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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Nachhaltigkeit nicht bloß predigen
Zwischenüberschrift:
Im Bistum Osnabrück gibt es jetzt 100 „faire Gemeinden″
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Agiert eine Gemeinde im Bistum Osnabrück besonders nachhaltig und ökologisch, wird sie wie zuletzt Lengerich als faire Gemeinde ausgezeichnet. Dirk Steinmeyer von der Süd-Nord-Beratung und Hubert Hoffmann, ehrenamtlicher Vorstand der bischöflichen Kommission, sind Gründungsmitglieder der Aktion und setzen sich mit Themen wie fairem Handel und globaler Gerechtigkeit auseinander.

St. Benedikt in Lengerich (Emsland) wurde kürzlich zur 100. fairen Gemeinde im Bistum Osnabrück ernannt. Welche Bedeutung hat diese Zahl für das Bistum?

Hoffmann: Zum Selbstverständnis der Kirche gehört die Diakonie. Dieser diakonische Auftrag sollte sich für die Kirche immer im Einsatz für globale Gerechtigkeit und eine nachhaltige Bewahrung der Schöpfung zeigen. Die faire Gemeinde steht genau dafür. Deswegen ist die Aktion für das Bistum so wichtig. Beim kirchlichen Handeln geht es immer auch um Glaubwürdigkeit. Es ist oft ein Problem, dass man der Kirche vorwirft, sie sei nicht glaubwürdig genug in bestimmten Aktionsfeldern. Die fairen Gemeinden zeigen aber, dass Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit nicht nur gepredigt, sondern auch konkret umgesetzt werden. Das kommt im Bistum bisher sehr gut an.

Wodurch zeichnet sich eine Gemeinde als faire Gemeinde aus?

Steinmeyer: Das Konzept besteht aus insgesamt zwölf Kriterien. Die Gemeinden müssen aus sechs ökologischen und sechs fairen Kriterien mindestens fünf erfüllen, um eine faire Gemeinde zu werden. Lengerich führt zum Beispiel mindestens einmal im Jahr eine Veranstaltung zu entwicklungspolitischen Themen oder zur Umwelt durch. Außerdem verwendet die Gemeinde bei Veranstaltungen ausschließlich Mehrwegflaschen und Mehrweggeschirr. Dabei werden dann auch mindestens zwei regionale Produkte beziehungsweise Bioprodukte angeboten. Zudem wird in allen Gebäuden der Kirche Ökostrom verwendet. Die Gemeinden können aber noch aus vielen weiteren Maßnahmen wählen: Die Verwendung von ökologischem Papier, fair gehandelten Blumen, wenn Präsente überreicht werden und so weiter.

Wie garantieren Sie, dass eine faire Gemeinde auch in den kommenden Jahren nach Ihren Kriterien fair bleibt? Gibt es eine Art Zwischenprüfung?

Steinmeyer: Alle zwei Jahre gibt es eine sogenannte Zwischenreflexion in Form eines Fragenkatalogs. Dort kann die Gemeinde für sich ganz systematisch überprüfen, ob die Maßnahmen weiter umgesetzt werden. Wo gibt es vielleicht Probleme? Wo läuft es gut, oder wo wird Unterstützung benötigt? Wir selbst haben leider nicht die Kapazitäten, regelmäßige Kontrollen durchzuführen. Wenn wir keine Rückmeldung bekommen, erkundigen wir uns aber auch bei den Zuständigen.

Die Aktion wurde 2014 offiziell gegründet. Sie waren von Anfang an dabei. Wie kam es dazu?

Steinmeyer: Vor sieben Jahren haben wir von der Süd-Nord-Beratung ein Projekt zu nachhaltiger Beschaffung durchgeführt. In diesem Zusammenhang haben wir in den Kirchengemeinden Seminare angeboten, bei denen hauptsächlich ehrenamtlich tätige Gemeindemitglieder teilgenommen haben, denen Nachhaltigkeit ein Anliegen ist. Nach den Seminaren kamen wir zu dem Schluss, dass wir jetzt nicht einfach nach Hause gehen wollen, um dann wieder Schwierigkeiten bei der Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen zu haben. Wir wollten ein handfestes Konzept erstellen. Daraufhin haben wir den Arbeitskreis faire Gemeinde gegründet und sind damit auf die bischöfliche Kommission zugegangen.

