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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Von Spurhalten war noch keine Rede
Zwischenüberschrift:
Mut gehörte dazu, wenn man Ende der Fünfziger über die Hasetor-Kreuzung wollte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Wozu braucht es Ampeln irgendwie schaukelt sich das auch so zurecht″, könnte man angesichts dieses Fotos der Hasetor-Kreuzung gegen Ende der 1950er-Jahre meinen. Tatsächlich war aber dieser Knoten schon länger als Nadelöhr und Unfallschwerpunkt im Visier der Verkehrsplaner.

Osnabrück. Schließlich führte die B 68 unter der Brücke her. Für eine Bundesstraße waren vier Fahrspuren zum Standard erhoben worden. Doch die ließen sich beim besten Willen nicht zwischen den Auflagern unterbringen, zumal Straße und Bahn einander nicht im rechten, sondern in einem spitzen Winkel kreuzen.

Im Generalverkehrsplan von 1956 war die Verbreiterung der Hasetor-Brücke mit der Dringlichkeitsstufe I ausgestattet, während die Bahnbrücken am Berliner Platz und an der Bremer Straße in Stufe II eingruppiert waren nicht ganz so dringlich, weil hier kein Zubringerverkehr zum bevorstehenden Autobahnanschluss durchgeleitet werden musste.

Im August 1962 begannen die Arbeiten an dem größten je in Osnabrück begonnenen Brückenbauprojekt″, wie das Osnabrücker Tageblatt″ damals schrieb. Um die Durchfahrtbreite von 20 auf 33 Meter erweitern zu können, mussten die alten Stahlbrücken für jedes der drei Gleise abgebaut werden. Da aber der Bahnverkehr während der rund einjährigen Bauzeit mit möglichst geringen Einschränkungen weiterlaufen sollte, waren die Gleise nacheinander mit großem Aufwand je auf eine Hilfsbrücke zu verlegen. Zwei 55-Tonnen-Schwerlastkräne der Deutschen Bundesbahn besorgten das Ausheben der alten Brückenkörper sowie das Einschweben der Beton-Behelfswiderlager und der Hilfsbrücken.

Es begann mit dem am wenigsten befahrenen Hafenbahngleis, dann folgten die Streckengleise Richtung Löhne und Richtung Rheine. Hauptausführende Firma war das auf Brückenbau spezialisierte Bauunternehmen Hein. Die neue Brücke besteht nicht wieder aus Stahl, sondern aus Spannbeton-Trögen, die auf fahrbahnteilenden Mittelunterstützungen ruhen.

Zehn Wochen mussten die Arbeiten während des strengen Winters 1962/ 63 ruhen, sodass nach einem Jahr im August 1963 noch nicht alles fertig war, aber immerhin Richtfest gefeiert werden konnte. Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm (CDU) schickte ein Telegramm: Über die schnelle und erfolgreiche Arbeit zur Beseitigung des unerträglichen Verkehrsengpasses bin ich sehr erfreut und danke mit Anerkennung …″

Seebohm war insofern involviert, als es sich um eine Bundesstraße handelte und der Bund 25 Prozent der Gesamtkosten von 3, 1 Millionen DM trug. Auf die Bahn entfielen 26 Prozent, auf das Land Niedersachsen 21 Prozent, auf die Stadt Osnabrück 22 Prozent und der Rest auf Post und Stadtwerke. Nach dem Richtfest hatte das Bundesbahnbetriebsamt 1 alle Baubeteiligten zum Richtschmaus in die Ludwigshalle Hehmann im Schinkel eingeladen.

Im November 1963 war dann auch die Straßenkreuzung vor dem Hasetor fertiggestellt. Nun wird der vierspurige Ausbau der Hansastraße besonders dringlich, zumal sie in Zukunft der Zubringer für die Autobahn Hansalinie sein wird″, schrieb die Zeitung.

Noch standen aber verschiedene Häuser im Abschnitt Hasetor bis Roopstraße einer Verbreiterung der Hansastraße im Wege. Auch in Richtung Rißmüllerplatz und in Richtung Berliner Platz war der Ring noch nicht im geplanten vierspurigen Ausbau erstellt. Der Ausbau der Hasetor-Kreuzung wurde als bahnbrechendes Voranschreiten gefeiert, das nun umso dringlicher die Vierspurigkeit des Wallrings nach sich ziehen sollte. Die aufgemalten Fahrspuren vor dem Hasetor hatten auch etwas Pädagogisches an sich: Die konsequente Aufteilung der Fahrspuren stellt einen Vorgriff auf die neue Straßenverkehrsordnung dar, in der das Spurhalten zur Auflage gemacht wird.″

Bildtexte:
Rein in den Kreisel, und dann durchmogeln: So sah die Hasetor-Kreuzung bis 1962 aus. Ampeln, Asphaltbelag, Fahrbahnmarkierungen: Fehlanzeige.
Handys gab es noch nicht, deshalb gehörte zur zeitgemäßen Ausstattung der erneuerten Hasetor-Kreuzung auch eine Notrufsäule. Sie war 1964 der ganze Stolz von Berufsfeuerwehr und Polizei. Das Foto aus dem Archiv des Kulturgeschichtlichen Museums ist erschienen in: Matthias Rickling, Osnabrück 1949 bis 1979, Sutton-Verlag, 2013.
Seit November 1963 rollt der Straßenverkehr sechsspurig unter der erneuerten Eisenbahnbrücke her.
Fotos:
Archiv Kulturgeschichtliches Museum/ W. Fricke, aus: Matthias Rickling, Osnabrück 1949 bis 1979, Sutton-Verlag, 2013, Emil Harms, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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