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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Im Eco-Modus zum Etappensieg
Zwischenüberschrift:
Bus verliert das Rennen von Hellern in die Altstadt gegen Fahrrad und Auto
Artikel:
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Originaltext:
Der Siegener Tauschreporter Jan Krumnow hat den Selbsttest gemacht. Welches Verkehrsmittel ist in Osnabrück erste Wahl? Und was sollte anders laufen?

Osnabrück Es ist ein ungleiches Rennen, und dennoch hat es seinen Reiz. Auf Initiative der ÖPNV-Aktivisten Johannes Bartelt und Thomas Polewsky trete ich gleich gegen zwei motorisierte Gegner an. Denn die Frage lautet: Wer legt die Strecke zwischen Hellern und der Osnabrücker Altstadt am schnellsten zurück? Fahrrad, Bus oder Auto? Gleich vorweg: Mit unseren zweirädrigen Gefährten waren Johannes Bartelt und ich gestern ganze sechs Minuten schneller als das Auto von Gisela Legener-Pfeifer, die ihren VW Golf selbstverständlich nicht einfach vor unserem Treffpunkt, dem Café Läer an der Krahnstraße, abstellen konnte. Sie muss ihr Blechkleid″ erst im Parkhaus ablegen, während Fahrrad- und Busliebhaber Bartelt und ich schon längst mit Stadtbaurat Frank Otte und Planos-Mann Harald Schulte beim Kaffee stehen.

Busse stehen Schlange

Völlig hintendran″ ist Thomas Polewsky, dem das aber sichtlich nichts ausmacht. War doch zu beweisen, dass der Bus in der Friedensstadt einfach zu lange braucht. Der Grund: Fast überall müssen sich die roten Busse der Stadtwerke in die Schlange einreihen eben wie normale Pkw auch. Das kostet Zeit. Offensichtlich so viel Zeit, dass wir Rad-Piloten bereits vor dem eigentlichen Start an der Haltestelle Große Schulstraße″ ein Zugeständnis machen müssen.

Denn während wir überpünktlich mit Gisela Legener-Pfeifer an der Haltestelle stehen, ist vom Bus weit und breit nichts zu sehen. Annähernd zehn Minuten zu spät fährt er an der Haltestelle vor und muss aber erfreulicherweise keine weitere Zeit liegen lassen, da Thomas Polewsky, seit den 90er-Jahren autofrei″, bereits im Vorfeld einen gültigen Fahrschein gelöst hat.

Johannes Bartelt hatte im Vorfeld gesagt, er wolle gemütlich″ in Richtung Ziel fahren. Gefühlt drehen sich die Pedale nun aber schon etwas schneller als noch auf der Hinfahrt unter Nicht-Wettkampfbedingungen. Wie gut, dass ich entgegen meiner sportlichen Überzeugung auf einem E-Bike sitze und die Sache verhältnismäßig entspannt angehen kann. Zwischenzeitlich schalte ich den Antrieb von Power″ auf Eco″. Nicht dass der Akku auf halber Strecke versagt und ich das Experiment ad absurdum führe. Eco″ muss allerdings englisch sein und übersetzt so viel bedeuten wie locken Sie den Schweiß aus Ihren Poren″. Der lange Anstieg auf der Lengericher Landstraße ist im Vergleich zu den ehrlichen″ Bergen in meiner Siegerländer Heimat klein, aber gemein.

Der Bus rauscht vorbei

Vor einer roten Ampel bleiben wir stehen. Immerhin halten wir uns im Gegensatz zu vielen anderen Pedaleuren an die Verkehrsregeln, denke ich und sehe, wie ein Bus an uns vorbeirauscht und rechts abbiegt. Ist das unser Bus?″, frage ich Johannes Bartelt. Der weiß es auch nicht, erscheint mir aber nach wie vor ruhig. Er ist sich seiner Sache gewiss. Sicher kennt er die Strecke und die zahlreichen Haltestellen, an denen der Bus noch stoppen muss. Radfahren in Osnabrück macht Spaß, denn die Radwege sind für alle Beteiligten klar gekennzeichnet, was impliziert, dass es auch tatsächlich überall Radwege gibt. Das ist bei uns in Siegen anders. Da wurde an einem Berg ein sogenannter Bedarfsstreifen″ auf den Asphalt gemalt, und schon war die halbe Stadt in Aufruhr, weil zu wenig Platz für Autos da sei.

Anketten muss sein

Auf einer langen Geraden schleicht eine Frau in Kleid und hochhackigen Schuhen vor uns her. Ich denke, mein Vorfahre″ setzt zum Überholen an. Doch weit gefehlt. Er bleibt ganz entspannt dahinter. Einige Meter und eine Ampel weiter erkenne ich die Altstadt. Das Fahrrad rappelt ein wenig auf dem Kopfsteinpflaster, mit dem ich durch meine Lederschuhe mit dünner Sohle als Fußgänger schon reichlich Bekanntschaft gemacht habe. Johannes Bartelt verschwindet bereits im Café, während ich noch pflichtbewusst gegenüber meinem Dienstherrn auf Zeit das E-Bike mit einer dicken Kette sichere.

Erst sechs Minuten später folgt unsere Duellantin mit dem fahrbaren Untersatz aus Wolfsburg. Nein, sie hat das Auto nicht mit ins Café gebracht. Sie hat es vorschriftsmäßig in einem der Parkhäuser abgestellt. Gemeinsam warten wir mit Frank Otte und Harald Schulte auf den dritten Test-Pendler an diesem Morgen. Zehn Minuten nach uns trifft auch Thomas Polewsky ein und versucht gemeinsam mit Bartelt, für den ÖPNV zu kämpfen. Bei ihren beiden Gesprächspartnern, dem Stadtbaurat mit grünem Parteibuch und dem ÖPNV-Planer, rennen die beiden offene Türen ein, was das Thema Beschleunigung des ÖPNV″ betrifft. Würden jetzt die Befürworter eines reibungslosen Pkw-Verkehrs hier stehen, würde die Diskussionsrunde ganz sicher anders verlaufen. Und auch das Stadtbahn-Thema kommt noch zur Sprache. Hier mit nicht ganz so offenen Türen auf der Gegenseite. Es scheitere wie so oft an der Finanzierung. Doch Bartelt und Polewsky wollen weiter kämpfen. Für schnellere Busse und für die Stadtbahn.

Streitthema Verkehrspolitik: Berichte, Hintergründe, Meinungen gesammelt auf noz.de/ verkehr-os

Bildtext:
Tauschreporter Jan Krumnow und Johannes Bartelt (rechts) gewannen das Rennen gegen Auto und Bus.
Foto:
Philipp Hülsmann

Was ist der Reportertausch?

Der Reporter-Tausch 2018 ist eine Aktion des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV).

Noch bis 20. Mai kommen die Teilnehmer in Lokalredaktionen in einer fremden Region zum Einsatz.

An der Aktion nehmen 55 Redakteurinnen und Redakteure von 29 Zeitungen aus ganz Deutschland teil.

In der Stadtredaktion der NOZ gastiert Jan Krumnow, der normalerweise für die Siegener Zeitung″ im nordrhein-westfälischen Siegen unterwegs ist.

Er schaut sich Osnabrücker Themen durch die Brille eines Fremden″ an und beschreibt seine Eindrücke täglich in der NOZ.
Autor:
Jan Krumnow


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