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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kleiderlager soll Verschenkmarkt werden
Zwischenüberschrift:
Am neuen Standort im Landwehrviertel soll es auch Gebrauchtwaren für Bedürftige geben
Artikel:
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Originaltext:
Kaum gerettet, schmiedet das Osnabrücker Kleiderlager große Pläne: Von der Gratisbörse für Garderobe will es sich zum Verschenkmarkt entwickeln, der Bedürftige mit nützlichen Gebrauchtwaren versorgt. Auch im Flüchtlingshaus sind die Ehrenamtlichen nach einigem Streit mit Land und Betreiber bald wieder stärker aktiv.

Osnabrück. Nach anderthalb Jahre in der früheren Melanchthonkirche (Kalkhügel) ist das von Raumnot geplagte Osnabrücker Kleiderlager am 8. März ins Landwehrviertel umgezogen und so einer Schließung nur knapp entgangen. Auf dem einstigen Kasernengelände in Atter stellt die Stadtwerketochter Esos dem Freiwilligenprojekt bis 2020 das zuletzt ungenutzte Unteroffizierskasino zur Verfügung. Spätestens ab Mai soll der Betrieb am neuen Standort rundlaufen.

Mehr noch: Beim Sammeln, Sortieren und Verteilen von Kleidern an Bedürftige soll es auf Dauer nicht bleiben. Den federführenden Bürgervereinen Nord-West und Eversburg schwebt vor, das bislang weitgehend auf Textilien und Schuhe beschränkte Kostenlos-Sortiment um weitere Alltagsgegenstände zu ergänzen. Ob Hausrat, Spielzeug, Bücher, Werkzeug oder Technik: Unser Ziel ist es, aus dem Kleiderlager einen Verschenkmarkt zu machen″, sagt Elisabeth Michel, Vorsitzende des Bürgervereins Nord-West und Kopf des Steuerungsteams. Als Vorbild könne der Verschenkmarkt in Oldenburg dienen.

Jede Menge Vorteile

Um Umwelt und Geldbeutel zu schonen, werden dort auf Betreiben der Lokalen Agenda 21 bereits seit 2002 ausrangierte, aber noch funktionstüchtige Konsumgüter von Ehrenamtlichen zentral gehortet und unentgeltlich weitergegeben anfangs in einem alten Hallenbad, mittlerweile in einer von der Stadt angemieteten Firmenhalle. Sperriges und Schweres wie Möbel und Waschmaschinen vermittelt der Abfallwirtschaftsbetrieb online. Auf der Internetseite der Stadt Oldenburg heißt es, der Verschenkmarkt erfreue sich eines Zuspruchs, der kühnste Erwartungen übertrifft″. Personen aller Altersgruppen, Schichten und Kulturen würden sich hier begegnen. Die Einrichtung verknüpfe auf beispielhafte Art ökologische, soziale und ökonomische Belange″.

Kleiderlager-Sprecherin Michel sagt, sie hätte das bundesweit beachtete und mehrfach ausgezeichnete Oldenburger Projekt gerne schon vor Jahren nach Osnabrück geholt″, sei aber in der Stadtverwaltung bislang auf Widerstand gestoßen. Dort werde stets auf die sozialen Kaufhäuser verwiesen. Noch im Februar erklärte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert ihr schriftlich: Die Stadt Osnabrück hat es früh vermieden, Sachspenden zu lagern, zu verwalten oder weiterzugeben. Eine enge Kooperation mit den Wohlfahrtsverbänden ist uns wichtig.″

Aber würde ein Verschenkmarkt den Sozialkaufhäusern wirklich das Wasser abgraben? Am Konrad-Adenauer-Ring 20 gibt es den Markt für alle″, wo das Deutsche Rote Kreuz gut erhaltene Kleidung und andere Sachspenden zu günstigen Preisen verkauft. Und die gemeinnützige Möwe GmbH ein seit Jahrzehnten etabliertes Projekt des katholischen Vereins SKM bietet am Hauswörmannsweg 88 sowie in Jonathans Laden″ (Johannisstraße 88) ebenfalls ein breites Sortiment an Secondhand-Mode, Gebrauchtwaren und Sonderposten an.

