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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Evakuierung bis tief in die Nacht
 
Doppel-Alarm: Zwei Blindgänger entdeckt
Zwischenüberschrift:
Bomben in der Gartlage und in Atter – Mehr als 8000 Menschen betroffen – Uneinsichtige Anwohner verzögern Evakuierung
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Auf eine lange Nervenprobe wurden am Montagabend rund 8000 Menschen aus Osnabrück und Lotte gestellt. Vollkommen überraschend mussten sie am frühen Abend ihre Häuser wegen einer Bombenevakuierung räumen.

Bei Bauarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Landwehrkaserne war der Fünf-Zentner-Sprengkörper am Nachmittag gefunden worden. Zu diesem Zeitpunkt entschärften die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes aus Hannover gerade einen kleineren Blindgänger in der Gartlage. Dieser machte weniger Probleme als sein großes Pendant in Atter, der gesprengt werden sollte. Bevor die Spezialisten aber zur Tat schreiten konnten, mussten die Bewohner in Osnabrück und Lotte aus ihren Häusern. Und das dauerte.

Überraschender Doppeleinsatz für die Bombenräumer: Binnen weniger Stunden entschärften Sprengmeister Hans Mohr und sein Team gestern zunächst einen relativ kleinen Blindgänger in der Gartlage, um sich danach einem größeren Sprengsatz in der ehemaligen Landwehrkaserne zu widmen. Der Einsatz in Atter dauerte bis in die Nacht.

Osnabrück. Wie der Zufall manchmal so spielt: Die Kampfmittelbeseitiger aus Hannover waren gerade in der Stadt, um in der Kleingartenanlage unweit der Halle Gartlage eine vergleichsweise kleine 45-Kilo-Bombe aus dem Zeiten Weltkrieg zu entschärfen, als am Nachmittag die Meldung hereinkam, dass bei Bauarbeiten in der ehemaligen Kaserne an der Landwehrstraße ebenfalls ein Blindgänger im Boden entdeckt worden sei ein englischer Fünf-Zentner-Sprengkörper.

Es ist das erste Mal, dass wir nach einer Ad-Hoc-Lage gleich die zweite haben″, sagte Daniel Schmock vom THW. Nach getaner Arbeit in der Gartlage rückten die Einsatzkräfte von Polizei, THW und Feuerwehr nach Atter ab. 8000 Menschen, die im Radius von einem Kilometer um den Fundort in der ehemaligen Kaserne leben, mussten ihre Wohnungen verlassen 4500 aus Lotte-Büren, 3500 aus Osnabrück. Darunter auch viele Flüchtlinge, die in das Evakuierungszentrum im Schinkel gebracht wurden. Die Bewohner eines Seniorenheims hatten Glück: Sie konnten innerhalb ihrer Einrichtung auf die von der Bombe abgewandte Seite ziehen.

Wie bei einer unangekündigten Evakuierung nicht anders zu erwarten: Viele Anwohner wussten nichts von dem Bombenfund und waren wenig begeistert von der Nachricht, ihre Häuser verlassen zu müssen. Das verzögerte die Aktion deutlich. Alle mussten raus, und niemand kam hinein. Auch nicht der Fahrer eines Geländewagens, der versuchte, eine Straßensperre der Polizei zu überwinden.

Probleme hatten auch die Mitarbeiter von Feuerwehr und Polizei. Statt das Bürgertelefon zu kontaktieren, riefen viele die gemeinsame Leitstelle an und blockierten die Leitungen.

Zusätzliche Schwierigkeiten bereitete der Blindgänger selbst. So stand relativ schnell fest, dass an eine Entschärfung nicht zu denken war, da der Zünder wahrscheinlich beim Aufprall beschädigt wurde. Eine Sprengung stellte also die einzige Option dar. Deren Wucht sollten Wasserkissen bremsen, die die Feuerwehr über Hydranten befüllten.

