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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Tippgeber belastete Nokta-Inhaber
 
„Wir durchleben gerade die Hölle″
Zwischenüberschrift:
Tippgeber belastet Nokta-Inhaber – Staatsanwaltschaft von Unschuld überzeugt
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Nach dem Brand des türkischen Restaurants Nokta am Güterbahnhof im Januar ist anfangs der Betreiber Sedat Müstak ins Visier der Ermittler geraten. Auf Anfrage unserer Redaktion sagte der Gastronom, eine dritte Person habe ihn belastet und ausgesagt, ihn kurz vor dem Brand im Restaurant gesehen zu haben.

Die Staatsanwaltschaft stellte das Ermittlungsverfahren gegen Müstak Ende Februar ein. Stattdessen steht derweil der Tippgeber unter Verdacht, das Restaurant an der Hamburger Straße angezündet zu haben.

Das Nokta war in der Nacht zum 15. Januar dieses Jahres in Flammen aufgegangen. Es entstand ein Schaden von mehr als 500 000 Euro. Verletzt wurde niemand. Das Restaurant wird derzeit renoviert und bleibt noch monatelang geschlossen.

Nach der Brandstiftung im Osnabrücker Restaurant Nokta stand Betreiber Sedat Müstak anfangs unter Verdacht. Ein Tippgeber hatte ihn belastet. Zu Unrecht, sagen die Ermittler. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen Müstak ein und ermittelt nun gegen den Tippgeber selbst. Wir durchleben gerade die Hölle″, sagt Müstak.

Osnabrück. In der Nacht zum 15. Januar dieses Jahres war das türkische Restaurant an der Hamburger Straße in Flammen aufgegangen. Es entstand wohl ein Schaden von mehr als 500 000 Euro.

Für uns war das ein Schock″, erzählt Müstak auf Anfrage unserer Redaktion. Er habe unter der Dusche gestanden, als die Anrufe gekommen seien. Ich dachte, das ist ein schlechter Witz.″ Seine Lebensgefährtin Natalia Bassauer und er fuhren zum Nokta. Anfangs sah es gar nicht so schlimm aus″, sagt er. Doch als wir später drin waren, sind wir in Tränen ausgebrochen.″ Das Feuer hatte gar nicht so schlimm gewütet, doch der Ruß richtete großen Schaden an.

Müstak berichtet, anfangs habe die Polizei gegen ihn ermittelt, weil ihn jemand beschuldigt habe, ihn gegen Mitternacht vor dem Brand im Restaurant gesehen zu haben. Nach Überzeugung der Ermittler ist Müstak aber unschuldig. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen ihn ein. Unserer Redaktion liegt der an ihn adressierte Einstellungsbescheid vom 28. Februar vor.

Es ärgere ihn, dass er verdächtigt worden sei, sagt Müstak. Allein der Gedanke sei gemein″, sagt Bassauer, ebenso die urteilenden Blicke auf der Straße. Wir durchleben gerade die Hölle″, so Müstak.

Inzwischen richtet sich der Verdacht gegen die Person, die Müstak beschuldigt hatte. Er kennt diese. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigen Ermittlungen gegen einen Dritten. Es sei bereits zu strafprozessualen Maßnahmen″ gekommen, sagt ein Ermittler. Gemeint ist: Die Polizei durchsuchte mit einem Beschluss des Amtsgerichts Objekte des Verdächtigen und sicherte elektronische Datenträger. Details gibt die Polizei nicht preis und verweist auf die laufenden Ermittlungen.

Müstak sagt, er habe keinerlei Gründe gehabt, das Nokta anzuzünden. Das Geschäft lief sehr gut, und wir haben bis zum Schluss investiert. Im Januar und Februar waren wir restlos ausgebucht″, sagt er. Er und seine Lebensgefährtin hätten alles mit Mühe aufgebaut und aus einer toten Ecke etwas Lebendiges gemacht″.

Keine Feinde, aber Neider

Hat Müstak Feinde? Die Frage beantwortet er mit einem Jein″. Er habe sicherlich Neider. Aber Feinde? Wir nicht, aber die Kripo hat ja einen Verdächtigen.″ Wer das ist und warum dieser die Brandstiftung begangen haben könnte, dazu äußern sich Bassauer und Müstak nicht. Die bisherigen Ermittlungsergebnisse der Polizei würden allerdings sehr plausibel″ klingen. Und dennoch: Zu der Anschuldigung der Polizei können und wollen wir nichts sagen″, sagt Müstak. Er sei nur froh, dass niemand bei dem Brand verletzt worden sei. Aus menschlicher Sicht könne er die Tat nicht nachvollziehen.

Nach Informationen unserer Redaktion verschaffte sich der Brandstifter Zugang zur Terrasse des Nokta, brach durch einen Nebeneingang in das Restaurant ein und legte das Feuer.

Das Nokta wird grundsaniert und gleicht derzeit eher einem Rohbau als einem Lokal. Die Wiederöffnung werde wohl noch vier bis sechs Monate dauern, sagt Bassauer. Müstak ergänzt: Das Nokta soll das Nokta bleiben und auch an selber Stelle. Ein Nokta an anderer Stelle wird es nicht geben.″ Dafür hätten sie zu viel Zeit, Mühe und Geld in das Restaurant gesteckt. Baugenehmigungen, Wegerecht, Terrasse das alles haben wir bezahlt″, sagt Müstak.

Zuerst hatte die Polizei einen technischen Defekt als Brandursache vermutet.

Alles zur Brandstiftung im Nokta sowie weitere Bilder auf www.noz.de/ os

Bildtexte:
Anfangs wurde gegen Nokta-Betreiber Sedat Müstak ermittelt, nachdem ihn ein Dritter belastet hatte. Der Überzeugung der Ermittler zufolge ist er aber unschuldig. Die Staatsanwaltschaft stellte das Ermittlungsverfahren ein.
Das Restaurant wird derzeit kernsaniert.
Der Ruß richtete großen Schaden an.
Fotos:
Michael Gründel

Kommentar
Gemein

In unserem Rechtsstaat gilt das Prinzip der Unschuldsvermutung. Jeder ist so lange als unschuldig anzusehen, bis seine Schuld vor Gericht bewiesen ist. Wie wichtig diese Prämisse ist, zeigt sich am Beispiel Nokta.

Hier und da war zu hören oder in sozialen Netzwerken zu lesen, dass die Betreiber ihr Lokal selbst angezündet hätten. Phrasen wie warme Sanierung″ fielen. Ein vermeintlicher Zeuge belastete Sedat Müstak und steht nun selbst unter Verdacht.

Mit viel Mühe und Geld haben Inhaberin Natalia Bassauer und Müstak eine Perle am sonst so tristen Güterbahnhof etabliert. Zwar machten sie dabei auch Fehler erinnert sei an die Probleme mit der Baugenehmigung zum Bau der Terrasse und dem Vertragsbruch mit einer Brauerei, indem das Nokta auch andere Biere anbot.

Doch Fehler hin oder her: Der Vorwurf der warmen Sanierung war und ist in der Tat gemein″, wie Nokta-Inhaberin Bassauer es formulierte. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein. Daher zeigt das Beispiel einmal mehr die Bedeutung der Unschuldsvermutung und welche Folgen ihre Missachtung haben kann.
Autor:
Jörg Sanders


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