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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Winterzauber 2018 auf der Kippe
 
Winterzauber kommt ins Schlittern
Zwischenüberschrift:
Schausteller sauer auf die Stadt
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Organisatoren des Winterzaubers mit Eisbahn auf dem Osnabrücker Ledenhof sind vergrätzt, weil die Stadt ihrer Meinung nach die Fläche ein Jahr zu früh für ein Interessenbekundungsverfahren ausgeschrieben hat.

Bei Fredi Welte taut die Lust an einem Winterzauber 2018 auf dem Ledenhof dahin wie Eis in der Sonne. Der Schausteller ist sauer: Wir überlegen, ob wir den Winterzauber in diesem Jahr noch mal machen.″

Osnabrück. Was den Mann auf die gar nicht so winterliche Palme treibt, ist das Vorgehen der Stadt, die für die Fläche am Ledenhof ein Interessenbekundungsverfahren (IBV) ausgeschrieben hat. Mithin können sich bereits in diesem Jahr andere Veranstalter für den Ledenhof bewerben. Das sei gegen die Absprache, so Welte. Wir hatten die Zusage, dass wir den Winterzauber an dieser Stelle drei Jahre lang machen können.″ Mit dem IBV breche die Stadt ihr Versprechen.

Wir haben zwei Jahre für nichts gearbeitet″, sagt Welte. Soll heißen: Die sicherlich vorhandenen Einnahmen reichten aufgrund der Investitionen (vor allem die Anschaffung der Kunststoffbahn) nicht, um den Betrieb in die Gewinnzone rutschen zu lassen. Jetzt im dritten Jahr, wo der Winterzauber zum ersten mal positive Zahlen schreiben könnte, setze die Stadt absprachewidrig ein IBV in Gang. Laut Welte gibt es eine mündliche Zusage der Verwaltung, dass seine Truppe den Winterzauber auf dem Ledenhof drei Jahre gesichert durchführen kann. Erst im vierten Jahr sollte demnach die Fläche neu ausgeschrieben werden.

Seinerzeit im Sommer 2016 war auf Antrag der SPD im Rat auch diskutiert worden, die Veranstalter von den Sondernutzungsgebühren freizustellen. Immerhin sind Welte und Co. mit ihren Investitionen ein nicht unerhebliches Risiko eingegangen. Daraus wurde nichts, die Zusage über eine dreijährige Festschreibung habe es von der Verwaltung aber sehr wohl gegeben, so Welte. Von dem IBV überrascht wurde auch Christoph Sierp. Das geht doch gar nicht″, lautet sein Kommentar. Er zeigt Verständnis für Weltes Verärgerung, zumal auch Sierp sich daran erinnert, dass den Eisbahnbetreibern eine dreijährige Anlaufzeit gegeben worden sei.

Auf dem Holzweg

An eine solche Regelung mag sich bei der Stadt niemand so recht erinnern. Man sieht Welte da auf dem Holzweg″. Über 2018 sei nie gesprochen worden, sagt Jürgen Wiethäuper vom Ordnungsamt. Das war nicht Gegenstand der Absprache.″ Ihm liege eine Mail vom August 2016 vor, in der das eindeutig geschrieben ist″. Das IBV sei so abgefasst, dass niemand ausgeschlossen werde, so Wiethäuper. Für die Schaustellergruppe um Welte sieht er keinen Mehraufwand durch das IBV, denn wenn der Winterzauber so durchgeführt werde wie in den vergangenen zwei Jahren und es keine Veränderungen gebe, lägen ja alle Unterlagen bereits vor. Außerdem sei ja klar, dass Welte und Co. 2019 ohnehin wieder in die Bütt″ gemusst hätten. Sollte das IBV jetzt zu ihren Gunsten ausgehen, hätten die Schausteller bis 2020 den Zuschlag und damit Planungssicherheit.

