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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Anwohner befürchtet Rodung am Stichkanal
Zwischenüberschrift:
Naturschützer sorgen sich um Biotop im Industriegebiet Hafen: Vermüllung und mögliche Bebauung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Naturschützer und Anwohner im Osnabrücker Stadtteil Hafen sind beunruhigt: Will sich eine dort ansässige Firma auf Kosten eines Waldstücks erweitern?

Osnabrück. Auf den ersten Blick wirkt das Grundstück, auf dem Ralf Florian lebt, wie die pure Idylle: eine große Wiese, daneben sein selbst gebautes Holzhaus, dahinter ein Wäldchen mit kleinen Teichen, und das alles in Armlänge zum Osnabrücker Stichkanal. Und doch ist hier keine Idylle, denn am Kanal reihen sich Osnabrücker Industriebetriebe wie Perlen auf einer Kette auf. Das sorgt bei ungünstigem Wind für Gerüche und Lärm und für nicht wenig Unrat″, sagt der 50-jährige freiberufliche Musiker.

Seit 23 Jahren kümmert er sich um den ebenfalls dort beheimateten Reiseplatz für Sintis, seit einigen Jahren auch im Auftrag der Stadt Osnabrück, von der er für diese Aufgabe einen Werksvertrag bekommen hat. Früher war hier alles voller Müll″, erzählt er. Doch zusammen mit den Mitgliedern des Vereins Freundeskreis Reiseplatz″ habe er im wahrsten Sinne für Ordnung gesorgt: Wir haben aus den Teichen die Waschmaschinen gezogen, Berge von Müll aus dem ehemaligen Hasebett gekarrt und dafür gesorgt, dass hier friedliche Menschen campen.″

Wäldchen vermüllt

Doch nun scheint das Wäldchen hinter dem Reiseplatz bedroht: Ich traf eine Person, die sich dort umschaute. Von mir darauf angesprochen, sagte sie mir, dass sie ein Fachökologisches Gutachten über das zwischen einer Firma für Kunststoffrecycling gelegene Stück Land und dem Stichkanal verfasst.″

Florian wurde sofort aktiv, denn neben seiner Tätigkeit als Platzaufseher ist er Pilzsachverständiger und Umweltschützer. Gerade in diesem Bereich ist ein Auwald und dieser dient vielen seltenen oder geschützten Tieren und Pflanzen als Heimat.″

Der Bebauungsplan für das Gebiet stammt aus dem Jahr 1982, und seitdem hat sich hier einiges angesiedelt: Zwischen Totholz, kleinen Teichen und der Vegetation summt und brummt es aus allen Richtungen. Insekten und andere Tiere wie Molche, Zwergspechte und Eisvögel finden in dem Gebiet eine gute Kinderstube und da hier nur wenige Menschen spazieren gehen, konnten sich Flora und Fauna über Jahrzehnte fast ungestört entfalten.″ All das würde zerstört, wenn das Gebiet zwischen Firma und Stichkanal gerodet werden würde.

Generell ist Ralf Florian auf die Kunststoffrecycling-Firma nicht gut zu sprechen: Der Wendeplatz hinter der Firma ist oftmals voller Unrat, den die Lkw-Fahrer hier entladen haben″, sagt er und zeigt auf Plastikmüll und Hinterlassenschaften, die man auch an Rastplätzen ohne Toilettenanlagen hinter Bäumen finden kann. Alle paar Wochen sorgen Florian und der Verein des Reiseplatzes hier für Sauberkeit doch nur wenige Tage später sei wieder alles voller Müll. Was sich ebenfalls im Wäldchen findet, sind Plastikstoßstangen, die teilweise schon von Moos überwuchert werden.