Versteckte Armut

Wir konkurrieren keineswegs mit dem Roten Kreuz und der Möwe″, stellt Michel fest, unsere Klientel hat gar nicht das Geld, dort einzukaufen.″ Überall in der Stadt, wenngleich oft sehr versteckt, gebe es große Armut. Menschen, deren finanzielle Mittel fürs tägliche Leben hinten und vorne nicht reichen″ und die deshalb die Hilfe der Osnabrücker Bürgervereine bräuchten. Unsere Aufgabe wird es sein, diese Bedürftigen zu finden und auf das Kleiderlager und den Verschenkmarkt hinzuweisen.″

Allerdings blieben auch die Ehrenamtlichen selbst auf Unterstützung durch Dritte angewiesen. Der geplante Ausbau des Angebots hänge von einer möglichst langfristigen Bleibe ab, außerdem von einer stabilen Kassenlage. Das Steuerungsteam werde deshalb auf die Suche nach geeigneten Räumen, Dauersponsoren und Fördermitgliedern gehen, kündigt Michel an.

Sehr konstruktiv″ sei bereits ein Gespräch verlaufen, das am Mittwoch mit dem Osnabrücker Flüchtlingshaus wegen der Ende 2017 aufgelösten Kleiderkammer für Erwachsene geführt worden sei. Diese war seit Jahren vom Kleiderlager bestückt worden. Doch zuletzt sahen die niedersächsische Landesaufnahmebehörde (LAB) und die Diakonie als Betreiberin des Flüchtlingshauses keinen Bedarf mehr.

Nun soll die Ausgabestelle wiedereröffnet werden. Wir konnten LAB und Diakonie davon überzeugen, ihre Entscheidung rückgängig zu machen″, berichtet Michel. Eine Kooperationsvereinbarung sehe vor, dass der Bürgerverein Nord-West und das Steuerungsteam des Kleiderlagers die Verantwortung für die Kleiderkammer im Flüchtlingshaus übernehmen. Ein Chaos wie früher″ werde es dann nicht mehr geben.

Bildtext:
Exodus: Das Osnabrücker Kleiderlager ist nach anderthalb Jahren aus der Melanchthonkirche ausgezogen. Am neuen Standort im Landwehrviertel will es sich zu einem umfassenden Verschenkmarkt weiterentwickeln.
Foto:
Bürgerverein Nord-West

Kommentar
Verschenkmarkt schont Umwelt und Geldbeutel

Weitergeben statt wegwerfen: Nachhaltiger, wirtschaftlicher und sozialer geht es kaum. Ein Verschenkmarkt für Bedürftige nach dem Oldenburger Vorbild wäre deshalb auch in Osnabrück einen Versuch wert. Mit bestehenden Sozialkaufhäusern würde er nicht konkurrieren, sondern ihr Angebot sinnvoll ergänzen.

Täglich werden in den Haushalten Gegenstände ausrangiert, die noch funktionstüchtig und damit für den Müll viel zu schade sind. Ein Verschenkmarkt würde eine zusätzliche Möglichkeit schaffen, gebrauchte und gut erhaltene Waren im Kreislauf zu halten. Das hilft, Abfall zu vermeiden und sparsam mit Ressourcen umzugehen.

Neben der Umwelt schont ein Verschenkmarkt auch den Geldbeutel all jener Mitbürger, die sich Fabrikneues schlicht und ergreifend nicht leisten können von Luxus ganz zu schweigen. Weiterer Vorteil einer solchen Einrichtung: Sie fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt, indem sie die Menschen vor Ort dazu bringt, sich mehr umeinander zu kümmern.

Unbegründet scheint die Sorge, ein Verschenkmarkt für Bedürftige würde sozialen Kaufhäusern das Geschäft verderben. In Oldenburg zeigt sich, dass beide Einrichtungen nicht nur nebeneinander bestehen, sondern sogar eng zusammenarbeiten können. So gehen zum Beispiel Ladenhüter aus dem Sozialkaufhaus immer erst hinüber zur Gratis-Resterampe, bevor sie mangels Interessenten tatsächlich entsorgt werden.
Autor:
Sebastian Stricker


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