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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Schlaflos in der Hängematte
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf in den 1950er-Jahren den Hamburger SV ins Bild setzte
Artikel:
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Originaltext:
Der Hamburger SV hat am Wochenende die rote Laterne der Fußball-Bundesliga vom 1. FC Köln übernommen und ist in höchster Abstiegsnot. In den 1950er-Jahren spielten die Hamburger mit dem VfL und Eintracht Osnabrück in einer Liga.

Osnabrück. Für die Spieltagsvorschau in der Neuen Tagespost″ rückte Karikaturist Fritz Wolf damals Woche für Woche die anstehenden Spielpaarungen der Oberliga Nord ins Bild, in der unter anderem die Hamburger und die Osnabrücker antraten.

Der alte Seemann kann nachts nicht schlafen″, prangt als Schriftband über einer Karikatur, mit der Wolf am 8. Dezember 1951 die Begegnung des VfL Osnabrück gegen den HSV ankündigte: Unruhig sucht der Hamburger Seebär aus der Hängematte heraus den richtigen Radiosender, wobei die zwei im Spiel zu vergebenden Punkte noch in der Rumbuddel neben ihm verkorkt sind.

An der Wand vergilbt jene Urkunde, die dem HSV die deutsche Fußballmeisterschaft von 1923 bescheinigt, während die Fußballschuhe samt Spieltags-Seesack für die aktuelle Begegnung bereitstehen. Verschmitzt grinst derweil der kleine VfL mit gezückter Schere den großen HSV an, um ihn als Klabautermann″ unsanft auf den Boden der Tatsachen zu befördern (woraus freilich nichts werden sollte, der Favorit gewann das Heimspiel mit 5: 2).

Die Bildidee ist typisch für die frühen Jahre Fritz Wolfs in Osnabrück, nachdem er als Illustrator und Werbegrafiker bei der Neuen Tagespost″ angeheuert hatte. Noch arbeitet er an jenem unverwechselbaren Stil, der ihn später mit wenigen Strichen komplexe politische oder gesellschaftliche Sachverhalte auf den Punkt bringen ließ. In dieser Zeit wurden seine wöchentlichen Fußballkarikaturen zu einem ersten Markenzeichen.

Bis in die zweite Hälfte der 50er-Jahre sah er den HSV stets als brummigen Seebären, während der FC St. Pauli als leichtfüßiger Matrose daherkommt. Die Braunschweiger Eintracht wird zum furchterregenden und dann wieder zahmen Löwen, während Holstein Kiel als Storch auf Punktejagd geht.

Solcherlei Bilderfindungen Fritz Wolfs spiegeln sich auch in der Zeichnung, mit der Fritz Wolf am 10. März 1951 auf das Spiel von Eintracht Osnabrück gegen die Kiez-Kicker aus St. Pauli vorausschaute. Keck betont die Eintracht im Zahnarztkittel, dass sie bereits den HSV, Werder Bremen und den Braunschweiger Löwen behandelt hat mit offenbar schmerzhaften Folgen. Mit gesenktem Haupt erwartet der Leichtmatrose von der Reeperbahn zitternd im Behandlungsstuhl seine Narkose per Holzhammer. Das Spiel endete schließlich 0: 0.

Wie so oft bei Fritz Wolf lässt sich auch der HSV-Karikatur eine gewisse Aktualität nicht absprechen: Angesichts seines sensationellen Pokalerfolgs vom August 2017 wurde der VfL für den blau-weißen Bundesliga-Dino″ in der laufenden Saison tatsächlich zum Klabautermann. Und ob des drohenden Abstiegs dürfte den alten Seebären des nachts auch wieder eine gewisse Schlaflosigkeit befallen…

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Fritz Wolf im Spiegel seiner Karikaturen

Die Neue Osnabrücker Zeitung widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf zum 100. Geburtstag am 7. Mai 2018 eine Serie. Unter anderem seine frühen Sportkarikaturen sind noch bis zum 15 Juli in der Sonderausstellung Er war ein Osnabrücker! im Diözesanmuseum sehen, die sich vor allem mit seinen Bezügen zur Region beschäftigt. Die Fritz-Wolf-Gesellschaft sucht weiterhin nach unbekannten Zeichnungen, um diese im Begleitbuch zu veröffentlichen und möglicherweise noch kurzfristig in die Ausstellung zu integrieren. Ansprechpartner ist der Medienwissenschaftler Sebastian Scholtysek, Telefon 01 76/ 31 11 06 63, E-Mail: post@ Fritz-Wolf.de.
Autor:
Hermann Queckenstedt


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