Zudem werde bei starkem Regen über einen Oberwasserschaft kiloweise Kunststoffgranulat in den Kanal gespült, berichtet er. An diesem Tag regnet es nicht und doch sind unzählige winzig kleine Kunststoffpartikel in dem Abflusswasser am Kanal zu entdecken. Ich war schon so oft persönlich in der Firma. Dort reagierte man stets freundlich und schockiert, und eine Weile wurde es besser. Bis wieder Berge von Kunststoff in den Kanal flossen.″

Aufruf auf Facebook

Das könnte sich in diesem Falle ändern: Über Facebook machte er auf die mögliche Bebauung des Gebietes aufmerksam und postete mehrere Bilder, die die Verschmutzung zeigen sollten. Sein Beitrag landete daraufhin in mehreren Osnabrücker Gruppen, wurde mehr als 200-mal geteilt und sorgte für Reaktionen auch außerhalb des Onlinenetzwerkes und für Reaktionen bei der angrenzenden Firma, die seitdem viel Müll entsorgt hat: Das Umweltamt der Stadt will sich mit mir treffen und über die Verunreinigungen berichten.″

Ich weiß von keiner Erweiterung unseres Firmengeländes. Zudem haben wir kein fachökologisches Gutachten in Auftrag gegeben″, sagt jedoch ein Sprecher der angrenzenden Firma für Kunststoffrecycling. Keine Antwort erhalten wir auf die Frage bezüglich der von Anwohner Florian angemerkten Verschmutzungen des Geländes hinter der Firma oder der in den Stichkanal fließenden Plastikteilchen.

Vor Ort war in dieser Woche jedoch das Gewerbeaufsichtsamt Osnabrück, wie uns Gesche Saathoff-Schiche, Leiterin der Behörde, bestätigt: Es gab am vergangenen Montag eine Beschwerde wegen Umweltverstößen gegen eine dort ansässige Firma. Diese Beschwerde wurde mit Fotos bei uns eingereicht. Wir waren dann sofort vor Ort, und die Firma musste entsprechende Maßnahmen ergreifen. Zudem wurde aufgrund von Beobachtungen einer weiteren Person an einem Einlaufschacht in den Stichkanal die Stadt Osnabrück als zuständige Wasserbehörde informiert; dieser Beschwerde wird derzeit gemeinsam nachgegangen.″ Ob die von der Gewerbeaufsicht besuchte Firma sich erweitern will, kann Saathoff-Schiche nicht bestätigen, denn ein Antrag dafür liegt bei uns nicht vor″.

Begehung geplant

Es gibt noch keinen Antrag, aber eine Anfrage der betreffenden Firma″, sagt Osnabrücks Stadtbaurat Frank Otte gegenüber unserer Redaktion. Da der rechtsgültige Bebauungsplan das Gebiet als Industriegebiet ausweist, hat die Stadt daraufhin ein fachökologisches Gutachten in Auftrag gegeben.″

Bis zum September 2018 werde nun die Vegetationsperiode in dem Wäldchen geprüft und festgestellt, ob sich dort Pflanzen- oder Tierarten befinden, die nicht an anderen Stelle angesiedelt werden können oder eben nicht. Natürlich kann sich einiges entwickeln, wenn eine Fläche lange brach liegt.″ Erst dann würde die Stadt Osnabrück entscheiden, ob sie das Gelände an die anfragende Firma verkauft.

Weniger Einfluss auf eine eventuelle Verkaufsentscheidung der Stadt hätten jedoch die vom Anwohner beobachteten Umweltverstöße: Denen geht die Stadt natürlich nach, aber es sind zwei getrennte Verfahren″, sagt Otte.

Ralf Florian will nun weiter für das Waldstück und seine pflanzlichen und tierischen Bewohner kämpfen mit legalen Mitteln, wie er betont: Am kommenden Sonntag veranstalte ich eine Führung rund um das Gebiet. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Reiseplatz an der Brückenstraße 5. Zudem habe ich Kontakt zu Naturschutzbund und Biologen aufgenommen, die mich hoffentlich mit weiteren Informationen über die Pflanzen- und Tierwelt unterstützen können.″

Bildtext:
Heimat von seltenen oder geschützten Tieren und Pflanzen: Ralf Florian sorgt sich um die Zukunft eines unberührten Waldstückchens.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Corinna Berghahn


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