetzt auf Landwirte richten, die bereit sind, ihre Äcker und Wiesen zu versilbern. Aber wie lange soll das gut gehen?

Bodenversiegelung schafft auf Dauer mehr Probleme, als sie löst. Grüne Finger sind bedroht, die Zerstörung von Frischluftschneisen gefährdet das Stadtklima, und ein fortschreitender Flächenverbrauch ist Gift für die Lebensqualität im urbanen Organismus.

Auch wenn es schwerfällt: Die Stadt sollte sich aufs Flächenrecycling konzentrieren, den Druck auf Eigentümer ungenutzter Grundstücke erhöhen und konsequent nach oben statt in die Breite planen. Falls es Planern und Politikern dennoch unumgänglich erscheint, neues Bauland auszuweisen, dann muss der sparsame Umgang mit der Ressource Boden oberstes Gebot sein. Das frei stehende Einfamilienhaus passt nicht zu diesem Anspruch.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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