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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Müllabfuhren bekommen kein Geld für gelbe Säcke
 
Awigo bleibt auf Kosten sitzen
Zwischenüberschrift:
Pleite eines Anbieters des dualen Systems: Abholung der gelben Säcke nicht bezahlt
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die für das Abholen der gelben Säcke zuständigen Müllabfuhren in Stadt und Landkreis bleiben auf hohen fünfstelligen Rechnungen sitzen, weil ein Anbieter des dualen Systems in Deutschland Insolvenzantrag gestellt hat. Der Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Landkreis Osnabrück (Awigo), Christian Niehaves, hofft, dass die anderen neun Anbieter des dualen Systems in Deutschland gesamtschuldnerisch haften. Die Awigo und die Osnabrücker Abfallwirtschaftsgesellschaft (OAG) sichern zu, dass die gelben Säcke bei den Bürgern in der Region auch weiterhin abgeholt werden. Es gibt aber auch andere Beispiele: Infolge der Insolvenz waren die gelben Säcke etwa im baden-württembergischen Lörrach zunächst einmal nicht mehr abgeholt worden.

Wegen der Pleite eines Anbieters des dualen Systems bleiben die Abfallwirtschaft Landkreis Osnabrück (Awigo) und die Osnabrücker Abfallwirtschaftsgesellschaft (OAG) auf Kosten für die Abholung der gelben Säcke sitzen. Awigo und OAG beklagen, dass noch Rechnungen für einen hohen fünfstelligen Betrag offen sind. Die gelben Säcke würden aber dennoch weiterhin abgeholt.

Osnabrück. Hintergrund ist, dass die Europäische Lizenzierungssysteme GmbH (ELS) Mitte März Insolvenzantrag gestellt hat. ELS organisiert als eines der zehn dualen Systeme in Deutschland im Auftrag des Handels und der Hersteller die Entsorgung von Verpackungsabfall. Mit einem Umsatz von 82 Millionen Euro in 2017 ist ELS jedoch deutlich kleiner als der größte und bekannteste Anbieter Duales System Deutschland″, das durch das Mülltrennsystem Grüner Punkt bekannt wurde. Seitdem die Kartellbehörden die marktbeherrschende Stellung des Dualen Systems aufgehoben haben, hat das Duale System Deutschland unterschiedliche Wettbewerber. Daher gibt es mittlerweile zehn duale Systeme, die für das Recycling von Verpackungsmüll verantwortlich sind.

Im Landkreis Osnabrück hat ELS die Regos als gemeinsame Tochtergesellschaft der Awigo und der Städtereinigung Holtmeyer mit der Abholung der gelben Säcke beauftragt, in der Stadt die Osnabrücker Abfallwirtschaftsgesellschaft (OAG). Awigo-Geschäftsführer Christian Niehaves beklagt, nach der Insolvenz nun teilweise auf den Kosten der Abholung sitzen zu bleiben: Mittlerweile werden wir zwar von der ELS wieder bezahlt, es ist aber unsicher, wie lange das noch so ist. Bisher sind aber immer noch Rechnungen in Höhe eines größeren fünfstelligen Betrags offen.″ Niehaves hofft, dass die anderen dualen Systeme gesamtschuldnerisch haften. Er versichert, dass es im Landkreis Osnabrück nicht solche Auswüchse geben wird wie im baden-württembergischen Lörrach, wo die gelben Säcke wegen der ELS-Pleite erst einmal nicht abgeholt wurden.

Laut Niehaves und auch nach Angaben der privatwirtschaftlich geführten OAG können die Bürger sicher sein, dass die gelben Säcke und die gelben Tonnen abgeholt werden. Weil aber auch der von der ELS beauftragte Verwerter des Verpackungsmülls zwischenzeitlich nicht bezahlt wurde, ließ dieser im April 21 Tonnen des Verpackungsmülls einfach bei der Osnabrücker Abfallwirtschaftsgesellschaft liegen, wie Betriebsleiter Heinrich Markenfort berichtet.

Der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages, Hubert Meyer, sieht in dem Chaos einen Beweis dafür, dass das duale System nicht funktioniert. Einen aufgeblähten Apparat mit zehn verschiedenen dualen Systemen halte ich für falsch. Besser wäre eine einheitliche Erfassung über ein kommunales System″. Damit meint er etwa das Projekt Gemeinschaftsinitiative zur Abschaffung der Dualen Systeme″ (Gemini). Auch die Awigo war an dieser Initiative beteiligt, doch Niehaves sagt, dass dieses Projekt sich zuletzt in der bundespolitischen Diskussion leider nicht durchsetzen konnte.

OAG-Geschäftsführer Jannpeter Fip hält es hingegen für eine gute Idee, dass die Verpackungsentsorgung seit der Verpackungsverordnung von 1991 nicht mehr nur Sache von Städten und Gemeinden ist.

Bildtext:
Awigo-Geschäftsführer Christian Niehaves beklagt nach der Insolvenz eines Anbieters des dualen Systems: Bisher sind immer noch Rechnungen in Höhe eines größeren fünfstelligen Betrags offen.″
Foto:
Swaantje Hehmann

Kommentar
Das System stinkt

Das System stinkt. Handel und Industrie zahlen für die verkauften Packungen Lizenzgebühren an die zehn Betreiber der dualen Systeme, damit diese davon wiederum Müllabfuhren wie etwa die Osnabrücker Abfallwirtschaftsgesellschaft (OAG) beauftragen können, die gelben Säcke abzuholen. So die Theorie, doch die Praxis ist eine andere.

Die Unübersichtlichkeit der Systeme trug dazu bei, dass im vergangenen Jahr laut Süddeutscher Zeitung″ mehr als 50 Millionen Euro im dualen System verschwinden konnten. Demnach wurden einer gemeinsamen Clearingstelle der zehn Anbieter deutlich weniger Verpackungsmengen gemeldet, als Lizenzen ausgestellt wurden. ELS spricht im Insolvenzantrag davon, dass mehr Abfall eingesammelt wird, als von Handels- und Lebensmittelfirmen bezahlt wird. Die Recycling-Firma gibt Trittbrettfahrern″ die Schuld, die Abfall ins System bringen, dafür aber nicht bezahlen.

Fest steht, dass hier massiv betrogen wird. Deshalb bedarf es eines Neuanfangs. Die Politik darf nicht weiter an diesem System festhalten. Es ist an der Zeit, die Wertstoffwirtschaft neu zu ordnen. Die Initiative zur Abschaffung der dualen Systeme hätte eine Chance verdient.
Autor:
Jean-Charles Fays


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