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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„16 vorzeitige Todesfälle pro Jahr″
Zwischenüberschrift:
Emotionale Debatte im Umweltausschuss zum Luftreinhalteplan
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Ursprünglich hat der Umweltausschuss am Donnerstagabend lediglich darüber abstimmen sollen, ob der Rat der Stadt den Entwurf des fortgeschriebenen Luftreinhalteplans im März für vier Wochen auslegen soll. Eine Formalie. Nicht diesmal: Vor der Abstimmung kam es zu einer emotionalen Debatte.

Osnabrück. Der Ausschuss tagte keine zwei Stunden, nachdem das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig sein Urteil über die Rechtmäßigkeit von (Diesel-) Fahrverboten der Kommunen auf den Dienstag vertagt hatte. Viele Städte stehen auf der Sünderliste der Deutschen Umwelthilfe (DUH), sie droht auch Osnabrück mit einer Klage. Genug Diskussionsstoff.

Den Anfang auf der Rednerliste machte Steffen Grüner vom Bund Osnabrücker Bürger (BOB). Er bekräftigte erneut seine Kritik an den Hochrechnungen und Prognosen zur Verkehrsbelastung auf dem Wallring wie schon kurz zuvor bei einer Pressekonferenz. Zudem pochte er erneut darauf, dass der Verkehr in Osnabrück flüssiger fließen müsse, um Schadstoffe zu reduzieren.

Dem entgegnete Stadtbaurat Frank Otte (Bündnis 90/ Die Grünen): Ja, Verkehrsverflüssigung helfe, er habe BOB aber mehrfach erklärt, dass ein 0, 5-Liter-Bier nicht ein 0, 3-Liter-Glas passt″. Anders gesagt: Es gebe in Osnabrück einfach nicht genug Platz für so viele Autos. Zudem habe die Neumarktschließung Verkehr aus der Innenstadt herausgehalten. Wir haben nur einen Bruchteil vom Verkehr am Neumarkt auf dem Wall wiedergefunden″, sagte Otte.

Volker Bajus, umweltpolitischer Sprecher der Grünen, führte eine aktuelle Studie des Umweltbundesamts an. Ihr zufolge sterben jährlich 6000 Menschen in Deutschland vorzeitig durch Stickoxide aus Dieselabgasen. Heruntergerechnet auf Osnabrück seien das 16 vorzeitige Todesfälle eine erschreckende Zahl″. Und dennoch könne er der Vorlage nicht zustimmen. Das Ziel, den Stickstoffdioxidwert erst bis 2022 einhalten zu können, wie es im Luftreinhalteplan steht, sei zu spät. Das mussten wir schon 2015″, sagte Bajus. Wobei der maximale Verlängerungszeitraum für Osnabrück Ende 2015 ausgelaufen war und der Grenzwert entsprechend erst 2016 endgültig eingehalten werden musste.

Heiko Panzer von der SPD nannte die in einem Maßnahmenszenario im Luftreinhalteplan anvisierte Reduzierung des Pkw-Verkehrs um vier Prozent Wunschdenken″. Generell biete der Plan wenige Dinge, die kurzfristig wirkten. Auch Wulf-Siegmar Mierke von der Gruppe UWG/ Piraten sagte, nicht an die vier Prozent zu glauben, schließlich nehme der Verkehr zu statt ab. Die digitale Verkehrslenkung zur Vermeidung von Staus und Stop-and-go komme, wenn überhaupt, erst in ein paar Jahren und damit zu spät.

Oliver Hasskamp (FDP) sagte, er setze insbesondere auf die im Plan genannten Szenarien M8 (Reduzierung Pkw-Anteil um vier Prozent) und M9 (umweltsensitive Verkehrslenkung). „ Das grundsätzliche Ziel ist die Reduzierung der Verkehrsmenge und damit der Schadstoffe″, sagte er. Die CDU hingegen setze weiterhin auf den Dreiklang aus ÖPNV, Auto und Rad, sagte Marius Keite.

Für Giesela Brandes-Steggewentz von der Linkspartei ist der ÖPNV mit entscheidend. Der Ausbau sei gut, allerdings fehlten Querverbindungen zwischen den Stadtteilen.

Die Ausschussvorsitzende Anette Meyer zu Strohen (CDU) erinnerte an dieser Stelle zum zweiten Mal daran, dass es im Ausschuss lediglich um die Öffentlichkeitsbeteiligung gehe und ließ abstimmen. Der Ausschuss stimmte bei Enthaltung der beiden stimmberechtigten Grünen einstimmig dafür, den Rat im März über die gesetzlich vorgeschriebene öffentliche Auslegung entscheiden zu lassen.

Einigkeit herrschte immerhin beim Ursprung des ganzen Schlamassels: die Betrügereien einiger Autohersteller und die Weigerung der Bundesregierung, echte Abhilfe zu schaffen, etwa in Form der blauen Plakette. Stadtbaurat Otte versicherte, Anregungen der Bürger nach der öffentlichen Auslegung des Luftreinhalteplans einzuarbeiten.

Die Umwelthilfe ließ indessen wissen, dass sie vom Entwurf des Luftreinhalteplans enttäuscht″ sei. Der Verband kritisierte insbesondere, dass die Stadt kurzfristig lediglich acht Busse von Euro 5 auf Euro-6-Standard umrüsten wolle. Wir hätten mit mehr Engagement gerechnet″, sagte eine DUH-Sprecherin unserer Redaktion. Über eine Klageerhebung sei noch nicht entschieden. Die DUH hatte auf die Einhaltung der Grenzwerte bis Anfang 2018 gepocht, der Stadt aber Zeit gegeben, um ihren Luftreinhalteplan fortzuschreiben.

Bildtext:
Der Grenzwert für das giftige Stickstoffdioxid wird am Schlosswall seit Jahren überschritten.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Jörg Sanders


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