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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Mit der Muse in der Mansarde
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf den zeitgenössischen Kunstbetrieb aufs Korn nahm
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Zwischen künstlerischer Selbstinszenierung, bildungsbürgerlicher Wichtigtuerei und unverständigem Kulturbanausentum changiert das Bild, das Fritz Wolf vom zeitgenössischen Kunstbetrieb zeichnete und das er bisweilen auf die Politik übertrug.

Zur Hochzeit eines guten Freundes schuf der Osnabrücker Karikaturist in den 1940er-Jahren in schwere Holzdeckel eingebundene, liebevoll kolorierte Zeichnungen, von denen eine die Überschrift hat: Wie sich das kleine Fritzchen seine Zukunft vorstellte.″ In einer per Kohleofen beheizten Mansardenwohnung geht der junge Künstler seinem kreativen Broterwerb an der Staffelei nach, während sich seine Muse leicht bekleidet auf dem Sofa rekelt, die tristen Wände mangels Tapete mit eigenen Arbeiten verschönt sind und die obligatorische Gitarre auf dem Boden liegt.

Gekonnt spielt Fritz Wolf hier mit dem Klischee der brotlosen Kunst, die ihm später ein karges Auskommen bescheren könnte. Die Selbstironie dieser Szene setzt sich 1954 in einer Zeichnung fort, auf der Fritz Wolf mit seiner Zeichenmappe am Schreibtisch eines Redakteurs der katholischen Jungenzeitschrift voran″ vorspricht. Der kommentiert humorlos: So, so, Sie sind Witzezeichner. Na, da haben Sie aber auch nicht viel zu lachen! Nur wenige Jahre später hatten Fritz und Edith Wolf ihre materiellen Engpässe überwunden: Inzwischen lieferte der Karikaturist seine Zeichnungen nicht nur an die Neue Tagespost (NT) in Osnabrück, sondern auch wöchentlich an die Illustrierte stern″. Darüber hinaus bemühten sich die Springer-Blätter Bild″ und Die Welt″ nachdrücklich um eine Kooperation, die jedoch vor allem am finanziellen Angebot scheiterte.

In Wolfs späteren zeichnerischen Ausflügen in die Welt des Kunstbetriebs geht es vor allem in den Bildern aus der Provinz des stern″ um verkannte Genies, unverstandene Abstraktion und provinzielle Ästhetik. Besonders anschaulich bringt er dieses Spannungsfeld bereits 1954 in der NT in seiner Osnabrücker Wochenschau″ auf den Punkt: Insgesamt sechs Kunstmaler verschönern einen riesigen Gasometer mit Bildern vom Rathaus, die unterschiedlicher kaum ausfallen könnten.

In Fritz Wolfs politischen Karikaturen erstarren die Hauptmatadoren zu Denkmälern, reihen sich in kunstvoll gerahmte Ahnengalerien ein oder greifen selbst zu Leinwand, Pinsel und Farbe wie Konrad Adenauer oder Winston Churchill, denen die Suche nach Nachfolgern zum kreativen Kunstgriff gerät. Besonders prägnant ist das wohl in den 1950er-Jahren entstandene Selbstbildnis″ des ostdeutschen SED-Parteichefs Walter Ulbricht: In wehmütiger Erinnerung verleiht sich dieser selbst trotz seines detailgetreuen Konterfeis im Handspiegel auf der Leinwand die markanten Gesichtszüge des sowjetischen Ex-Diktators Josef Stalin

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Fritz Wolf im Spiegel seiner Karikaturen

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf zum 100. Geburtstag am 7. Mai 2018 eine Karikaturen-Serie.

Im Diözesanmuseum Osnabrück sind noch bis zum 15. Juli in der Sonderausstellung Er war ein Osnabrücker! Karikaturen des Altmeisters zu regionalen Themen zu sehen darunter auch viele seiner frühen Werbeanzeigen. Die Fritz-Wolf-Gesellschaft sucht darüber hinaus nach Informationen über Opitz-Eis und die weiteren Firmen aus der NT-Werbung. Ansprechpartner ist der Medienwissenschaftler Sebastian Scholtysek, Telefon 01 76/ 31 11 06 63 oder E-Mail post@ Fritz-Wolf.de
Autor:
Hermann Queckenstedt


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