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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
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Überschrift:
Postkarte weckt Erinnerungen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Der Osnabrücker Karl Mielenbrink machte sich als Soldat im Frühjahr 1945 von der Front des Zweiten Weltkriegs zu Fuß auf den Weg in die Heimat. Eine Postkarte, die er jetzt zurückbekam, erinnert den Rentner heute noch daran.

Osnabrück. Wir wollten nur noch nach Hause.″ Wie Tausende andere Landser auch hat Karl Mielenbrink im Frühjahr 1945 das Ende des Zweiten Weltkriegs herbeigesehnt.
Der Osnabrücker steckte damals in einer Luftwaffenuniform und sollte noch in Österreich die russischen Divisionen aufhalten. Aber dazu kam es nicht mehr: Stattdesssen machte sich Mielenbrink im Sommer 1945 zu Fuß und quer durch Deutschland auf den Heimweg. Eine Postkarte auf grauem Papier erinnert ihn bis heute an diese Odyssee.
Karl Mielenbrink (Jahrgang 1923) war Fluglehrer, er bildete noch bis Februar 45 Piloten auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck bei München aus. Am Ende hatten wir mehr Piloten als Flugzeuge″, so berichtet er heute, es fehlte einfach am Sprit.″ So wurde seine Einheit noch in der Endphase des Krieges zu einem Fallschirmjäger-Sturmbataillon″ umgetauft und zog mit Pferd und Wagen über die Alpen nach Österreich: Bei Lilienfeld auf der anderen Seite der Donau sollten wir noch die Russen aufhalten. Es war aberwitzig.″
Zum Kampf kam es dann aber nicht mehr: Unterwegs in einem kleinen Dorf bei Kremsmünster sagte der Bürgermeister: Bleibt hier, der Krieg ist doch zu Ende.″
So kam es denn auch. Mielenbrink tauschte die Uniform gegen Klamotten, fabrizierte mit Hilfe dieses Bürgermeisters irgendwelche Entlassungspapiere und machte sich wie Tausende seiner Kameraden in jenem Frühsommer 1945 auf den Weg nach Hause.
Nun lebte diese Zeit erst vor wenigen Wochen für Karl Mielenbrink wieder auf. Denn er bekam eine Postkarte zurück, die er selbst im November 1945 geschrieben hatte, um sich bei einer gastfreundlichen Pfarrersfamilie zu bedanken. Vielleicht erinnern Sie sich noch der beiden Landser, die Mitte Mai bei ihnen Quartier machten und wovon der eine, nämlich ich, einige Tage krank war″, so schrieb Mielenbrink damals an den Pfarrer Döblinger im kleinen Dorf Herrenbrechtheim in Mittelfranken, unsere weitere Tour verlief sehr ordentlich, wir hatten viel Fahrgelegenheit.″
Quer durch Deutschland, zu Fuß, in Güterzügen und ab und an per Lkw: Schon am 3. Juni 45 war Karl Mielenbrink wieder in Osnabrück. Ganz stolz vermeldet er auf der Postkarte noch, er sei jetzt Inspektor-Anwärter bei der Reichsbahn.″ Später sollte er es immerhin bis zum Generalvertreter der Bundesbahn in Osnabrück bringen.
Zurückbekommen hat Karl Mielenbrink seine Postkarte aus dem Jahr 1945 erst vor wenigen Wochen. Gisela Zeilinger, einzige Enkelin jenes Pfarrers Döblinger aus Mittelfranken, fand die Karte aus dem Nachlass der Großeltern und nahm mit dem Schreiber in Osnabrück Kontakt auf: Dass Sie sich in den schweren Monaten nach Ihrer Rückkehr noch Zeit für einen Dank genommen haben, hat mich sehr berührt″, schrieb sie dazu an Karl Mielenbrink. Und dann fügt sie auch hinzu, warum vielleicht ihre Großeltern sich damals im Sommer 45 der vorbeiziehenden abgerissenen Landser angenommen haben: Mein Vater, der älteste und einzige Sohn, ist 1942 in Russland gefallen.″

Bildtext:
Erinnerung an das Kriegsende: Karl Mielenbrink erhielt jetzt eine Postkarte zurück, die er im Jahr 1945 geschrieben hat.
Foto:
Gert Westdörp

Kriegsheimkehrer

Das Ende des Zweiten Weltkriegs war auch eine Zeit der großen Wanderung: Viele Soldaten mussten sich ergeben und kamen in Kriegsgefangenschaft , andere wurden von ihren Kameraden befreit. Deutsche waren vor den heranrückenden Truppen im Osten geflohen oder wurden auch von den Siegern vertrieben. Insgesamt schätzt man heute, dass ungefähr 23 Millionen Deutsche in Gefangenschaft kamen oder auf der Flucht waren. Etwa 15 Millionen Menschen waren zuvor von Deutschen als Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter verschleppt worden. Die letzten deutschen Kriegsheimkehrer kamen
erst 1956 nach Hause.
Autor:
Frank Henrichvark


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