Eine weitere Variable: Der Blindgänger lag in unmittelbarer Nähe zur Schienenstrecke Osnabrück-Rheine. Deshalb mussten die Streckenbetreiber bei der Wahl des Zeitpunkts der Sprengung miteinbezogen werden. Bis zur Feststellung der Sicherheit aber fuhren sowohl die Züge, als auch die Busse, die allerdings im Evakuierungsgebiet keine Passagiere mehr herausließen.

Im Einsatz waren mehr als 350 Männer und Frauen von Feuerwehr, THW, Rettungsdienst und Polizei. Wegen der Lage der Bombe an der Landesgrenze kamen sie aus Niedersachsen und NRW. Für sie wurde es genauso ein Geduldsspiel wie für Sprengmeister Mohr, der mit seinem Team vom Kampfmittelbeseitigungsdienst an der Bombe arbeitete.

Der zunächst von Stadtsprecher Gerhard Meyering ausgegebene Zeitplan, die Evakuierung bis 21.30 Uhr abgeschlossen zu haben, musste deutlich nach hinten korrigiert werden. Um 22.10 Uhr waren nach Meyerings Angaben erst 80 Prozent des Evakuierungsgebiets geräumt. Heikel: Einige evakuierte Anwohner hatten sich im Schutze der Dunkelheit wieder in ihre Wohnungen begeben. Das Ergebnis: Erst kurz vor Mitternacht war das gesamte Gebiet gesichert, wenig später erfolgte die Sprengung.

Einige Stunden zuvor hatte Mohr in der Gartlage einen amerikanischen Sprengsatz aus dem Zeiten Weltkrieg unschädlich gemacht. Der Fund kam für die Experten nicht überraschend, denn das Stadtgebiet wird seit Jahren systematisch nach Hinterlassenschaften aus dem Krieg abgesucht. Schnell gehandelt werden musste, weil die Fliegerbombe nur gut einen halben Meter unter der Oberfläche ruhte. Der Blindgänger hatte einen mechanischen Aufschlagzünder, der relativ leicht entschärft werden kann.

Mittags deutete zunächst alles auf einen Routineeinsatz hin. Nur 232 Menschen waren von der Evakuierung betroffen. Es ist ein relativ geringer Radius, und es sind nicht sehr viele Betroffene. Zudem befinden sich einige wohl auch nicht zuhause, da sie arbeiten″, sagte Jürgen Wiethäuper, Leiter des Ordnungsamtes. Die Aktion dauerte dann doch länger als gedacht. Denn es kostete Zeit, bis die Einsatzkräfte sicher sein konnten, dass sich in der unübersichtlichen Kleingartensiedlung keiner mehr aufhielt. Auch ein Hubschrauber kam dabei zum Einsatz. Einige Geschäfte an der Bremer Straße mussten vorübergehend schließen.

Den Zeitpunkt der Entschärfung gab die Bahn vor: Zwischen 15.40 Uhr und 16.20 Uhr wurden die Züge auf der Bahnlinie Hamburg-Münster angehalten. Um 16.16 Uhr gab der Sprengmeister Entwarnung. Die Bombe war entschärft. Diese Bombe...

Der Liveticker zum Nachlesen, eine Karte der Evakuierungsgebiete und mehr Bilder finden Sie auf www.noz.de

Bildtexte:
Vollversammlung an der Fundstelle: Das Gelände der Landwehrkaserne wurde mit Flutlicht ausgeleuchtet.
Um kurz nach Mitternacht war die Fünf-Zentner-Bombe in Atter gesprengt.
Lydia und Johann Schmidthall waren am Nachmittag die einzigen Osnabrücker im Evakuierungszentrum in der Gesamtschule Schinkel.
Grenzüberschreitender Einsatz: Feuerwehrleute aus Niedersachsen und NRW arbeiteten zusammen.
In der Kleingartenanlage an der Halle Gartlage wurde am Montag eine 45-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Sie lag in nur 50 Zentimeter Tiefe.
Fotos:
Gert Westdörp, Michael Gründel
Autor:
Claudia Sarrazin, Mark Otten, Hauke Petersen


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