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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Winter am Waterloo-Tor
Zwischenüberschrift:
Die Osnabrücker sagten lieber weiterhin Heger Tor zu dem Kriegerdenkmal
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Auch dieses schöne Winterbild vom Heger Tor (oder Waterloo-Tor) verdanken wir unserer Leserin Edeltraut Urban, die sich im schneereichen Februar 1955 mit ihrer Kamera auf den Weg gemacht hatte, um die wie verzaubert daliegende Stadt fotografisch festzuhalten.

Osnabrück. Ihr Standort am oberen Ende des nördlichen Treppenaufgangs lässt sich heute sehr gut nachvollziehen, da die denkmalgeschützte Anlage noch genauso aussieht wie vor 63 Jahren.

Auf Straßenniveau gibt der Vorher-nachher-Vergleich allerdings Anlass zu einigen Anmerkungen. Wir blicken in die südwärts verlaufende Richtungsfahrbahn des Heger-Tor-Walls. Und die ist so, wie manche Verkehrsexperten mit Rücksicht auf breitere Fahrradspuren das gerne wieder hätten: einspurig. In späteren Jahren mussten all die Bäume, die rechts der Fahrbahn stehen, der verbreiterten Ringstraße weichen.

Weichen musste auch die kleine parkartige Anlage vor dem Kulturgeschichtlichen Museum. Direkt oberhalb des unteren Treppen-Pfeilers ist das Rondell vor dem ehemaligen Haupteingang des Museums zu erkennen. Die gärtnerische Anlage zog sich nach rechts weiter bis in die Lotter Straße hinein zum Akzisehaus, der damals sogenannten Kleinen Post″. Hinter dem hohen Stahlmast, an den die Fahrdrähte für die Straßenbahn gespannt waren, sehen wir das WC-Häuschen, angeschmiegt an das Museum. Heute steht an der Stelle das Foyergebäude zum Felix-Nussbaum-Haus.

Wie harmlos damals der Straßenverkehr war, verdeutlich auch die Luftaufnahme″ oben vom Heger Tor herunter auf die Kreuzung. Im Jahr 1955 gab es hier noch keine Ampeln, Autos und Fahrradfahrer sortierten sich unkompliziert um die Kreisverkehrsinsel herum. Es war noch eine vierarmige Kreuzung. Der Fahrzeugverkehr durch das Heger Tor wurde erst 1957 gesperrt. Die Straßenbahngleise kommen aus der Lotter Straße am oberen Bildrand und setzen sich in den Natruper-Tor-Wall rechts fort.

Schon ziemlich alt ist der Streit, ob man das Heger Tor als eines der mittelalterlichen Stadttore bezeichnen darf. Für Puristen ist es ein Kriegerdenkmal der Neuzeit, das allerdings recht harmonisch in die Reste der alten Stadtbefestigung eingefügt wurde. Im März 1815 kämpften bei Waterloo, einem belgischen Dorf südlich von Brüssel, preußische und englische Truppen gemeinsam gegen die Franzosen unter Napoleon. In den englischen Reihen standen auch Soldaten aus Osnabrück, denn zu dieser Zeit lag die Regierungsgewalt im Fürstentum Osnabrück in den Händen König Georgs III. von England und seiner Söhne. Die Osnabrücker Krieger halfen tatkräftig mit, den verhassten Franzosenkaiser zu schlagen, sodass er sprichwörtlich sein Waterloo erlebte″.

Die Bürgerschaft Osnabrücks war nun mächtig stolz auf ihre siegreichen Kinder. Einer tat sich dabei besonders hervor: Gerhard Friedrich von Gülich (1754–1825), ein vermögender Advokat. Er beantragte, auf seine Kosten das ruinöse alte Tor abzureißen und ein neues prächtiges zu Ehren des Landwehrbataillons Osnabrück zu errichten. Dem Magistrat war es recht, ersparte es ihm doch eigene Aufwendungen an dieser Stelle.

Nach einem Entwurf des Wegeinspektors Johann Christian Sickmann entstand 1816/ 17 das neue Heger Tor, das nun offiziell Waterloo-Tor hieß. Die mit goldener Farbe ausgelegte Inschrift lautet: Den Osnabrückischen Kriegern die bei Waterloo den 18. Juni 1815 deutschen Muth bewiesen widmet dieses Denkmal G. F. v. Gülich D.R.D.″.

Das historische Bauwerk erinnert in seinem Erscheinungsbild zugleich an einen klassizistischen Triumphbogen und eine Wehranlage, weil Teile der 1815 abgerissenen großen historischen Wehranlage einbezogen wurden, die aus Turm, Tor, Bastion, Zwinger und Durchfahrt bestand.

Das eigentliche Heger Tor stand im Mittelalter weiter stadtauswärts, etwa 20 Meter westlich vor dem heutigen Waterloo-Tor. Das heute noch existierende Akzisehaus lag direkt neben dem alten Tor.

Die Stadtgeschichte im Blick: Lesen Sie mehr auf www.noz.de / historisch-os

Bildtexte:
Blick in den Heger-Tor-Wall vom nördlichen Treppenaufgang zum Heger Tor im Winter 1955.
Der denkmalgeschützte Treppenaufgang ist unverändert, aber die Straße ist breiter geworden.
Die Verkehrsführung vor dem Heger Tor kam 1954 noch ohne Ampeln aus.
Foto:
Edeltraut Urban, Joachim Dierks, Heinz Lepand
Autor:
Joachim Dierks


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