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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Unkraut vergeht nun mal nicht!″
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf Ewiggestrige und ihre (braune) Gesinnung ins Bild setzte
Artikel:
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Originaltext:
Die Friedensstadt Osnabrück pflegt heute den interkulturellen und interreligiösen Dialog und der VfL setzte jüngst mit großer öffentlicher Wirkung seine langjährigen Initiativen gegen rechte Ausgrenzung fort. Fritz Wolf hätte daran sicher seine Freude gehabt.

Osnabrück. Mit über die Schulter gelegten Regenschirmen und Spazierstöcken verteidigen 13 Herren im feinen Zwirn einen leeren Denkmalsockel, auf dem in gotischer Frakturschrift die Worte Osnabrücks Vergangenheit″ eingemeißelt sind. Der gutbürgerliche Blick zurück scheint zum weltfremden Selbstzweck erstarrt zu sein, und weder die große″ Vergangenheit der Stadt noch einzelne ruhmreiche″ Ereignisse oder bedeutende Persönlichkeiten bieten Orientierung in der Gegenwart.

Die Karikatur illustrierte im September 1969 in der Neuen Osnabrücker Zeitung″ eine scharfe Kritik von Wendelin Zimmer an historisch-bornierter Selbstbezogenheit bürgerlicher Honoratioren, die die Stadt in konservativen Provinzialismus″ und Scheuklappenmentalität″ führe.

Eigentlich hatte der langjährige Feuilleton-Redakteur seinem zeichnenden Kollegen die Aufgabe zugedacht, den Duktus des Textes zu entschärfen und damit humoristisch-besänftigend zu wirken. Doch weit gefehlt: Das Bild stand dem Wort an Schärfe nicht nach.

Selbst Kriegsteilnehmer mit drei getöteten oder vermissten Brüdern, wollte Fritz Wolf aus der Geschichte Lehren ziehen, um statt Vergangenheit zu verklären durch einen historisch-kritischen Zugriff Gegenwart zu beleuchten und Zukunft zu gestalten. Vor diesem Hintergrund nahm er wiederholt auch rechtsradikale Traditionen und Tendenzen in den Blick.

Eine vergleichsweise frühe Karikatur zeigt den ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten sowie späteren Verteidigungsminister und Bundestagspräsidenten Kai-Uwe von Hassel, der einen auf dem Boden liegenden, langhaarigen jungen Mann ermahnt: Laß den Jungen in Ruhe! Bei dem Jungen″ handelt es sich um einen tumben NPD-Jungaktivisten, der seinen linken Widersacher zuvor selbst mit einem Keulenschlag zu Bode gestreckt hatte. Immerhin war der CDU-Politiker von Hassel als Minister im Mai 1965 öffentlich bei der Beerdigung des hohen SS-Offiziers Hans Jüttner als Redner aufgetreten.

1991 nahm Fritz Wolf die Fehlentwicklung″ des Menschen vom Affen über den Neandertaler und den Homo sapiens zum Ausländer raus!!!″ krakeelenden Neonazi mit Springerstiefeln, Megafon und Knüppel aufs Korn.

Bereits zwei Jahre zuvor hatte er den deutschen Michel durch ein Tulpenbeet geschickt, in dem unter dem Motto Unkraut vergeht nun mal nicht″ zwei Schösslinge mit dem Konterfei Adolf Hitlers aus dem Boden sprießen.

Der NS-Diktator erscheint schließlich auch in einer Zeichnung, die nach der Absage des auf den 20. April 1994 terminierten Länderspiels gegen England entstand ein Datum, das zwischen 1933 und 1945 als Führers Geburtstag″ unrühmliche Bekanntheit erlangte. Mit ausgestrecktem rechten Arm erklärt Hitler einer Gruppe faschistischer Schläger: Ich verspreche, daß wir meinen Geburtstag nachfeiern werden!

Nicht zuletzt angesichts dieser sowie zweier Zeichnungen von 1992 und 2000 gegen das gewalttätige Unwesen rechtsradikaler englischer Hooligans bei den Europameisterschaften in Schweden sowie in Belgien und den Niederlanden hätte Fritz Wolf die VfL-Aktion Gegen rechts″ sicherlich mit großer Sympathie betrachtet.

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Fritz-Wolf-Serie

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf zum 100. Geburtstag am 7. Mai 2018 eine Karikaturen-Serie. Im Diözesanmuseum sind noch bis zum 15. Juli in der Ausstellung Er war ein Osnabrücker! Karikaturen des Altmeisters zu regionalen Themen zu sehen. Die Fritz-Wolf-Gesellschaft sucht weiterhin nach unbekannten Zeichnungen Wolfs. Kontakt unter Tel. 01 76/ 31 11 06 63, E-Mail: post@ Fritz-Wolf.de.
Autor:
Hermann Queckenstedt


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