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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wiegen, entwurmen und schnell zurück zur Löwenmutter
 
Gestatten, wir sind die tapsigen Sieben
 
„Kein Löwenbaby wird aus Platzmangel getötet″
 
Kinderstube im Löwenkäfig
Zwischenüberschrift:
Löwenbabys werden die neuen Stars im Osnabrücker Zoo – So war es aber nicht geplant
 
Zoo-Tierärztin Susanne Klomburg will keine „Knutisierung″ – Handaufzucht käme nicht infrage
 
Die kleinen Raubkatzen kuscheln und schlafen, mehr gibt es noch nicht zu tun
Artikel:
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Originaltext:
Großer Auftritt für den goldigen Nachwuchs. Sieben Löwenbabys drei Männchen und vier Weibchen aus zwei Würfen sind die neuen Stars im Zoo Osnabrück. Die drei ältesten, geboren am 20. April, zeigten sich gestern putzmunter beim ersten Fototermin, der nach wenigen Minuten schon wieder beendet war. Unter Beobachtung von Zoodirektorin und Tierärztin Dr. Susanne Klomburg wurden die Tiere in Windeseile gewogen und entwurmt. Dann durfte der Nachwuchs wieder zurück zur Löwenmutter Shaba. Der zweite, etwas jüngere Wurf lebt derweil noch zurückgezogen in der Wurfbox. Ungefähr vier Wochen dauert es noch, bis die Besucher das Löwenrudel erstmals zusammen in der Außenanlage sehen können. Mehr Löwenbabys als in Osnabrück hat derzeit kein deutscher Zoo.
Foto:
Gert Westdörp

Osnabrück. Er hat das Zeug zum König der Löwen. Er faucht, raunzt, strampelt mit den Pfoten. Der kleine Kater will sich das nicht gefallen lassen. Da hat ihn doch jemand am Nacken gepackt, in die feuchte Luft getragen, in eine Schale gesetzt, und jetzt soll er auch noch ein schleimiges Zeug schlucken. Und warum ist das hier so hell?
Es sind die Blitzlichter der Pressefotografen beim ersten öffentlichen Auftritt der neuen Stars des Osnabrücker Zoos. Der kleine Kater hat noch keinen Namen, auch seine beiden Geschwister und die vier Verwandten nicht. Die Taufe kommt später, wenn sich die Charakterzüge der Kätzchen langsam zeigen. Der wilde Kater empfiehlt sich für, sagen wir, Max von Max und Moritz. Die Rasselbande wird die Löwen-Kinderstube erst in drei oder vier Wochen verlassen können. Das ist im Zoo wie in der freien Wildbahn: Die Löwin trennt sich zur Geburt vom Rudel und kehrt nach etwa acht Wochen mit dem Nachwuchs zurück. Wenn alles gutgeht, werden Mitte Juni zehn Löwen in dem Gehege liegen (die drei Großen) oder herumtapsen (die sieben Kleinen).
Geplant war das nicht. Zumindest nicht so. Die Pille abgesetzt, und schon war es passiert. Zoo-Tierärztin Dr. Susanne Klomburg erklärt: Nachwuchs zu zeugen und aufzuziehen gehört zum Lebenszweck″ der Tiere, und das soll Zootieren nicht vorenthalten bleiben. Diese Erkenntnis hat sich auch in anderen Zoos durchgesetzt, und so ist Löwennachwuchs hinter Gittern nicht selten. Geburten wurden in den letzten Monaten unter anderem aus Berlin, Leipzig, Nürnberg, Wuppertal, Münster, Basel und dem Safaripark Stukenbrock gemeldet. Allerdings gibt es in keinem deutschen Zoo gleich sieben Kleine auf einen Streich.
Die achtjährige Shaba (die Kupferfarbene″ in der Suaheli-Sprache) gebar am 20. April drei Junge. Vier Tage später folgte Nyota (der Stern″) mit sechs Neugeborenen. Revierleiter Thorsten Vaupel wird die Überraschung nie vergessen. Am späten Nachmittag hatte Nyota das Erste geboren. Dann passierte eine ganze Zeit nichts. Ich dachte, das war′s, und hab Feierabend gemacht.″ Am nächsten Morgen überrascht ihn sein Kollege mit der Nachricht: Es sind sechs. Der schlechte Teil der Nachricht: Zwei der Löwenbabys überleben den ersten Tag leider nicht.

