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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Spaziergang durch Zeit und Raum
Zwischenüberschrift:
Mit Kopfhörern durch Schinkel: Teilnehmer auf den Spuren der Geschichte des Stadtteils
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Als Mischung aus Stadtraumerkundung, Zeitreise und Zukunftslabor erlebten am Dienstag zwei Gruppen die Premiere des Audiowalks Krieg und Spiele″, der als Teil des Stadtprojekts Courage″ vom Theater Osnabrück im Schinkel veranstaltet wurde.

Osnabrück. Gegen 17.45 Uhr finden sich die ersten Teilnehmer ein. An einem Tisch liegen Funkempfänger bereit, aus einem Koffer holt Milena Noemi Kowalski Kopfhörer und erklärt deren Funktion. Braucht man eine Lesebrille?″, will eine Frau wissen. Kowalski beruhigt: Lesen müssen Sie nichts.″

In der Tat geht es bei dieser Stadtraumerkundung vor allem ums Hören. Der Eingangsbereich des Senioren-und Pflegeheims Haus Schinkel″ an der Buerschen Straße ist am Dienstag Treff- und Ausgangspunkt des Audiowalks Krieg und Spiele″, der als Teil des Stadtprojekts Courage″ vom Theater Osnabrück von Milena Noemi Kowlaski und Sound-Designer Jaronas Scheurer (Künstler-Kollektiv fuchs& flaneure″) konzipiert wurde.

Seltsame Aufforderung

Um 18.10 Uhr ertönt aus allen Kopfhörern eine weibliche Stimme, die bald die Aufmerksamkeit auf eine Schwarz-Weiß-Aufnahme lenkt. Zu sehen sind fünf Personen im Jahre 1915, von denen nur der junge Mann in der Mitte dem Betrachter entgegenblickt: Hermann Wurm, 19-jähriger Kriegsteilnehmer und Sohn des damaligen Stahlwerks-Direktors.

Aus den Kopfhörern folgt eine seltsame Aufforderung: Die rechte Hand soll als geheimes Zeichen″ ans rechte Ohr gelegt werden. Die Gruppe kommt dem nach. Wenig später geht es durch die gläserne Tür hinaus auf den Parkplatz, die Straße entlang. Die Stimme liefert Infos über die Zeit des Ersten Weltkrieges, als Schinkel eine eigene Stadt war. Es folgt eine Klangmischung aus Pferdehufen und Trommelrhythmen, die in Kombination mit dem Gleichschritt der Gruppe einen seltsamen Kontrast bildet zum modernen″ Lärm der vorüber fahrenden Autos.

Die Gruppe bleibt vor dem Speichenradersatz eines Eisenbahnwaggons der Deutschen Reichbahn anno 1914 stehen, berührt ihn.

Nahe gerückt

Mit wenigen Sätzen beschreibt die Stimme die patriotisch aufgeladene Atmosphäre nach der Mobilmachung im Sommer 1914. Als aus dem Kopfhörer die Stimme von Kaiser Wilhelm II. eingespielt wird, scheint der Erste Weltkrieg an diesem friedlich-sommerlichen Tag seltsam nahe gerückt. Wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft sind, symbolisiert auch ein Umschlag mit historischen Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Schinkel, der gegen 18.40 Uhr im Lebensmittelgeschäft Hasirci Market″ abgeholt wird. Vorbei am Kanonenweg geht es in die Kölner Straße, in die Rotenburger Straße. Zwischendurch immer mal wieder die Aufforderung zum geheimen Zeichen″; beim Drücken eines Zigarettenautomaten erklingt aus den Kopfhörern Preußens Gloria″.

Beeindruckte Teilnehmer

Als Kontrast dazu der friedlich-sommerliche Hasepark, einst Gelände des Stahlwerks Schinkel, in dem während des Ersten Weltkrieges auch Granaten produziert wurden. Auszüge eines Briefes von 1917 werden eingespielt, in dem sich Hermann Wurms Schwester nach dem Verbleib des später als vermisst gemeldeten Bruders erkundigt. In diesem Moment fährt langsam ein gelber Rettungswagen vorbei.

Gegen 18.50 Uhr passiert die Gruppe die Brücke, die einst zum Gelände des Stahlwerkes führte. Die heutige Wiese soll einmal ein neuer Teil Schinkels werden, eine Art Stadt der Zukunft. Cyril Dessemontet, Tassos Tataroglou und Mitglieder der Kapelle des Gymnasiums Carolinum stehen in roten Uniformen an der Brücke, begleiten die Gruppe mit Blasmusik zurück zum Haus Schinkel″. Gegen 19 Uhr ist der Audiowalk durch Zeit und Raum beendet, die nächste Gruppe wartet. Ins Gästebuch schreibt ein beeindruckter Teilnehmer: Fortsetzung folgt hoffentlich!!!″

Weitere Vorstellungen: 10. Mai, 18 Uhr und 19.15 Uhr; 27. Mai und 3. Juni, jeweils um 18.30 Uhr und 19.45 Uhr.

Bildtext:
Mit Kopfhörern ausgestattet, erkunden die Teilnehmenden die Umgebung der Buerschen Straße, rund um den früheren Standort des Schinkeler Stahlwerks, das im Ersten Weltkrieg Granaten produzierte.
Foto:
Gert Westdörp
Autor:
Uta Biestmann-Kotte


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