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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wohnprojekt in Voxtrup geplant
 
79 neue Wohnungen für Voxtrup
Zwischenüberschrift:
Evangelische Stiftungen kaufen „Grünen Garten″ – Ärger über Kahlschlag vergessen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Überall in Osnabrück werden neue Wohnungen gebaut, nur nicht in Voxtrup! So lautete noch vor wenigen Wochen die Klage im Bürgerforum des Stadtteils. Doch jetzt kommt etwas in Bewegung: Die Evangelischen Stiftungen planen 79 Wohnungen und 100 Plätze für eine stationäre Altenhilfeeinrichtung der Diakonie an der Meller Landstraße. Der Kaufvertrag für die 4, 8 Hektar große Fläche wurde am Freitag unterzeichnet, zur Bebauung sind aber nur 1, 8 Hektar vorgesehen. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert freut sich, das Projekt komme genau zur richtigen Zeit. Er hofft, dass es schon 2019 zum ersten Spatenstich kommt. Vor vier Jahren hatte es große Empörung gegeben, weil die Fläche in Voxtrup großflächig gerodet worden war. Inzwischen ist Gras darüber gewachsen.

In Voxtrup planen die Evangelischen Stiftungen den Bau von 79 Wohnungen und 100 Plätzen für die stationäre Altenhilfe. Die 4, 8 Hektar große Fläche an der Meller Landstraße wurde zuletzt von einem Gartenbaubetrieb genutzt. Vor vier Jahren gab es Ärger, als dort viele Bäume verschwanden.

Osnabrück. Am Freitagmorgen ging es zum Notar, am Mittag zur Pressekonferenz. Johannes Andrews, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Stiftungen, bezeichnete das 4, 8 Hektar große Gelände als gut geeignet, um den Bedürfnissen von jungen und älteren Menschen unterschiedlicher Lebenssituationen und Einkommensverhältnisse gerecht zu werden. Zur Bebauung sind 1, 8 Hektar davon vorgesehen.

Betreutes Wohnen

Noch Ende Januar war im Bürgerforum Voxtrup Klage darüber geführt worden, dass im Stadtteil kaum neuer Wohnraum geschaffen werde. Nicht ohne Stolz treten die Evangelischen Stiftungen nun mit der Nachricht an die Öffentlichkeit, dass auf dem als Grüner Garten″ bekannten Betriebsgelände 21 Einfamilien-, Stadt- und Reihenhäuser, 36 Mietwohnungen in acht Mehrfamilienhäusern und 22 Wohnungen für betreutes Wohnen entstehen sollen. Vorgesehen ist, die Grundstücke nach dem Erbbaurecht zu vergeben.

Im Zusammenhang mit dem Wohnprojekt soll ein Gemeinschaftsraum entstehen, der nicht nur dem neuen Quartier, sondern dem ganzen Stadtteil zur Verfügung steht als Versammlungsraum, als Vereinstreff und für private Feiern. Gemeinschaft braucht Bewegung″, betonte Stiftungsvorstand Andrews, und von den neuen Bewohnern werde erwartet, dass sie sich da einbringen″. Geplant ist außerdem der Aufbau eines Integrationsbetriebes, der Menschen mit Behinderungen eine Teilhabe am Berufsleben ermöglicht.

Haus Ledenhof zieht um

Entwickelt wurde das Projekt gemeinsam mit der Diakonie Osnabrück. Ursprünglich ging es nur darum, für das Haus am Ledenhof eine Nachfolgeeinrichtung zu schaffen, wie Sabine Weber, die Geschäftsführerin der Altenhilfe in der Diakonie Osnabrück, erläuterte. Aber sehr schnell sei mehr daraus geworden, und das passe gut ins Konzept. Die Einrichtung sei die ideale Ergänzung zu den Mietwohnungen für betreutes Wohnen.

Zufrieden äußerte sich auch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, der zugleich Vorsitzender des Verwaltungsrats der Evangelischen Stiftungen ist. Das Projekt komme genau zur richtigen Zeit und trage dazu bei, dass 3000 neue Wohnungen bis zum Jahr 2020 realisiert werden könnten. Im Pressegespräch wies Griesert darauf hin, dass die Planung vorab mit den städtischen Gremien abgestimmt worden sei. Die Verwaltung werde jetzt ein Bebauungsplanverfahren einleiten mit dem Ziel, dass 2019 der erste Spatenstich stattfinden könne.

Begeisterung für das Wohnprojekt Grüner Garten″ spricht aus einer Pressemitteilung der SPD-Ratsfraktion, die am Freitag von der SPD-Ratsfraktion verbreitet wurde. Mit der Formulierung, es handle sich um ein Vorzeigeobjekt für gemeinschaftliches Bauen im Stadtteil Voxtrup″, werden Fraktionschef Frank Henning und Kerstin Lampert-Hodgson als familienpolitische Sprecherin darin zitiert. Der SPD, so heißt es weiter, liege sehr daran, dass in diesem neuen Baugebiet auch Wohnungen entstehen, die sozialgebunden sind″.

Noch im März 2014 hatten sich Politiker aus verschiedenen Ratsfraktionen strikt gegen eine Bebauung der Fläche ausgesprochen. Der Grund: Auf dem Gelände hatte die Eigentümerin zahlreiche große Bäume roden lassen. Das wurde im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt missbilligt, weil damit wie es damals hieß – „ Tatsachen geschaffen″ würden. Ein Rechtsverstoß wurde allerdings nicht festgestellt, denn in Osnabrück gab und gibt es keine Baumschutzsatzung.

Mittlerweile ist offenbar Gras über die Angelegenheit gewachsen. Wohnraum ist knapp geworden, die Stadt sucht händeringend Bauflächen. Franz Schürings, der Leiter des Fachbereichs Städtebau, drückt es so aus: Inzwischen hat sich die Welt weitergedreht...″

Bildtexte:
79 Wohnungen sollen auf dem früheren Betriebsgelände des Grünen Gartens″ in Voxtrup entstehen. Die Zeichnung zeigt rechts die Meller Landstraße und unten die Straße Am Gut Sandfort″.
Zeichnung:
Ev. Stiftungen
Die Hofgebäude vom Grünen Garten″ sollen abgerissen werden, um Platz für das neue Wohnquartier der Evangelischen Stiftungen zu schaffen.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Ein Schönheitsfehler?

Für Voxtrup ist es ein Gewinn, dass 79 neue Wohnungen in einer so günstigen Lage entstehen können. Grundschule und Kindergarten sind nicht weit, der Bus hält vor der Tür, an Einkaufsmöglichkeiten und Praxen in der Nähe mangelt es nicht. Insofern ist der Grüne Garten″ als Baugebiet besser geeignet als jede Fläche in der freien Landschaft. Aber gibt′s da nicht einen kleinen Schönheitsfehler?

Vor vier Jahren war die Empörung groß, als in Voxtrup die Motorsägen kreischten. Stattliche Bäume verschwanden von der Bildfläche, und es war offensichtlich, dass da jemand Tabula rasa machen wollte, um die Fläche als Bauland zu versilbern. So weit dürfe es nicht kommen, tönte es damals aus dem Stadtentwicklungsausschuss. Aber daran möchte jetzt wohl keiner erinnert werden.

Die Welt hat sich weitergedreht, wie es Stadtplaner Schürings so nett ausdrückt. Mit der Wohnungsnot haben sich die Gewichte verschoben, die Zeichen stehen auf Pragmatismus. Und jene, die sich damals so lautstark empört haben, merken vielleicht, dass sie sich zu weit aus dem Fenster gelehnt haben.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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