Bis zum 28. Februar müssen die Bewerber ihre Unterlagen bei der Stadt eingereicht haben. Ob dann auch ein Briefumschlag von Welte und seinen Kollegen dabei ist, ist ungewiss. Den derzeitigen Veranstaltern ist zumindest im Moment so gar nicht nach einer Teilnahme am IBV. Zwar ist das IBV auf den Winterzauber zugeschnitten, denn die Stadt will an dieser Stelle wieder eine Eisbahn sehen, die Enttäuschung bremst aber offensichtlich den Tatendrang. Welte kündigt an, dass er durchaus Alternativen in anderen Städten habe.

Und dann birgt das IBV noch eine zweite Überraschung: Die Stadt bringt mit einer Fläche rund um die Katharinenkirche einen weiteren Standort ins Spiel, und zwar zunächst für das Jahr 2018 . Die etwa 720 Quadratmeter große Fläche wird in diesem Jahr erstmalig angeboten. Es gibt jemanden, der Interesse an dieser Fläche bekundet hat″, sagt Wiethäuper. Allerdings sei der Wochenmarkt gesetzt″.

Der Interessent ist Sierp. Das ist wohl auf unsere Anregung hin in den Fokus gerückt worden.″ Seine ursprüngliche Idee sei es gewesen, den Schlossinnenhof mit einem Weihnachtsmarkt zu bespielen. Das wäre doch eine fantastische Kulisse″, so Sierp. Zudem wäre eine Anbindung an den Winterzauber gegeben gewesen. Allerdings hätte sich das Projekt durch Sicherheitsbedenken schnell erledigt. Sierp, der schon den Neumarkt mit dem Winterdorf bestückt hat, an dieser Stelle aber keine Zukunft sieht, ist überzeugt, dass sich die Osnabrücker über eine Alternative zum historischen Weihnachtsmarkt freuen würden. Allerdings müsste für die Zeit des Weihnachtsmarktes der Wochenmarkt auf diese Fläche verzichten. Und das ist laut IBV nicht gegeben. Für Sierp ein K.-o.-Kriterium. Außerdem gibt es keine Sonderkonditionen bei den Nutzungsgebühren.

Auch dass die Fläche nur für ein Jahr ausgeschrieben ist, hält Sierp für einen Witz″. Alles, was einen schönen und heimeligen Charakter auf der Fläche schaffen würde, ist nicht machbar″, sagt Sierp, der unter diesen Umständen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Interesse bekunden wird.

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Bildtext:
Die Stadt hat für die Winterzauberfläche auf dem Ledenhof ein Interessenbekundungsverfahren ausgeschrieben.
Foto:
Ebener

Kommentar
Frage des guten Tons

Osnabrücks Veranstalter haben gute Ideen, wie sie die Feste dieser Stadt bereichern können. Die Frage ist nun, ob die Stadt ihnen auch mit dem richtigen Gespür für gute Ideen begegnet.

Bezüglich der Ledenhof-Fläche für den Winterzauber steht Aussage gegen Aussage. Ob hier den Veranstaltern nun drei Jahre zugesagt waren oder nicht, lässt sich für Außenstehende kaum klären. Die Frage aber, ob es denn nicht im Vorfeld eines IBV ein Gespräch mit den Veranstaltern hätte geben müssen, um mögliche Unstimmigkeiten schon im Vorfeld aus dem Weg zu räumen, ist mit einem klaren Ja″ zu beantworten. Das aber war offensichtlich nicht der Fall.

Schade, denn so entsteht der Eindruck der Gleichgültigkeit seitens der Stadt den Veranstaltern gegenüber. Attraktionen wie zum Beispiel die Eisbahn sind Magneten, die Publikum nach Osnabrück locken, mithin Kaufkraft generieren. Die lässt sich zwar schwer beziffern, ist aber nicht von der Hand zu weisen. Diese Werbung ist für die Stadt kostenfrei. Da ist es eine Frage des guten Tons, den Partnern nicht vor den Kopf zu stoßen.
Autor:
Dietmar Kröger


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