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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Düte soll besonders geschützt werden
 
Düte wird Landschaftsschutzgebiet
Zwischenüberschrift:
Behörden sind im Verzug: Verordnung wird 2018 wohl nicht mehr fertig
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Düte gehört zu den Lebensräumen, die als bedeutsam für Europas biologische Vielfalt gelten. Deshalb soll der Fluss 2018 als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) besonders geschützt werden. Aber die Behörden sind im Verzug.

Die Düte gehört zu den Lebensräumen, die wegen ihrer besonderen Arten als bedeutsam für Europas biologische Vielfalt gelten. Bis Ende 2018 müssen Stadt und Landkreis Osnabrück eine Verordnung zum Schutz des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets (FFH) erlassen. Aber die Behörden sind im Verzug.

Osnabrück. Sie entspringt am Hohnsberg im Teutoburger Wald und mündet bei Halen in die Hase. Die Düte und ihre Mäander, Erlensäume und Auenwälder sind eine Sehendwürdigkeit. In Hellern können Spaziergänger erleben, was einen naturnahen Fluss ausmacht. Das 31 km lange Gewässer ist aber vor allem als Lebensraum für zwei seltene Tiere ins Schutzprogramm Natura 2000″ aufgenommen worden die Groppe, ein kleiner, nachtaktiver Süßwasserfisch, und der Kammmolch, ein streng geschützter Lurch aus der Familie der Salamander.

Natura 2000″ ist ein europaweites Netz von Lebensräumen, die einen zusammenhängenden Rückzugsraum für die Natur bilden sollen. Seit mehr als 15 Jahren steht fest, dass die Düte mit Nebenbächen″ wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Artenvielfalt als FFH-Gebiet 334 unter Schutz gestellt werden soll. Das Land Niedersachsen ist damit die Verpflichtung eingegangen, dass spätestens 2018 eine Verordnung zur Sicherung des Flusssystems erlassen wird. Sonst droht ein Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Kommission, möglicherweise auch ein Strafgeld.

Die Umsetzung ist Angelegenheit der Unteren Naturschutzbehörden. Stadt und Landkreis Osnabrück haben sich darauf verständigt, dass die Kreisverwaltung diese Aufgabe übernehmen soll. Aber das Vorhaben ist wie bei fast allen anderen FFH-Gebieten auch in Verzug geraten. Andreas Peters, der Vorsitzende des Naturschutzverbandes Osnabrück (Nabu) glaubt nicht, dass die Schutzverordnung bis zum Jahresende in Kraft treten kann.

LSG statt NSG

Dass es knapp wird, bestätigt auch Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff: Wir beabsichtigen, in diesem Jahr in das Verfahren einzusteigen″, kündigt er an, aber er will nicht garantieren, dass es noch in diesem Jahr zum Abschluss kommt. Beim Landkreis ist inzwischen die Entscheidung gefallen, ein Landschaftsschutzgebiet (LSG) auszuweisen und kein Naturschutzgebiet (NSG), was nach der FFH-Richtlinie ebenfalls möglich gewesen wäre. Warum es so gekommen ist? Weil wir das mildestverfügbare Mittel wählen und ein Landschaftsschutzgebiet die erforderlichen Schutzmechanismen liefern kann″, sagt Riepenhoff.

Die Naturschutzverbände sehen das pragmatisch: Moderne LSG-Verordnungen müssen nicht schlechter sein″, meint der Nabu-Vorsitzende Peters. Nachteilig sei allerdings, dass bei einem Landschaftsschutzgebiet keine Entschädigungen an Landwirte gezahlt werden könnten, bei einem Naturschutzgebiet schon. Denn die geschützten Flächen dürfen zwar gemäht, aber nicht etwa drainiert oder bebaut werden.

Offen bleibt fürs Erste, welche Flächen zur künftigen Schutzzone gehören sollen. Das niedersächsische Umweltministerium hat nicht nur den Bachlauf als schutzwürdig benannt, sondern zugleich darauf hingewiesen, dass auch die Auwälder und Feuchtwiesen, Weiden und Sümpfe entlang der Düte und ihrer Nebenflüsse charakteristischer Bestandteil des Flusssystems seien. Aber es gibt noch keine Aussagen darüber, ob das LSG aus einem schmalen oder breiten Streifen bestehen soll und ob die Nebenbäche einbezogen werden oder nicht.

Dicker oder dünner?

Einen Vorschlag für die Abgrenzung des Gebiets hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN) dem Landkreis Osnabrück vorgelegt. Offenbar ging er den Planern zu weit. Wir gehen aber davon aus, dass die Präzisierung baldmöglichst einvernehmlich abgestimmt werden kann″, erklärt Landkreis-Sprecher Riepenhoff dazu. Die Kartierungen seien abgeschlossen, und ein Entwurf der Verordnung werde von einem Osnabrücker Planungsbüro erarbeitet.

Wird die Schutzzone ein schmaler oder ein dicker Strich auf der Landkarte sein? Eine Faustformel für die Bemessung habe niemand, sagt Achim Stolz vom NLWKN. Maßgeblich seien allein die örtlichen Gegebenheiten. Dabei spielten die Eigentumsverhältnisse eine Rolle und ebenso die Frage, ob es an einem Gewässer Naturflächen gebe oder ob es zu Einschränkungen durch landwirtschaftliche Nutzungen und Gebäude komme.

Im weiteren Verfahren werden Naturschützer und Landwirte bzw. Anrainer der Düte Gelegenheit haben, zu der geplanten Verordnung Stellung zu nehmen. Dabei ist die Konfliktlinie klar: Die eine Seite will möglichst wenig Flächen hergeben, die andere fordert einen möglichst breiten Schutzstreifen um das Flüsschen.

Bildtexte:
Die Mäander sind eine Sehenswürdigkeit. In Hellern ist die Düte als naturnaher Fluss erlebbar.
Nicht alle Abschnitte der Düte sind naturnah belassen. An der Rheiner Landstraße gleicht das Flüsschen eher einem Kanal.
Fotos:
Jörn Martens

Kommentar
Zu viele Bremser

Biodiversität ist für den Fortbestand der Menschheit wichtiger als das schnelle Internet, aber mit dem Artenschutz lassen sich keine Wahlen gewinnen. Das dürfte der Grund sein, weshalb die Ausweisung von Naturschutzgebieten nicht nur an der Düte ins Stocken geraten ist. Es fehlt am Personal. Ein Vorwurf, der nicht an die Behörden zu richten ist, sondern an die Politik.

Es kann doch nicht so schwer sein, die FFH-Richtlinie der Europäischen Kommission in nationales Recht umzusetzen. Aber leider gibt es zu viele Bremser, die den Naturschutz für einen Hemmschuh der wirtschaftlichen Entwicklung halten. Da entlarvt sich das Denken von vorgestern. Es ist blamabel, dass die EU-Kommission erst mit Strafzahlungen drohen muss, damit Stadt und Landkreis ihre Hausarbeiten machen.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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