Die drei Kätzchen und vier Kater können mindestens die nächsten eineinhalb Jahre in Osnabrücker Zoo bleiben. Danach wird es für die Männer zu eng. Vater Nakuru, der beide Löwendamen schwängerte, wird die jungen Wilden in seinem Rudel nicht dulden. Das ist die Sollbruchstelle im Löwenleben″, sagt Zoo-Tierärztin Klomburg. Im Alter von 18 Monaten müssen die männlichen Löwen eigene Wege gehen. Wohin der Weg der Osnabrücker Tiere führen wird, ist ungewiss. Männlicher Löwennachwuchs gilt als schwer vermittelbar (mehr dazu im Interview mit Susanne Klomburg).
Der siebenfache Vater Nakuru ist 2001 im Zoo von Nowosibirsk (Russland) geboren, kam 2002 in den Wiener Zoo und lebt erst seit November vergangenen Jahres in Osnabrück. Die Mütter Shaba und Nyota wurden beide 2000 in München geboren und haben seit Dezember 2001 ihr Zuhause am Osnabrücker Schölerberg.
Das erste öffentliche Wiegen dauerte gestern nur fünf Minuten. Der Draufgänger, den wir vorläufig Max nennen, bringt 2, 7 Kilo auf die Haushaltswaage. Thorsten Vaupel trägt ihn zurück ins Löwenhaus, wo eine Holzwand die Raubkätzchen vor den Blicken neugieriger Zoobesucher schützt. Auf ein Wiedersehen in vier Wochen.
Mehr Bilder im Internet www.neue-oz.de

Bildtexte:
Verschmitztes Lächeln. Was führt das Löwenbaby im Schilde?
HAllo da bin ich: Ortwin Imming hebt ein Kätzchen auf die Waage.
Kuschelzeit in der Löwenkinderstube.
Widerwillig schluckt der Kleine die Arznei, die gegen Wurmbefall schützt.
Auf Augenhöhe: Löwenvater Nakuru ist durch Glas von Pfleger Thorsten Vaupel getrennt.
Fotos:
Jörn Martens, Gert Westdörp

Osnabrück. Die sieben kleinen Löwenbabys sind auf dem besten Weg, die Stars in der Anlage am Schölerberg zu werden. Für die Zoodirektorin und Tierärztin Dr. Susanne Klomburg eine echte Herausforderung.

Der Besucher staunt: Siebenfacher Löwennachwuchs im Zoo Osnabrück. Sind Sie auch überrascht?

Nein. Wir haben den Nachwuchs geplant, sind aber über die große Anzahl auch erstaunt. Schließlich haben die beiden jungen Löwinnen zum ersten Mal Nachwuchs bekommen. So große Würfe sind da eher die Ausnahme.

Wann war es so weit?
Shaba bekam ihre drei zwei Männchen und ein Weibchen am 20. April. Bei Nyota waren es am 25. April sogar sechs. Ein Tier ist leider in der ersten Nacht gestorben, ein zweites am Tag darauf. Den anderen vier, einem Männchen und drei Weibchen, geht es aber sehr gut. Sie sind gesund und rund.

Der Zoo hat den Nachwuchs geplant wie muss man das verstehen?
Bislang haben wir bei den Tieren hormonell verhütet. Wir wollten unsere Löwen aber einmal den natürlichen Regelkreislauf mit Brunft und Paarung erleben lassen. Das ist ein auch Stück Lebensqualität für die Tiere. Beute fangen, der tägliche Kampf ums Überleben das fehlt im Zoo. Und in der freien Natur ist die Jungenaufzucht der Daseinszwecks jeder Tierart. Das wollten wir bei unseren Zoolöwen wenigsten einmal zulassen.

Bislang tummelten sich mit dem Männchen Nakuru und seinen beiden Weibchen drei Löwen auf der für sie großzügig bemessenen Anlage. Jetzt kommen sieben dazu. Was machen Sie mit den Jungtieren, wenn sie groß sind? In Basel wurden zwei Tiere eines Wurfes getötet, weil kein Platz für sie gefunden wurde. Droht dem Osnabrücker Löwennachwuchs ein ähnliches Schicksal.
Mit Sicherheit nicht. Zum einen erlaubt das deutsche Tierschutzgesetz so etwas gar nicht. Aber auch unsere Einstellung im Zoo ist im Vergleich zur Schweiz oder skandinavischen Ländern in diesem Punkt eine ganz andere. Wir schläfern nicht ein. Wir betreiben hier ein gutes Zuchtmanagement und nutzen bereits jetzt unsere Netzwerke und Kontakte. Die jungen Männchen müssen spätestens in 18 Monaten ein neues Zuhause gefunden haben. Sonst würde das alte Löwenmännchen sie verdrängen. Bei den Weibchen ist das kein so großes Problem. Die können wir auch als größere Gruppe in Osnabrück halten. Alle Tiere stehen aber schon jetzt auf einer speziellen Tierliste aller Zoos. Aber wir haben wie gesagt noch Zeit.

Süßer Nachwuchs im Zoo lockt immer Besucher an. Gibt es jetzt in Osnabrück auch die Knutisierung″ der Löwenbabys?
Damit habe ich so meine Bauchschmerzen. Also der große Unterschied: Eisbär Knut war eine Handaufzucht. Das machen wir hier mit unseren Löwen nicht mehr! Natürlich kenne ich auch die typischen Klischees vermeintlicher Tierschützer. Sie kommen mit dem Vorwurf, dass wir die Tiere nur für eine Saison aufziehen, vermarkten und uns dann nicht mehr kümmern. Das ist Blödsinn. Uns liegen die Tiere am Herzen.

