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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Überschrift:
Chef will Azubi vor Abschiebung bewahren
Zwischenüberschrift:
Jamal (19) ist bei Dieckmann Bauen + Umwelt gut integriert – Unternehmen warnt: Fatales Signal
Artikel:
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Originaltext:
Für Jamal ist ein Traum in Erfüllung gegangen, als er seine Lehre als Kfz-Mechatroniker bei Dieckmann Bauen + Umwelt beginnen konnte. Die Arbeit macht ihm Spaß, bei Vorgesetzten und Kollegen ist der 19-Jährige beliebt. Doch jetzt soll Jamal in den Sudan abgeschoben werden.

Osnabrück. Für den Betriebsratsvorsitzenden Friedrich Pfohl ist der junge Afrikaner ein Beispiel für gelungene Integration. Jamal hat in unserem Unternehmen die besten Bedingungen für einen qualifizierten Berufsabschluss und eine erfolgreiche Zukunft. Für uns ist er ein Glücksfall″, vermerkt Pfohl, der auch Ausbildungsleiter ist. Jens Zuther, Geschäftsführer von Dieckmann Bauen + Umwelt, sieht es genauso: Kaum eine Integration gelingt so gut wie die von Jamal″, sagt er, und warnt, dass eine Abschiebung fatale Auswirkungen auf die Ausbildungsbereitschaft vieler Betriebe haben könnte.

Elternhaus verbrannt

Jamal Eldein Ahmed ist vor zwei Jahren über Libyen und das Mittelmeer nach Europa gekommen. Das Haus seiner Eltern sei verbrannt worden, sagt der junge Mann; ob sein Vater und seine Mutter noch lebten, wisse er nicht. Sein Bruder sei eingesperrt worden, weil er sich geweigert habe, Militärdienst zu leisten. Auch ihn hätten die Milizen abholen wollen, berichtet der 19-Jährige. Aber er sei seinen Verfolgern entkommen, weil er sich mehrmals in einem Wald versteckt habe.

Im Asylverfahren wurde dem Antragsteller vorgehalten, dass er damals noch minderjährig war und die Wehrpflicht im Sudan erst ab 18 gelte. Offiziell sei das so, bestätigt Jamal, aber in seiner Heimat wisse jeder, dass schon 16- oder 17-jährige Jungen zum Militär eingezogen würden. Der Richter zweifelt außerdem die sudanesische Herkunft des Asylbewerbers an und wirft die Frage auf, ob er nicht aus dem Tschad gekommen sei. Dabei beruft er sich auf Widersprüche, die sich aus aktuellen und früheren Einlassungen ergeben hätten. Jamal blickt verwirrt auf, wenn er das hört. Er kann sich diesen Gegensatz nur mit Übersetzungsfehlern erklären.

Im Traumjob arbeiten

Sein Chef Jens-Peter Zuther will sich gar nicht auf irgendwelche Spitzfindigkeiten einlassen. Jamal ist seit seinem Kindesalter auf der Flucht″, gibt der Dieckmann-Geschäftsführer zu bedenken, für uns ist nicht die Herkunft wichtig, sondern, dass er hier bei uns angekommen ist und seine Zukunft aktiv angeht und gestaltet.″

Personalchef Gerold Jerosch weist darauf hin, dass der junge Mann niemandem zur Last falle: Er lebt von seiner Ausbildungsvergütung und bezieht keine staatliche Förderung″. 785 Euro bekommt der angehende Kfz-Mechatroniker pro Monat. Damit komme er aus, sagt der junge Mann, der eine kleine Wohnung in Hilter hat und mit dem Bus zur Arbeit fährt.

Jamals Deutsch ist noch etwas holprig, aber verständlich. Jedem, der es hören will, erzählt er, wie sehr ihm die Arbeit mit Baggern, Lkw und anderen großen Maschinen gefalle: Jeden Tag neue Sachen das ist mein Traumjob! In der Firma hat er viele Unterstützer, die unbedingt seine Abschiebung verhindern wollen. Es sei ein Unding, dass ein junger Mensch aus seiner Ausbildung herausgerissen und abgeschoben werden solle, sagt der Betriebsratsvorsitzende Friedrich Pfohl.

Eine Abschiebung sei das falsche Signal, meint Personalleiter Gerold Jerosch. Denn eine solche Entscheidung werde dazu führen, dass immer weniger Betriebe Flüchtlinge einstellten, deren Status nicht gesichert sei. Ein Kreislauf, der nur Verlierer produziert″, lautet sein Fazit. Bei Dieckmann wollen sich Mitarbeiter und Geschäftsleitung jetzt mit einer Unterschriftenaktion dafür einsetzen, dass Jamal seine Ausbildung beenden darf und eine sichere Zukunft im Betrieb finden kann.

Bildtext:
Als Glücksfall für den Betrieb″ wird der 19-jährige Jamal bezeichnet, der bei Dieckmann Bauen + Umwelt eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker absolviert. Aber jetzt droht ihm die Abschiebung.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Schaden angerichtet

Asylantrag abgelehnt? Tut uns leid, dann wird abgeschoben. Dieser Automatismus ergibt sich aus dem Gesetz. Und Innenminister Horst Seehofer wird jede Abschiebung als persönlichen Erfolg im Wettrennen um die Gunst der AfD-Wähler verbuchen. Ganz gleich, wem er damit schadet oder nützt. Mit der Abschiebung des 19-jährigen Jamal wird Schaden angerichtet. Der Junge ist gut integriert, lernwillig und fleißig. Solche Leute brauchen wir!

Die deutschen Unternehmen suchen Fachkräfte, 1, 1 Millionen Stellen sind unbesetzt. Ein Einwanderungsgesetz für Fachkräfte soll ja im Anstich sein. Aber die Verlautbarungen aus Berlin klingen nach Abschreckung. Von Integration ist kaum die Rede.

Das Beispiel Jamal zeigt, dass es eine tiefe Kluft zwischen betrieblichem Alltag und politischer Opportunität gibt. Ein Einwanderungsgesetz könnte manches zum Besseren wenden. Solange es das nicht gibt, kann ein Unternehmen wie Dieckmann nur hoffen, dass es wenigstens mit dem politischen Asyl klappt.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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