Hoffmann: Ich arbeite seit mehreren Jahren ehrenamtlich im Bistum und bin sehr an den Fragen zu globaler Gerechtigkeit interessiert. Zudem bin ich Vorsitzender der bischöflichen Kommission. Wir beschäftigen uns mit Fragen zu fairem Handel, Gerechtigkeit und Frieden und haben uns der Aktion angeschlossen. Gemeinsam mit der Süd-Nord-Beratung haben wir die faire Gemeinde zu einem Projekt des Bistums gemacht. Es ist also ein Gemeinschaftswerk.

Die faire Gemeinde ist also keine deutschlandweite Aktion, sondern im Bistum Osnabrück fest verankert?

Steinmeyer: Mittlerweile ist auch die lutherische Kirche in Osnabrück mit dabei. Außerdem setzt die reformierte Kirche die Kernpunkte deutschlandweit um. Es ist kein Konzept, an dem sich andere Bistümer direkt beteiligen. Sie holen sich aber zumindest Anregungen von uns. Der Kirchenkreis Bramsche will die Aktion jetzt auch umsetzen.

Hoffmann: Im Bistum Paderborn gibt es ein ähnliches Konzept. Dort gibt es den Begriff der fairen Gemeinde ebenfalls. Es werden aber andere Kriterien angesetzt. Das Bistum Münster überlegt derzeit, ein ähnliches Projekt ins Leben zu rufen. Wir haben in Osnabrück auf jeden Fall eine Art Impulsfunktion.

Wie finanziert sich die Arbeit des Arbeitskreises?

Hoffmann: Das sind Gelder, die die bischöfliche Kommission für Bildungsarbeit zur Verfügung stellt. Außerdem gibt es viele ehrenamtliche Helfer, die unsere Arbeit mit den hauptamtlichen Mitarbeitern von der Süd-Nord-Beratung tragen.

Steinmeyer: Genau diese Kombination macht wahrscheinlich auch den Erfolg aus. Das ist keine einmalige Geschichte, die man einmal anschiebt. Wir treffen uns auch weiterhin mit dem Arbeitskreis, der mittlerweile aus zwölf Personen besteht.

Wie wichtig ist die Unterstützung der katholischen Kirche für Ihre Arbeit?

Hoffmann: In der katholischen Kirche ist es hin und wieder wichtig, dass man Unterstützung von oberster Stelle bekommt. Wir erleben das im Bistum durch den Bischof. Es gibt aber auch vom Papst Franziskus ein Schreiben mit dem Titel Laudato si″. Das ist quasi eine Bestandsaufnahme der Welt, in der diskutiert wird, wie man durch nachhaltiges und gerechtes Handeln diese Welt erhalten kann. Wir an der Basis erleben dieses Schreiben als große Unterstützung für unser Vorhaben.

Verfolgen Sie eine Art übergeordnetes oder langfristiges Ziel mit Ihrer Arbeit?

Hoffmann: Bei der Ernennung der 100. fairen Gemeinde hat der Bischof in einem Vortrag gesagt, er würde sich wünschen, dass das Bistum Osnabrück nur noch aus fairen Gemeinden besteht. Es soll eben nicht bei den jetzigen 100 bleiben, sondern alle der ungefähr 200 Gemeinden im Bistum erreicht werden. Das ist ein sehr hochgestecktes Ziel in unseren Augen. Der Weg dahin ist nicht ganz einfach, auch wenn das sehr schön wäre. Wir kommen auch manchmal an Grenzen personeller Kapazität. Die 100 bisherigen Gemeinden müssen ja auch weiterhin betreut werden. Von kirchlicher Seite gibt es inzwischen Überlegungen, weitere Kriterien zu entwickeln, sodass die Gemeinden sich von der fairen zur klimagerechten Gemeinde weiterentwickeln können. Dann würde man weitere Kriterien hinzunehmen, die besonders den Klimaschutz betreffen. Aber das sind bisher nur Ideen.

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Bildtext:
Bei ihrer Arbeit setzen sich Dirk Steinmeyer (links) von der Süd-Nord-Beratung und Hubert Hoffmann, ehrenamtlicher Vorstand der bischöflichen Kommission, mit Nachhaltigkeit, fairem Handel und Gerechtigkeit auseinander.
Foto:
Jörn Martens
Autor:
Bastian Rabeneck


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