Aber sieben Babys in einer Saison das ist doch ein echter Renner.
Ja natürlich. Das ist auch gut so . . .

Wann präsentieren Sie die Tiere erstmals im Außengehege?
In drei, vier Wochen. Die jungen Löwen müssen erst richtig laufen und springen können. Der neue Zugang für die Kleinen nach draußen ist schon fertig.

Sieht man dann alle zusammen?
Ja, das ganze Löwenrudel. So wie in der freien Wildbahn.

Bildtext:
Zoodirektorin und Tierärztin in Personalunion: Dr. Susannen Klomburg

Osnabrück. Kleine Goldklumpen″ nannte ein Junge die sieben Löwenbabys, als er die ersten Bilder sah. Sie könnten in der Tat zu Goldklumpen″ in dieser Saison für den Zoo werden.
Auch ohne Medienrummel der Marke Knut″ werden die sieben Wollknäuel gewiss viele Freunde finden. Ab heute ist die Sperre zum Löwenhaus aufgehoben. Der Blick in die Kinderstube muss aber weiter versperrt bleiben, um die Mütter Shaba und Nyota nicht in Panik zu versetzen. Eine hölzerne Sichtblende vor der Glasscheibe lässt nur einen schmalen Einblick, und es gehört schon eine Portion Glück dazu, die kleinen Samtpfoten bei ihren ersten Gehversuchen zu erspähen. Erst in drei bis vier Wochen dürfen sie ins Freigehege.
Gestern hatten drei der sieben Löwenbabys beim Wiegen und Entwurmen zum ersten Mal direkten Kontakt zu Menschen. Nur fünf Minuten durfte die Trennung von Mutter Shaba dauern. Zu groß wäre die Gefahr, dass Shaba ungehalten reagiert und die Kleinen darunter leiden. Auch der König der Osnabrücker Löwen, der siebenfache Vater Nakuru, beobachtet den regen Menschen-Besuch in seinem Revier außerordentlich missmutig. Vielleicht ahnt er auch schon, was auf ihn zukommt: Im Sommer, so kündigte Tierärztin Dr. Susanne Klomburg an, wird Nakuru entmannt. Sieben Kinder sind genug.

Bildtexte:
Was geschieht mit mir? Das noch namenlose Löwenbaby blickt etwas traurig und müde über den rand des Beckens, in dem es gewogen wird. Von Nase bis Schnauze tropfen die Reste eines Wurm-Medikaments.
Mutter Shaba hält Wache in der Kinderstube.
Vater Nakuru reagiert ungehalten auf den menschlichenBesuch in seinem Revier. Argwöhnlich beäugter den Fotografen, setzt an zur Attacke und springt auf den Eindringling zu. Gottlobendet der Angriff vor einer Scheibe aus Panzerglas.
Fotos:
Gert Westdörp, Jörn Martens

Vom Leben der Löwen
Fast alle Löwen in unseren Zoos haben ihre eigentliche Heimat Afrika oder Indien nie gesehen. Sie sind in Zoos geboren und ken-
nen nur das Leben in Gehegen. Löwen leben in Rudeln. Andere Wildkatzen sind Einzelgänger, wie die Tiger zum Beispiel.
Die Schwangerschaft oder Tragzeit dauert bei Löwen vier Monate. Zur Geburt verlässt die Löwin das Rudel und bringt in einem Versteck ein bis vier Junge zur Welt. Die Kleinen können am Anfang nichts sehen. Sechs bis acht Wochen werden sie von der Mutter gesäugt. In dieser Zeit verlassen sie das Versteck nicht. Ihr Fell hat meist dunkle Flecken. Das ist eine gute und wichtige Tarnung. Denn wenn die Mutter Beute jagt, schweben die kleinen Löwen selbst in Gefahr. Sie könnten von Hyänen gefressen werden. Wenn die kleinen Löwen älter werden, verblassen die Flecken allmählich. Nach einem Jahr sind sie kaum noch zu sehen.
Der männliche Löwe ist an der mächtigen Mähne zu erkennen. Es dauert etwa fünf Jahre, bis die Mähne voll ausgebildet ist. Eine prächtige Mähne ist ein Zeichen von Kraft. Damit können die Löwenmänner den Löwinnen imponieren.
Löwen jagen im Rudel und meistens nachts oder in den kühlen Morgenstunden. Sie fressen Antilopen, Gazellen, Gnus, Büffel, Zebras, Hasen oder Vögel.
Im Zoo bekommen die Löwen am Tag etwa vier bis fünf Kilo Rindfleisch zu fressen. Nach drei Tagen werden ein paar Fastentage eingelegt. So ist es auch in der Natur: Wenn die Löwenfamilie ein Gnu erlegt hat, fressen sich alle nacheinander den Bauch voll und ruhen sich aus bis zur nächsten Jagd ein paar Tage später.
Autor:
Berthold Hamelmann, hin


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